Berlin

Drei Männer sterben bei Brand in Schöneberger Saunaclub

Warum das Feuer in dem Keller-Labyrinth ausbrach ist noch unklar. Ein darüberliegendes Seniorenwohnheim war nicht betroffen.

Dichte schwarze Rauchschwaden zogen über die Kurfürstenstraße, nur mit Handtüchern notdürftig gekleidete Männer flüchteten aus einem Untergeschoss ins Freie, Blaulicht-Flackern überall. Es waren dramatische Szenen, die sich in der Nacht zu Montag in Schöneberg abspielten. Gegen 22.25 Uhr rückte die Feuerwehr zum Löscheinsatz im Saunaclub „Steam Works“ nahe der Kreuzung Nürnberger Straße aus, der früheren Saunalandschaft „Apollo-Splash-Club“.

Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot von etwa 80 Einsatzkräften und 30 Fahrzeugen vor Ort. Am Ende wurden drei Tote aus dem in der Schwulenszene beliebten Club geborgen. Ein 48-Jähriger kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus, wo er wegen einer Rauchvergiftung behandelt wird. Der Mann konnte über die Ausfahrt zur Tiefgarage gerettet werden.

15 Männer wurden vom Notarzt untersucht

Die Besucher der ausgedehnten Saunalandschaft wurden von dem Feuer überrascht, das nach ersten Erkenntnissen der Feuerwehr offenbar in einer Zwischendecke ausbrach, die das Untergeschoss von der darunterliegenden Garage trennt. Etwa 25 der Clubbesucher hatten sich bis zum Eintreffen der Feuerwehr rechtzeitig ins Freie gerettet. Sie berichteten von weiteren Personen im Clubbereich und kamen bei frostigen Temperaturen zunächst in einer Pizzeria unter, später wurden sie in einem von der Feuerwehr bereitgestellten Bus betreut.

„15 von ihnen wurden von einem Notarzt untersucht“, sagte Feuerwehrsprecher Sven Gerling, der am Montag von „schwierigen Einsatzbedingungen“ sprach. „Die Räumlichkeiten des sich auf zwei Etagen verteilten Etablissements waren sehr verwinkelt, nahezu labyrinthartig“ und zudem durch die Rauchentwicklung mehr als unübersichtlich, ergänzte der Sprecher. Alles andere als gute Bedingungen bei der Suche nach den Vermissten. Etliche der fast 60 Räume, viele nur wenige Quadratmeter groß, mussten von den Einsatzkräften aufgebrochen werden.

Für drei Männer kam jede Hilfe zu spät, sie konnten nur noch tot geborgen werden. Vermutlich starben sie an den Folgen der Rauchgase. Die zunächst unbekannten Opfer wurden noch in der Nacht zu genaueren Untersuchungen in die Gerichtsmedizin gebracht. Während des Feuerwehreinsatzes blieb die Kurfürstenstraße zwischen der Budapester und der Ansbacher Straße bis 3.30 Uhr gesperrt.

Seniorenheim blieb eine Evakuierung erspart

Ein Übergreifen des Feuers auf höher gelegene Stockwerke konnte verhindert werden. Dort befindet sich ein Seniorenwohnheim. „Das zugehörige Treppenhaus war verraucht, wir kontrollierten die Räume und entschieden uns aus Sicherheitsgründen gegen eine Evakuierung“, fasste Feuerwehrsprecher Gerling die nächtliche Lage zusammen.

Die Brandursache soll nun von der Polizei ermittelt werden. Spezialisten eines Brandkommissariats konnten am Montagvormittag das Gebäude in Augenschein nehmen, so ein Polizeisprecher. Zuvor mussten die Räume belüftet werden. War die Tragödie in dem Schöneberger Saunaclub absehbar? Das fragen sich nicht nur die Anwohner der Seniorenresidenz. „Zum Glück ist meine Wohnung, wie auch die meiner Nachbarin nicht betroffen gewesen“, sagte eine ältere Dame. Dass es im Haus gebrannt hat, habe sie nur mitbekommen, weil ein Rauchmelder sie aus dem Schlaf gerissen habe. „Ein Feuerwehrmann war dann auch recht schnell da und hat ihn abgestellt“, sagte sie weiter. Einzig der Stromausfall und einige zunächst nicht funktionierende Fahrstühle irritierte die Seniorin.

„Wir verhandeln derzeit mit der Feuerwehr und dem Stromversorger“, sagte der Inhaber des Gebäudes und zuständige Hausverwalter Horst Heche. Mehrfach habe es mit den Clubbetreibern Auseinandersetzungen gegeben. „Seit etwa drei Wochen läuft eine Räumungsklage“, sagte er weiter. Hintergrund sei, dass über Monate keine Miete gezahlt worden sei und zudem Wasserrechnungen in Höhe von rund 12.000 Euro nicht beglichen wurden. Zudem habe es auch Streitigkeiten wegen eigenmächtiger Umbaumaßnahmen gegeben. So hätten die Betreiber versucht, das Becken für einen Whirlpool in den Fußboden des Untergeschosses einzulassen. Zu diesem Zweck hätten sie ohne Rücksprache und Genehmigung den Boden aufgestemmt und dadurch Schäden in der Tiefgarage verursacht.