Berlin

Warum Müller der Glaubensgemeinschaft BER beitreten sollte

Die Eröffnung des Hauptstadtflughafens verzögert sich um weitere sechs Monate. Zeit für eine Flucht ins Religiöse.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (rechts) bleibt nur noch Zweckoptimismus - oder Religion

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (rechts) bleibt nur noch Zweckoptimismus - oder Religion

Foto: Gregor Fischer / dpa

„Die Jahre 2012 bis 2014 waren verschenkte Jahre." Mit diesen Worten machte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller am Mittwoch im Abgeordnetenhaus seinem Frust über den Problemflughafen BER Luft. Vielleicht muss der SPD-Politiker, der gleichzeitig Flughafen-Aufsichtsratschef ist, diese Worte in ein paar Jahren wiederholen - mit anderen Jahreszahlen, versteht sich.

Denn, und das ist mittlerweile zum Running-Gag in der Hauptstadt geworden, es wurde wieder Verzug angekündigt für die Eröffnung des einstigen Prestigeprojekts. Vier bis sechs Monate sind es diesmal. Der Grund: Rund 1000 Türen im Terminal lassen sich nicht ordnungsgemäß elektronisch steuern. Und das ist nicht alles. Ein Teil der Wasserrohre für die Sprinkleranlage muss ausgetauscht werden.

Erkenntnisproblem der Geschäftsführung

„Es gibt eine Kette von Ärgernissen“, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch im Abgeordnetenhaus. Dennoch befinde sich das Vorhaben in der „Schlussphase“. So klingt Zweckoptimismus. Mehr bleibt auch kaum angesichts der fast schon slapstickartigen Serie von Pleiten, Pech und Pannen rund um den BER. Eines der Ärgernisse dürfte für Müller vor allem Karsten Mühlenfeld sein. Der Flughafenchef habe die Probleme lange als kurzfristig lösbar dargestellt. „Da gibt es schon noch ein Erkenntnisproblem der Geschäftsführung", sagte der Regierende.

Berlin muss also noch bis zu sechs Monaten länger warten, bis es einen echten Hauptstadtflughafen bekommt. Ob aus diesen sechs Monaten nicht doch eher sechs Jahre werden, kann heute niemand sagen.

Es gibt Hoffnung: Religion

Vielleicht hilft eine Flucht ins Religiöse. Wohl aus purem Erlösungswunsch hat sich vor einiger Zeit die "Glaubensgemeinschaft BER" gegründet. Zwar ist die Zahl der Anhänger mit rund 300 Facebook-Jüngern bislang überschaubar. Dafür gibt es ein stattliches Manifest. Darin heißt es in Anspielung auf die Großprojekte Elbphilharmonie und "Stuttgart 21" unter anderem:

"Sie wollen Euch den Glauben an den BER nehmen. Sie werden Euch sagen, die Fertigstellung sei den Preis nicht wert, den wir dafür zu zahlen haben. Sie werden behaupten, mit einer Vollendung des Werkes sei nicht in absehbarer Zeit zu rechnen. Sie haben die öffentliche Berichterstattung in ihrer Hand, um wider besseres Wissen ihre falsche Prophezeiung unter den Ungläubigen zu verbreiten. Sie beten den verblendenden Götzen der Hanseaten und das unnütze Unvollendete der Schwaben an und werden falsch Zeugnis wider ihren nächsten ablegen, um ihren närrischen Glauben gegen den wahren Glauben an den BER zu behaupten."

Es gibt also Hoffnung. Zumindest die Hamburger Elbphilharmonie ist ja inzwischen fertig geworden. Vielleicht sollte auch Michael Müller der Glaubensgemeinschaft BER beitreten und mit ihr einstimmen: "Denn der BER ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Amen!" (mit dpa)

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