Schulen in Berlin

Steglitz-Zehlendorf hat die meisten Abiturienten

Der Anteil der Berliner Schüler mit der allgemeinen Hochschulreife ist gestiegen. Die Abbrecherquote bleibt aber weiter hoch.

Zuerst die gute Nachricht: In Berlin haben im vergangenen Schuljahr mehr Schüler das Abitur geschafft als in den Jahren zuvor. Insgesamt lag der Anteil der Schüler aller Schularten, die mit der allgemeinen Hochschulreife 2016 die Schule beendet haben, bei 45,8 Prozent.

Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Bildung auf eine Kleine Anfrage des Neuköllner SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck hervor. Im Vergleich zu den Vorjahren ist das eine Steigerung um etwa fünf Prozentpunkte. Fast jeder zweite Berliner Schüler hat damit die Berechtigung, an einer Hochschule zu studieren. In einigen Bezirken ist die Quote sogar noch deutlich höher. In Steglitz-Zehlendorf machten knapp 70 Prozent aller Schüler des Abschlussjahrgangs das Abitur. An zweiter Stelle steht Charlottenburg-Wilmersdorf mit einer Abitur-Quote von 65,8 Prozent. Am geringsten ist der Anteil in Neukölln mit 31,5 Prozent.

An den Gymnasien schafften im Schnitt 88,8 Prozent das Abi. Das ist nicht erstaunlich, schließlich ist das dort der angestrebte Schulabschluss. Wer die entsprechenden Leistungen nicht bringt, muss nach einem Probejahr an eine Sekundarschule wechseln. Doch auch dort ist nach dem mittleren Schulabschluss das Abitur möglich, entweder an der eigenen gymnasialen Oberstufe oder in Kooperation mit einem Oberstufenzentrum. Die Schüler haben dafür nach der zehnten Klasse drei statt zwei Jahre Zeit. Und erstaunlich viele Schüler haben diese Chance im vergangenen Schuljahr genutzt. Aus der Antwort auf die Anfrage geht auch hervor, dass 18,4 Prozent der Sekundarschüler das Abitur geschafft haben.

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Jeder elfte Schüler bleibt ohne Schulabschluss

Weniger erfreulich hingegen ist die Zahl der Schulabbrecher. Insgesamt 9,3 Prozent verließen die Schule ohne Abschluss. Im Vergleich zum Vorjahr ist das zwar eine leichte Verbesserung, doch einen Trend kann man davon nicht ableiten. Seit Jahren schwankt die Quote der Schulabbrecher zwischen neun und zehn Prozent – und ist damit in Berlin fast doppelt so hoch wie im bundesweiten Durchschnitt.

Betrachtet man nur die Sekundarschulen, beträgt der Anteil der Abbrecher sogar 11,7 Prozent. Offensichtlich gelingt es den Sekundarschulen zwar, die guten Schüler zu fördern, schwache Schüler dagegen bleiben nach wie vor auf der Strecke. Vor vier Jahren wurden Hauptschulen und Realschulen zusammengelegt. Ziel war es vor allem, die Zahl der Schulabbrecher zu senken. Doch dieser Erfolg bleibt bisher aus.

„Das ist kein Grund zum Jubeln. Ich finde es frustrierend, dass wir nur einen kleinen Schritt in die richtige Richtung geschafft haben. Für alle Schüler, die die Schule ohne Abschluss verlassen, ist das ein Problem, das oft das weitere Leben prägt“, sagte Langenbrinck der Berliner Morgenpost. Jugendliche ohne Abschluss hätten kaum eine Chance auf eine Ausbildung und eine Arbeit, von der sie sich und ihre Familie ernähren können. Diese Einbahnstraße in die Armut müsse durch Förderung und klare Ansagen beendet werden.

Besonders hoch war der Anteil der Schulabbrecher in den sozial schwachen Bezirken. In Neukölln etwa lag die Quote bei 15,4 Prozent, fast genauso hoch war der Anteil der Schüler ohne Abschluss in den Bezirken Mitte und Marzahn-Hellersdorf.

Jungen brechen häufiger die Schule ab als Mädchen

Auffällig ist, dass in allen Bezirken deutlich mehr Jungen als Mädchen ohne Abschluss von der Schule gehen. Häufig war der Anteil der Schulabbrecher bei den Jungen doppelt so hoch wie bei den Mädchen, beispielsweise in Steglitz-Zehlendorf oder Pankow. In Bezirken mit einer ärmeren Bevölkerungsstruktur ist der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen weniger ausgeprägt.

Große Unterschiede gibt es auch, wenn man die Schulabgänger nach ihrer Herkunftssprache unterscheidet. Der Anteil der Schulabbrecher unter den Schülern aus Migrantenfamilien, in denen die Eltern nicht Deutsch sprechen, lag berlinweit bei 14,8 Prozent. Unter den deutschsprachig aufgewachsenen Schülern waren es dagegen nur 6,6 Prozent.

Große Auswirkungen auf den Schulerfolg haben aber auch soziale Faktoren. In Marzahn-Hellersdorf beispielsweise war die Abbrecherquote hoch, Kinder deutscher und nichtdeutscher Herkunft waren dort gleichermaßen betroffen.

Seit zwei Jahren gibt es für Schulen in besonders schwierigen Lagen ein Bonusprogramm. Je nach Anteil der Kinder, deren Familien von staatlichen Hilfen abhängig sind, können die Schulen bis zu 100.000 Euro erhalten, um eine zusätzliche Förderung für die Schüler zu finanzieren. Das können je nach Bedarf Lerncoaches sein oder auch Sozialarbeiter, die mit Schulverweigerern arbeiten. Etwa jede dritte Schule profitiert von dem Programm.

Wie erfolgreich solche Unterstützungsprogramme tatsächlich sind, hängt zum großen Teil von der Schulleitung ab. Fehlt diese ganz, können Schulen in schwierigen Lagen schnell in eine Abwärtsspirale geraten.

In Berlin haben 38 Schulen keinen Schulleiter – zum Teil schon seit mehr als drei Jahren. Vor allem Grundschulen sind betroffen, wie die Bildungsverwaltung auf eine weitere Anfrage des SPD-Abgeordneten Langenbrinck mitteilte. In 101 Schulen fehlen zudem die stellvertretenden Schulleiter.

Die Verwaltung wies Kritik, die Stellen würden oft zu kurzfristig ausgeschrieben, zurück. Bildungsstaatssekretär Mark Rackles kündigte zudem an, man denke darüber nach, Konrektoren besser zu bezahlen und ihre Arbeit attraktiver zu machen.

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