Alkoholmissbrauch

In Pankow gibt es berlinweit die meisten jungen Komatrinker

Die Zahl der betrunkenen Jugendlichen ist gestiegen. Vor allem Alkoholprobleme der Eltern wirken sich negativ aus.

Immer mehr Jugendliche greifen zur Flasche

Immer mehr Jugendliche greifen zur Flasche

Foto: DAPD

Die Zahl der Komatrinker unter Jugendlichen in Berlin ist gestiegen: Laut statistischem Landesamt gab es 2015 unter Berliner Jugendlichen 275 Alkoholvergiftungen. Das sind 1,1 Prozent mehr als noch im Vorjahr. In Brandenburg stieg die Zahl sogar um 6,9 Prozent an: von 319 auf 341. Und das, obwohl die Zahl deutschlandweit um 2,1 Prozent zurückging. In Baden-Württemberg gab es beispielsweise 2014 noch 2953 Alkoholvergiftungen unter Jugendlichen, im Folgejahr 2742. In absoluten Zahlen steht die Hauptstadt allerdings relativ gut da: Mit 275 Alkoholvergiftungen liegt Berlin im bundesweiten Vergleich auf Platz 14. Nur zwei Länder stehen besser da: Bremen mit 181 Fällen und Hamburg mit 172 Fällen. Auf Platz eins liegt Nordrhein-Westfalen mit 5167 Fällen.

32 Prozent der Eltern haben ein riskantes Trinkverhalten

Kinder sind laut der aktuellen Forsa-Studie "Jugendliche und Alkohol" der Krankenkasse DAK besonders gefährdet, wenn schon die Eltern Alkoholprobleme haben. Zwar betonen zwei Drittel der befragten Eltern, dass sie Vorbild sein sollten. Tatsächlich haben 32 Prozent aber selbst ein riskantes Trinkverhalten. Betrachtet man nur die Väter, ergibt sich ein noch höherer Wert – 39 Prozent. Ein knappes Viertel der Eltern gibt zu, mindestens einmal im Monat deutlich zu viel zu trinken.

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Betroffene Jugendliche leben in Berlin oft nicht in vermeintlichen Pro­blembezirken. In Neukölln wurden 2016 nur 37 Fälle von alkoholisierten Kindern und Jugendlichen gezählt. In Reinickendorf waren es dagegen 47 Fälle, in Charlottenburg-Wilmersdorf 46. An der Spitze liegt Pankow mit 91 Fällen. 486 Jugendliche wurden 2016 auch verdächtigt, im Rausch eine Straftat begangen zu haben.

Viele waren außerdem so betrunken, dass sie in einer Klinik behandelt werden mussten. Deutlich mehr als 300 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren kamen 2015 in Berlin in stationäre Behandlung. Bei betrunkenen Kindern und Jugendlichen, die auch eine Straftat begangen haben sollen, liegen bürgerliche Bezirke mit vorne. So wurden 2016 aus Steglitz-Zehlendorf 47 tatverdächtige alkoholisierte Jugendliche gemeldet.

"Die Auswirkungen von Alkohol und Drogenkonsum sind immer negativ"

Die Polizei musste im vergangenen Jahr zudem 707-mal einschreiten, weil Teenager durch ihren alkoholisierten Zustand aufgefallen waren. Das ergab eine Anfrage des Neuköllner SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck. Die meisten Jugendlichen waren zwischen 15 und 17 Jahren alt. Es gab allerdings auch ein elfjähriges Kind, das betrunken war, sowie zwei Zwölfjährige.

"Die Auswirkungen von Alkohol und Drogenkonsum sind immer negativ", sagt Henning Mielke, Leiter von Nacoa, einer Interessensvertretung für Kinder aus Suchtfamilien in Berlin. Es präge sich in das Gedächtnis des Kindes ein, wenn es schon früh mitbekäme, dass die Eltern Drogen nehmen.

Kinder alkoholkranker Eltern hätten ein sechsfach höheres Risiko, alkoholsüchtig zu werden. Die Altersgrenze von 18 Jahren hält er für zu niedrig: "Kein Alkohol unter 21 Jahren wäre eine sinnvolle Lösung."

Bis zum 18. Februar findet eine Aktionswoche von Nacoa für Kinder in Suchtfamilien statt, mit Info-Veranstaltungen und Schulungen in Berlin: www.coa-aktionswoche.de

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