Berlin

Wörter kleben für die Berliner Morgenpost

Er arbeitete schon in der Herstellung der Berliner Morgenpost, als dort ohne Klebstoff gar nichts ging. „Wenn ich abends merkte, dass irgendwo ein Wort fehlte, habe ich es schnell an der Maschine geschrieben und selbst in den Text geklebt“, so Heinz Pfeiffer. Am Montag wurde der Mann, der in der Setzerei im Tempelhofer Ullsteinhaus und später, bis zu seiner Pensionierung 1981, an der Kreuzberger Kochstraße neben anderen Zeitungen für die tägliche Entstehung der Berliner Morgenpost mitsorgte, 100 Jahre alt.

23 Familienangehörige und Freunde überraschten den Reinickendorfer in der Trattoria Nardini an der Ollenhauserstraße mit einem Essen. Erwartet hatte er nur seine in Reihenfolge ihrer Geburtsjahre alphabetisch benannten Töchter – Annegrit, Barbara und Cordula. Als Begleitung zum Kaffee, den er noch immer mit Koffein trinkt, gab es einen seiner zwei Geburtstagswünsche: Schwarzwälder Kirschtorte.

„Wenn ich zur Schule ging, schlief Vater meist, weil er aus der Nachtschicht gekommen war“, erinnerte sich Tochter Cordula. „Wahlen, große Sportereignisse“, sagte Pfeiffer über damals, „das waren tolle Tage, an denen man bis nach Mitternacht immer neue Ausgaben herstellte.“ Sein zweiter Geburtstagswunsch? „Weiterhin so fit zu sein wie jetzt – also auch in den nächsten 100 Jahren.“