Berlin

Neue Ideen für alte Bahnhöfe

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Carolin Brühl

Studenten der Hochschule Anhalt entwickeln Ideen für die ehemalige Siemensbahn

Die Bahnsteige sind geschlossen, zwischen den Stahlträgern der Hochbahn haben sich Büsche und Bäume angesiedelt. Die Natur holt sich das Gelände der ehemaligen Siemensbahn zwischen Charlottenburg und Spandau Stück für Stück zurück. Lange sind keine Züge mehr auf der zwischen 1927 und 1929 von der Firma Siemens und Halske erbauten Trasse gefahren. Der Verkehr auf dem knapp viereinhalb Kilometer langen Ast ruht schon seit dem Reichsbahnerstreik im September 1980.

Die Bahn hat nach Angaben ihres Regionalsprechers Gisbert Gahler erstmals 2006 einen Entwidmungsantrag eingereicht, der eine andere Nutzung der Trasse ermöglichen würde, dem wurde vom Land Berlin widersprochen. Der Senat will sich die Option erhalten, eines Tages hier wieder Bahnverkehr aufzunehmen. Die Unterhaltungskosten für die tote Viaduktbahn, die am Bahnhof Jungfernheide beginnt, über die Bahnhöfe Wernerwerk und Siemensstadt führt und an der Haltestelle Gartenfeld endet, schlagen Gahler zufolge mit rund 500.000 Euro im Jahr zu Buche.

Angehende Landschaftsarchitekten aus elf Ländern der Hochschule Anhalt in Bernburg haben sich der ehemaligen Bahntrasse angenommen und Ideen für die Zukunft der Trasse erarbeitet. „Es war interessant zu sehen, welche Perspektiven für eine Stadtlandschaft junge Menschen entwickeln, die völlig unvoreingenommen sind“, sagt ihre Professorin Nicole Uhrig. Doch einige Impressionen Berliner Lebens scheinen sich zumindest beim Projekt „Timeline“ um seine Sprecherin Pranati Chaphekar verfestigt zu haben. Hier erdachten die Studenten einen Mix aus Leben in und mit der Natur, mit Fahrradwegen statt Bahntrasse, aber mit einem Weg, der auch den sogenannten Bier-Bikes gefahrloses Fahren abseits des motorisiertem Verkehrs ermöglichen würde.

Die meisten Gruppen mischten ökologische Konzepte, die die Trasse als Verbindung zwischen Tegeler Forst, Volkspark Jungfernheide und dem Schlosspark Charlottenburg sieht, mit Angeboten für Freizeit und Kultur: ein Amphitheater am Spreeufer, Spielplätze, eine Draisine auf den alten Schienen oder sogar eine Eislaufbahn im Winter. Eine Rückkehr des S-Bahnverkehrs konnte sich nur ein Team vorstellen. Zwar erklärte das Team um Haripriya Singh, sie hätten in Gesprächen mit Anwohnern den Eindruck gewonnen, dass diese keine Rückkehr der Bahn wünschten. Doch sie planten eine Zwischennutzung, die eine Rückkehr der S-Bahn nicht für die Erschließung künftiger Wohngebiete ausschließt.