Berlin

Holm-Unterstützer halten Institut weiter besetzt

Stadtsoziologe will Ende 2018 an die Universität zurückkehren

Die Unterstützer des umstrittenen Stadtsoziologen Andrej Holm halten das Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität (HU) auch nach der Rücknahme von Holms Kündigung durch die Universitätsleitung weiterhin besetzt. Die Entscheidung einer Vollversammlung über einen möglichen Abzug wurde am Sonnabendabend nach mehrstündigen Beratungen vertagt. „Wir bleiben vorerst!“, hieß es in einem Tweet der Unterstützer.

Am Freitag war bekannt geworden, dass die HU Holm nun doch nicht kündigt, sondern lediglich eine Abmahnung ausspricht, weil er sich für falsche Angaben zu seiner Stasi-Tätigkeit entschuldigt hatte. Der Wissenschaftler war wegen der Affäre als Bau-Staatssekretär in der Verwaltung von Senatorin Katrin Lompscher (Linke) nach nur wenigen Wochen in der rot-rot-grünen Landesregierung zurückgetreten. Studenten halten das Institut der HU seit Mitte Januar besetzt – unter anderem um dagegen zu protestieren, dass Holm nach der Entlassung als Staatssekretär auch die Stelle an der HU aufgeben sollte.

Holm ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Humboldt-Universität und noch bis Ende 2018 beurlaubt. Derzeit ist seine Stelle vorübergehend besetzt. Seit 2007 ist bekannt, dass der Experte für soziales Wohnen in der DDR Stasi-Offizier werden wollte und einige Monate bei dem Geheimdienst ausgebildet wurde. 2005 verneinte er in einem Personalfragebogen, hauptamtlicher Mitarbeiter der Stasi gewesen zu sein. Als diese Angabe sich als falsch herausstellte, forderten Holms Gegner seinen Rücktritt. Die Affäre hatte sich für die rot-rot-grüne Koalition bis zu Holms Entlassung zur ernsten Belastungsprobe entwickelt.

Holm selbst kündigte an, trotz der Rücknahme der Kündigung nicht vor dem Ende seiner „unbezahlten“ Beurlaubung Ende 2018 an die HU zurückkehren zu wollen. „Ich habe mich aus Fairness gegenüber meiner Vertretung entschieden, diese Zeit abzuwarten“, sagte Holm am Sonntag der Berliner Morgenpost. Er habe aber Anfragen von anderen Universitäten – und werde sich auch weiterhin in die Berliner Landespolitik einmischen.