Studie

Zoo und Tierpark sind im Bundesvergleich Spitze

Beide Einrichtungen schneiden im Vergleich zu anderen deutschen Zoos überdurchschnittlich gut ab. Doch nur eine ist auch rentabel.

Mit 1400 Arten ist kein deutscher Zoo so vielfältig wie der Berliner Zoo. Nilpferd Ede gehört zu den Stars

Mit 1400 Arten ist kein deutscher Zoo so vielfältig wie der Berliner Zoo. Nilpferd Ede gehört zu den Stars

Foto: imago stock / imago/Olaf Wagner

Der Berliner Zoo und der Tierpark belegen mit ihrem Angebot und den relativ günstigen Eintrittspreisen bundesweit einen Spitzenplatz, beim Tierpark schlägt sich das aber immer noch nicht ausreichend in Besucherzuspruch nieder. Das ist das Ergebnis eines Vergleichs von 15 deutschen Zoos und den Einrichtungen in Wien und Zürich. Die Preis-Leistungsanalyse entstand im Auftrag des Abgeordnetenhauses und wurde jetzt von der Senatsfinanzverwaltung vorgelegt.

Der Analyse zufolge belegt der Tierpark bei den Eintrittspreisen mit 13 Euro für eine Tageskarte den zweiten Platz hinter Dresden (12 Euro). Der Zoo liegt auf Rang fünf (14,50 Euro). In Hannover ist der Zoobesuch mit 25 Euro fast doppelt so teuer wie im Tierpark. Für das Geld bekommt man in Berlin deutlich mehr Tiere zu sehen als anderswo. Nirgendwo in Deutschland ist die Vielfalt mit 1400 Arten größer als im Zoo, aber auch der Tierpark liegt mit 762 verschiedenen Arten im vorderen Bereich (Rang 5).

Trotzdem hinkt der Tierpark dem Zoo im Besucherinteresse noch deutlich hinterher. Während der Zoo dank seiner zentralen Lage in Charlottenburg jährlich rund 3,3 Millionen Besucher anlockt, sind es im Tierpark in Friedrichsfelde nur ein Drittel so viel (1,1 Millionen).

Allerdings konnte der Tierpark in den vergangenen Jahren die Besucherzahlen steigern, 2012 waren es noch 900.000 Besucher. „Die Preis-Leistungsanalyse von 2016 zeigt in der Tat, dass wir mit unserem ganztägigen Angebot preislich deutlich unter vergleichbaren Einrichtungen liegen“, sagt Berlins Zoo- und Tierparkchef, Andreas Knieriem.

Der Um- und Neubau ist in vollem Gang

Der Tierpark bleibt aus finanzieller Sicht das Sorgenkind. Während der Zoo satte Gewinne abwirft, muss das Land den Tierpark mit rund sechs Millionen Euro jährlich unterstützen. „Bisher ist der Tierpark, anders als der Zoo, noch auf Unterstützung der öffentlichen Hand angewiesen“, räumt Knieriem ein. „Natürlich arbeiten wir langfristig darauf hin, dass sich der Tierpark irgendwann selbst finanzieren kann.“

Dabei soll das Alleinstellungsmerkmal des Tierparks helfen. Mit 160 Hektar Größe ist er deutschlandweit mit Abstand die größte Einrichtung. Nürnberg ist mit 70 Hektar als zweitgrößter Zoo nicht einmal halb so groß, alle anderen Einrichtungen sind deutlich kleiner. „Flächenmäßig haben wir als größter Landschaftstiergarten Europas gegenüber anderen Zoos tatsächlich einen großen Vorteil, doch auch andere Zoos haben sehr viel zu bieten“, sagt Knieriem.

Denn die Größe des Tierparks allein hat nicht nur Vorteile. Viele Besucher beklagen die weiten Wege zwischen den Gehegen. Genau da setzen die ehrgeizigen Pläne Knieriems an. Bis zum Jahr 2030 will er den Tierpark für 92 Millionen Euro zu einem Erlebniszoo umbauen, die Arbeiten sind bereits im Gange.

„Wir haben unser Angebot in den letzten Jahren deutlich ausgebaut, wie zum Beispiel mit dem Umbau unserer Waldbühne, einer neuen Flugshow, der Neugestaltung beziehungsweise dem Bau zweier Kinderspielplätze und der Neueröffnung der Cafeteria als Restaurant Patagona“, sagt Knieriem.

Kommentar: Der Tierpark hat die Trendwende geschafft

Weitere Umbauten sind in Planung. Der Senat hat dem Tierpark erstmals Geld aus der „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Infrastruktur“ (GRW), einem vom Bund gespeisten Fördertopf, bewilligt: 15 Millionen Euro. Ganz oben auf der Ausgabenliste steht dabei die Aufwertung des Elefantenhauses.

Die noch zu DDR-Zeiten Mitte der 1980er-Jahre errichtete Behausung muss dringend saniert werden. Als zusätzliche Attraktion entstehen ein Café und eine Lodge auf dem Dach des Dickhäuterhauses. Acht Millionen Euro stehen nun für die geplanten Umbauten bereit, die bis 2020 abgeschlossen sein sollen.

Drei Millionen Euro gibt es aus dem GRW-Fördertopf für das „Himalaya-Projekt“, das auf dem 64 Meter hohen Schuttberg entstehen soll und das künftige Domizil für Schneeleoparden und Gemsen wird. Mit weiteren vier Millionen Euro sollen Beschilderung und Wegeführung verbessert werden.

Trotz des gesteigerten Angebotes sind keine Preiserhöhungen geplant. „Wir dürfen beim Blick auf die Preise anderer Einrichtungen nicht vergessen, dass wir uns immer noch in Berlin befinden, wo beispielsweise auch Hotelpreise deutlich günstiger sind als in London oder München“, sagt Knieriem.