Berlin Moabit

Sechsjährige missbraucht: Bewährung für 27-Jährigen

Nach dem Missbrauch eines Flüchtlingsmädchens in Moabit verurteilte das Amtsgericht einen Pakistani zu 20 Monaten auf Bewährung.

Der angeklagte Pakistaner vor Gericht

Der angeklagte Pakistaner vor Gericht

Foto: x

Für den Verhandlungssaal 101 im Kriminalgericht Moabit, in dem am Dienstag der Pakistani Tayab M. auf der Anklagebank Platz nehmen musste, hatte das Gericht erhöhte Sicherheitsvorkehrungen angeordnet. Nachdem sein sexueller Übergriff auf ein Kind in einem Flüchtlingsheim hatte es Tumulte gegeben. Eine damals fast an Lynchjustiz erinnernde aufgeheizte Stimmung in der Unterkunft hatten das Gericht veranlasst, auf Nummer Sicher zu gehen. Doch der letzte Akt des Dramas, bei dem auch ein Mensch zu Tode kam, verlief ruhig.

Der Anklage zufolge hat M. sich am Abend des 27. September 2016 in einer abgelegenen Ecke des Geländes an der Kruppstraße an dem Kind vergangen. Dabei war er von zwei Männern überrascht worden, die den 27-Jährigen überwältigten und in die Unterkunft brachten. Dort rottete sich schnell eine große Menschenmenge zusammen, Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes hatten Mühe, M. vor der aufgebrachten Menge zu schützen, um ihn der Polizei zu übergeben. Als die Beamten M. fortbringen wollten, ging der aus dem Irak stammende Vater des Mädchens mit einem Messer auf den Peiniger seiner Tochter los. Er konnte nur durch einen gezielten Schuss eines Polizisten aufgehalten werden und starb wenige Stunden später in einem Krankenhaus.

Angeklagter: Tat erfolgte spontan ohne Planung

Diese Tragödie allerdings hatte das Gericht am Dienstag nur am Rande zu interessieren, in der Verhandlung ging es ausschließlich um das angeklagte Sexualdelikt. Zweifel an der Schuld des Angeklagten wurden bereits zu Beginn des Prozesses ausgeräumt, als M. in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung ein umfassendes Geständnis ablegte. Die Verhandlung ergab, dass Täter und Opfer sich schon länger kannten, und die Sechsjährige offenbar Zutrauen zu dem Mann gefasst hatte, der sie regelmäßig mit seinem Handy spielen ließ. Deshalb ließ sich das Kind auch überreden, M. zu einem nahe gelegenen Supermarkt zu begleiten. Auf dem Weg dorthin zog M. das Mädchen hinter einen Holzstapel entkleidete es und verging sich an ihm.

Details des Geschehens müssen nicht ausführlich beleuchtet werden, was passierte, zeigen die späteren Untersuchungen des Mädchens durch eine Ärztin, bei der eine auffällige Rötung ihres Intimbereichs festgestellt wurde. In ihrer Befragung durch eine Polizei-Psychologin gab die Sechsjährige an, der Angeklagte habe sie im Schambereich gebissen. M. hingegen äußerte in der Verhandlung die Vermutung, es sei wohl eher sein kratziger Vollbart gewesen, der dem Mädchen Schmerzen verursacht hatte. Der Übergriff auf das Kind sei spontan erfolgt, er habe sich „so ergeben“, sagte der Angeklagte in der Verhandlung.

Tayab M., zwei Jahre Schulbildung und anschließend in seiner Heimat als Schweißer tätig, war ein Jahr vor der Tat aufgrund „einiger politischer und finanzieller Probleme“ aus Pakistan geflohen und schließlich nach Deutschland gekommen. Seine mehrfach und zum Teil länger unterbrochene Route verlief über den Iran, die Türkei, Griechenland, Serbien und Österreich. Organisiert hatte das offenbar eine Schlepperbande, M. selbst sprach in der Verhandlung von einer „Gruppenreise“. An der im übrigen seine damalige Ehefrau nicht teilgenommen habe, weil sie die „Reisekosten“ nicht aufbringen konnte.

Mutter des Opfers erleidet Nervenzusammenbruch

M. verfolgte die Verhandlung mit tief gesenktem Kopf hinter der Umrandung der Anklagebank, als wolle er sich verstecken. Denn direkt gegenüber saß als Nebenklägerin die Frau, an deren Tochter er sich vergangen hatte und die zudem als mittelbare Folge der Tat auch noch ihren Mann verloren hatte. Die Familie war kurz zuvor aus dem Irak gekommen. Die gesamte Verhandlung verfolgte die 26-Jährige ruhig und gefasst, nach dem Ende des Prozesses erlitt sie dann allerdings einen Nervenzusammenbruch und musste von einem Arzt betreut werden.

Das Gericht stellte fest, dass der sexuelle Übergriff sehr kurz gewesen sei, eine Tat, für die in aller Regel Bewährungsstrafen verhängt werden. Was solle mit einem Mann geschehen, der bei einer Bewährung in eine andere Flüchtlingsunterkunft komme, fragte dagegen zuvor Nebenklagevertreterin Christina Klemm zum Schluss der Verhandlung. Genau kann die Frage derzeit niemand beantworten, Tayab M. hat noch eine für zwei Monate gültige Duldung, danach droht die Abschiebung. Er selbst hat andere Pläne: Papiere und eine Arbeit. In Deutschland.