Protest gegen Trump

1200 Menschen demonstrieren in Berlin vor der US-Botschaft

Rund 1200 Menschen haben am Nachmittag gegen den neuen US-Präsidenten Donald Trump demonstriert.

Demonstranten am Nachmittag vor der US-amerikanischen Botschaft in Berlin

Demonstranten am Nachmittag vor der US-amerikanischen Botschaft in Berlin

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Johanna hebt ein Schild in die Luft, auf dem in roten Lettern "NoBanNoWall" steht. Die Studentin will ihrer Abneigung gegen die Politik Donald Trumps Ausdruck verleihen. Sie ist eine der rund 1200 Protestler, die sich am Sonnabend vor der amerikanischen Botschaft in Berlin als Gegner des neuen US-Präsidenten und gegen dessen umstrittene Einreiseverbote positionieren. Treffpunkt ist das Brandenburger Tor. Auch Polizisten, Kamerateams und Touristen sind vor Ort.

"Trump kriminalisiert Menschen. Wir müssen uns als Weltgemeinschaft gegen ihn auflehnen", sagt Johanna. Sie und die anderen Demonstranten fordern "die umgehende Rücknahme des unmoralischen, illegalen und verfassungswidrigen Dekrets von Präsident Trump", wie das Aktionsbündnis "The Coalition" am Freitag mitteilte. Ein Demo-Symbol werden an diesem Tag auch profane Starbucks-Kaffebecher, die sich einige der Demonstranten in der Filiale gegenüber dem Hotel Adlon besorgen. Der US-Konzern will in den kommenden fünf Jahren 10.000 Flüchtlinge einstellen und reagiert damit auf den Aufnahmestopp von Flüchtlingen in den USA.

1000 Teilnehmer hat der Veranstalter zuvor für den Zug vom Pariser Platz vor die US-Botschaft bei der Berliner Polizei angemeldet. Am Ende kommen sogar 1200. Parallel findet eine Demonstration in Paris statt. Trump spaltet also nicht nur, er vereint auch. Schon im November vergangenen Jahres protestierten rund 700 Menschen vor der US-Botschaft am Brandenburger Tor gegen Trump – darunter viele US-Amerikaner. Der Aktionismus in der Gesellschaft zeigt sich unter Trump immer mehr, gerade junge Menschen engagieren sich zunehmend politisch. Auch in der deutschen Hauptstadt. Hintergrund der aktuellen Demonstration ist ein Dekret des neuen umstrittenen US-Präsidenten, das Bürgern aus sieben, mehrheitlich muslimisch bevölkerten Staaten, die Einreise in die USA für 90 Tage untersagt. Betroffen sind Irak, Iran, Libyen, Syrien, Somalia, Sudan und Jemen.

In der Nacht zu Sonnabend wurde der Einreisebann von einem US-Gericht vorläufig gestoppt. Diese Neuigkeit verkündet eine Rednerin vorm Brandenburger Tor und erntet Applaus von den Anwesenden. "Wir stehen auf der richtigen Seite der Geschichte!", ruft sie und stimmt in einen Demo-Gesang ein. "No hate, no fear, immigrants are welcome here!" ("Kein Hass, keine Angst, Immigranten sind hier willkommen").

Nicht nur die Demonstranten begehren gegen Trump auf

"Dass er gewählt wurde, ist immer noch ein Albtraum", sagt Daniel, der in Berlin-Wilmersdorf wohnt. "Amerika war immer das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Trump zerstört die USA mit seiner Politik!" Während er diese Worte sagt, ballt er die Hand zu einer Faust. Seine Freundin legt einen Arm um ihn, versucht zu beruhigen. So wie Daniel empfinden viele hier. Sie sind wütend. Um 15 Uhr setzt sich die der Demo-Trupp in Bewegung, marschiert zur US-Botschaft.

Die in der Hauptstadt Demonstrierenden sind sich einig: Das erlassene Dekret verletzt die Verfassung der Vereinigten Staaten und internationales Recht. Aber nicht nur die Protestler wettern gegen Trump: Die Vereinten Nationen und eine Reihe von Staatsoberhäuptern weltweit haben das Dekret verurteilt. Mehrere Regierungen haben offiziell verkündet, dass davon Betroffene in ihren Ländern willkommen sind.

Mitorganisatorin Kathleen Brown freut sich besonders über den Zuspruch der Berliner. "Es ist toll, dass sich so viele Menschen kritisch mit dem Thema auseinandersetzen", erklärt sie. Ob Donald Trump aufgrund der Demonstrationen in Berlin und Paris seine Entscheidung revidiert, ist zweifelhaft. Das Weiße Haus will gegen die Entscheidung vorgehen, Trump wütete auf Twitter gegen den Richter. Das Ziel, ein gemeinsames Zeichen gegen die Rechtsverletzung durch die Trump-Politik zu setzen, ist dennoch erreicht.

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