Großprojekt

Quartier Heidestraße: So wohnt man bald am Hauptbahnhof

Das Herzstück des ersten Neubauvorhabens soll auf einer Grundfläche von knapp 10.000 Quadratmetern entstehen.

Hier sollen hunderte Wohnungen entstehen

Hier sollen hunderte Wohnungen entstehen

Foto: Quartier heidestraße / Andreas Nenninger

Ein massiver, sechs bis neun Geschosse hoher Block aus rotem Ziegelstein wird den Anfang machen im neuen Quartier Heidestraße. Das haben die Preisrichter im Architekturwettbewerb für das erste Neubauvorhaben im Entwicklungsgebiet zwischen der Heidestraße und den Bahngleisen nahe dem Hauptbahnhof entschieden, indem sie den Entwurf des Berliner Architekturbüros „Robertneun“ zum Sieger kürten. Am Montag stellte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher das Projekt vor.

Auf der Brache, auf der in den vergangenen Jahren noch das Deutsch-Amerikanische Volksfest stattfand oder der Zirkus Krone gastierte, soll das Herzstück des Quartiers auf einer Grundfläche von knapp 10.000 Quadratmetern entstehen. „Ich bin sehr froh, dass ein markantes Ziegelgebäude, das auf die industrielle Vergangenheit des Areals verweist, den Anfang zum neuen Stadtquartier machen wird“, lobte die Senatsbaudirektorin den Entwurf.

Neben der Fassadengestaltung habe die Jury aber vor allem überzeugt, wie gut es dem Architekturbüro gelungen sei, trotz der Schallschutzauflagen in dem Gebiet zwischen Bahngleisen und der Heidestraße nicht nur ein Nahversorgungszentrum und Büros, sondern auch 170 Wohnungen mit hoher Wohnqualität unterzubringen. So haben zwar nicht alle der Anderthalb- bis Vier-Zimmer-Wohnungen einen Balkon, aber mindestens verglaste Loggien, ergänzte Lüscher.

Mit den Bauvorbereitungen für den Ziegelblock soll im Mai dieses Jahres begonnen werden. „Mit der Fertigstellung unseres ersten Bauabschnitts rechnen wir für Ende 2019“, sagte Thomas Bergander, Geschäftsführer der Quartier Heidestraße GmbH.

Das zentrale Gebäudeensemble solle aber lediglich der Auftakt für eine ganze Reihe weiterer Bauvorhaben auf dem riesigen Areal westlich der Heidestraße sein, kündigte der Bauherr am Montag an. Bereits am 6. März werde der Architekturwettbewerb für einen 550 Meter langen Gewerberiegel entschieden, der dem Quartier vom Lärm der Gleisanlagen abschirmt. Zudem seien noch vier weitere Blöcke geplant.

Quartier ist Teil der Europacity am Hauptbahnhof

Insgesamt sollen auf dem 85.000 Quadratmeter großen Areal 860 Mietwohnungen entstehen, von denen 25 Prozent – so sieht es der mit dem Land Berlin geschlossene städtebauliche Vertrag vor – als Sozialwohnungen mit Mieten von 6,50 bis 8 Euro errichtet werden müssen. In dem ersten Bauabschnitt werde es jedoch keine Sozialwohnungen geben. Diese würden erst in einem weiteren Block unmittelbar angrenzend an einen Spielplatz errichtet. Zudem sei auch eine Kita geplant. Laufe alles wie geplant, werde das gesamte Quartier in sechs bis acht Jahren fertig sein, so Bergander.

Der erste Block im westlich der Heidestraße gelegenen Bauareal soll eine wichtige Verbindungsfunktion für die Europacity mit ihren insgesamt knapp 3000 Wohnungen haben, von der das Quartier Heidestraße ein Teilbereich ist. Der zentralen Block, der an einem Stadtplatz mit dem Nahversorgungszentrum errichtet wird, soll mit einer Rad- und Fußgängerbrücke über die Gleisanlagen eine Verbindung zur Grünanlage „Döberitzer Grünzug“, zum Sportpark Poststadion und zum bereits im Bau befindlichen Quartier Lehrter Straße bilden.

In diesem Wohnquartier entstehen rund 1000 weitere Wohnungen. Die Kosten für die Brücke über die Gleise, die 70 Meter Spannweite aufweisen soll, wird zum Großteil vom Investor finanziert. Der Baustart für die Brücke steht noch nicht fest. „ Die Baustelleneinrichtung für die S-Bahnlinie 21 muss erst geräumt werden, bevor wir loslegen können“, so Bergander.

Immerhin: Für eine weitere Rad- und Fußgängerbrücke über den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal, der die Europacity mit dem Alt-Bezirk Mitte verbinden wird, soll im September dieses Jahres der Baustart erfolgen, sagte Regula Lüscher. Begonnen werde 2017 auch mit der Uferpromenade und einem weiteren Stadtplatz auf der östlichen Seite des Entwicklungsgebietes. Alle drei Vorhaben sollen bis Mitte 2019 abgeschlossen sein.

Während sich die künftigen Bewohner der Europacity auf Stadtplätze, Promenaden, Radfahrerbrücken und eine frisch asphaltierte und mit Alleebäumen gesäumte Heidestraße freuen können, gibt es für eine wichtige Infrastrukturmaßnahme noch kein grünes Licht: Obwohl ein Wohnblock nach dem anderen in der Europacity hochgezogen wird, ist weiter offen, ob das Quartier lediglich am Hauptbahnhof an die neue Nord-Süd-S-Bahn S 21 angeschlossen wird oder auch in 1,2 Kilometern Entfernung, am anderen Ende der Heidestraße an der Perleberger Brücke, einen weiteren Halt bekommt. „Die vorbereitenden Untersuchungen laufen, eine Entscheidung gibt es aber noch nicht“, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher.

Mehr zu dem Thema:

Sozialatlas: Wo Berlin abrutscht - und wo es aufwärts geht

Am Berliner Hauptbahnhof entstehen Hunderte Wohnungen

Die Europacity wird eine Stadt in der Stadt