Überfall in Staaken

Juwelier-Räuber gesteht - „Mir war das Geld ausgegangen“

Drei Männer sollen im Juni in Staaken einen Juwelier überfallen haben. Einer der Angeklagten gestand. Ihm sei das Geld ausgegangen.

Kriminalgericht Moabit

Kriminalgericht Moabit

Foto: Jens Kalaene / dpa

Es gibt vor Gericht immer wieder wundersame Fügungen. Eine beschert am Montag der Angeklagte Eldin K. den Richtern der 16. Großen Strafkammer im Moabiter Kriminalgericht.

Auf der Anklagebank sitzen neben Eldin K. zwei weitere Männer. Sie, Eldin K. und ein vierter noch unbekannter Täter sollen am 11. Juni vergangenen Jahren um 9.49 Uhr in einem Spandauer Einkaufscenter ein Juweliergeschäft überfallen und ausgeraubt haben. Dabei seien sie den Ermittlungen zufolge mit zwei Spaltäxten, einer Machete und einer Pistole bewaffnet gewesen. Der Inhaber des Geschäfts wurde mit den Waffen bedroht und gezwungen, sich auf den Boden zu legen. Die Täter erbeuteten aus den Verkaufsauslagen und dem Tresor Gold, Schmuck, Uhren und Bargeld im Wert von knapp 17.000 Euro. Zeugen beobachteten, wie die Täter um 9.51 Uhr mit zwei Taschen das Juweliergeschäft verließen und mit einem Auto flohen.

Räuber entlastet vor Gericht Mitangeklagte

Am Montag war vor Gericht nur ein Angeklagter bereit auszusagen: Eldin K., der damals als Erster gefasst worden war und Hinweise gegeben hatte, die zur Festnahme der beiden Mitangeklagten führten. Vor Gericht gibt der 34-Jährige auch zu, an dem Raubüberfall beteiligt gewesen zu sein. Er sei aus Bosnien-Herzegowina nach Berlin gekommen und habe hier eigentlich arbeiten wollen, heißt es in seiner Erklärung. Arbeit habe er jedoch leider nicht gefunden. Ein Bekannter habe ihm dann den Tipp mit dem Raubüberfall gegeben. Der erbeutete Schmuck sei später für 4500 Euro an einen Hehler verkauft worden, davon habe er, Eldin K., 1000 Euro erhalten.

Die Namen seiner Mittäter wollte der Bosnier vor Gericht nicht nennen. Es seien jedenfalls nicht die beiden Mitangeklagten. Ihre Namen hätten ihm Kriminalbeamte „in den Mund gelegt“. Und er habe das bestätigt, weil er sich erhoffte, dadurch selber etwas glimpflicher davonzukommen. Vor Gericht wolle er das nun aber richtigstellen und die beiden Mitangeklagten entlasten. Auch für die Tatsache, dass die beiden Spaltäxte nachweislich aus der Garage eines Mitangeklagten stammen, hat Eldin K. eine Erklärung: Er habe in der Garage übernachtet und die beiden Äxte dort entdeckt, sagte er.

Dem Mann droht eine Haftstrafe von fünf Jahren oder mehr

Vielleicht hatte Eldin K. bei der Polizei ja wirklich gelogen, vielleicht wurde die späte Einsicht auch durch Drohungen oder Versprechungen angeregt. Die Kommunikation in Gefängnissen funktioniert meist gut, und vieles ist möglich. Die Kammer wird es in der zunächst bis Ende April angesetzten Beweisaufnahme nun zu klären versuchen.

Es geht um viel in diesem Prozess. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten schweren Raub mit Waffen vor, dafür drohen Strafen von fünf Jahren aufwärts. Einer der Mitangeklagten soll sich zudem noch am 5. Juli 2016 bei seiner Festnahme gewehrt haben.

Der Prozess wird am 9. Februar mit Zeugenaussagen fortgesetzt.