Digitalisierung

Wie Berliner Firmen mit digitalen Prozessen erfolgreich sind

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Jürgen Stüber
Geschäftsführer Thomas Dreusicke zeigt auf einem Smartphone, wie die Maschinen überwacht werden

Geschäftsführer Thomas Dreusicke zeigt auf einem Smartphone, wie die Maschinen überwacht werden

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen / picture alliance / ZB

Unternehmen wie Dreusicke in Mariendorf sind bei der Digitalisierung schon gut aufgestellt, andere warten noch ab. Es gibt Bedenken.

Nicht ausgereifte Lösungen, gefolgt von Datenschutzbedenken und der fehlenden Mitarbeiterqualifikation sind für Berliner Unternehmen die größten Hemmnisse bei der Digitalisierung. Das geht aus der neusten Studie der Berliner Sparkasse hervor.

Bartho Schröder, Leiter Firmenkunden des Geldhauses, zeigt Verständnis für die abwartende Haltung der Wirtschaft: „In vielen Fällen lassen sich die Auswirkungen der Digitalisierung auf ein Unternehmensmodell noch gar nicht konkret absehen.“ Eine riskante Situation. „Die Digitalisierung ist vergleichbar mit der industriellen Revolution, die zu grundlegenden Umwälzungen und Produktivitätsfortschritten führte“, warnt Schröder. Neue Geschäftsmodelle und Lösungsansätze werden in der gesamten Wertschöpfungskette entstehen, sagt der Banker voraus. Auch kleine Unternehmen müssten eine digitale Infrastruktur aufbauen und ihre Produktions- und Dienstleistungsangebote sowie die Lieferströme vernetzen, rät Schröder.

Sven Weickert, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Berlin-Brandenburg (UVB), ist sicher: „Digitalisierung wird sich im Mittelstand mit Wucht entfalten.“ Doch er warnt: „An das Thema darf man auf keinen Fall nur mit einer Hurra-Mentalität herangehen und nur die Chancen beschreiben. Man darf auch die Risiken nicht negieren.“

Dazu gehört das Thema Sicherheit. „Es wird zum Erfolgsfaktor der Digitalisierung“, sagt Weickert. „Wenn Maschinen, Verkehrs- und Energiesysteme ins Netz gehen, müssen wir die Frage anders behandeln, wie wir mit diesen Daten umgehen.“ So werde sich in Zukunft die Frage stellen, wem die Daten eines selbstfahrenden Autos gehören: dem Fahrzeughalter, dem Cloud-Anbieter, dem Autoher-steller – oder vielleicht auch der Ver-sicherung. Positive Beispiele dafür gibt es bereits, wie Weickert sagt.

Die 100 Mitarbeiter des Mittelständlers India Dreusicke in Mariendorf stellen Kunststoffgehäuse für technische Geräte wie Wlan-Router her. Sensoren in den Spritzguss-Maschinen senden Daten in die Internet-Cloud. Die Ingenieure können den Produktionsprozess per Tablet oder Smartphone verfolgen und eingreifen, wenn zum Beispiel die Temperatur des flüssigen Kunststoffs nicht stimmt.


Stanzen erzeugen meist mehr als 40 Prozent Schrott. Das in der Flamm-Gruppe (Hennigsdorf) entwickelte Verfahren ermöglicht die Fertigung von Elektronik-Platinen bis zum Fertigteil in einem Arbeitsgang. Herzstück ist eine selbst entwickelte Stanze. Ein mit Software ermitteltes optimales Verschachtelungsbild wird durch die Stanze umgesetzt. Der gesamte Fertigungsprozess wird durch Sensoren und Kameras überwacht, sodass nur 100 Prozent geprüfte Bauteile produziert werden.


Der Zerspanungsbetrieb F&M Maschinenbau hat die Auftragsverwaltung automatisiert. Indem die Mitarbeiter sich und ihren Auftrag an den Stationen durch Barcodes identifizieren, stehen der Geschäftsleitung – weltweit abrufbar – stets Informationen darüber zur Verfügung, wer gerade welche Aufträge bearbeitet. Die Auftragsverwaltung wird beschleunigt, die Einhaltung von Lieferdaten verbessert und die Rüstzeiten verringert.


Der Mittelständler Schleicher aus Tempelhof hat sich einen eigenen Brutkasten für Ideen ins Haus geholt: „Sizzl“ heißt dieser Inkubator. Zu den Teams gehören unter anderem „Sonnenrepublik“, der Solar-Akkus für Smartphones und Computer bauen, oder „dropnostics“, die ein Monitor-System für die Gesundheit im Kuhstall entwickelt haben.