Berlin

S-Bahnhöfe bleiben ohne Wlan

Während BVG und die S-Bahn in Hamburg alle ihre Stationen mit kostenlosem Internetzugang ausrüsten wollen, sieht die Berliner Bahntochter keinen Bedarf

Fahrgäste der S-Bahn können schon bald kostenlos im Internet surfen. Allerdings nicht in Berlin, sondern nur in Hamburg. Das gleichfalls zum Bahnkonzern gehörende Schwester-Unternehmen der Berliner S-Bahn will in der Hansestadt ein entsprechendes Pilotprojekt starten. Zunächst werden vier Stationen an der Linie S3 mit einem drahtlosen Web-Zugang (Wlan) ausgestattet. In absehbarer Zeit soll aber möglichst an allen 68 Stationen kostenloses Internet angeboten werden, kündigte der Chef der Hamburger S-Bahn, Kay Uwe Arnecke zu Wochenbeginn an. Ziel müsse zudem sein, dass auch in den S-Bahnen kostenfrei und komfortabel gesurft werden kann, sagte Arnecke. Der Chef der Hamburger S-Bahn (277 Millionen Fahrgäste im vergangenen Jahr) will die neue Technik auch nutzen, um den Service für seine Kunden deutlich zu verbessern. So soll der Fahrgast ab Februar sogenannte Push-Nachrichten auf sein Handy geschickt bekommen, wenn sich etwa der Zug auf seiner Stammstrecke verspätet.

Bei der Berliner S-Bahn (417 Millionen Fahrgäste im Jahr 2015) ist von solchen Initiativen nichts zu hören. Auf Nachfrage verweist ein Sprecher darauf, dass in der Hauptstadt bereits an neun Bahnhöfen Wlan angeboten wird. "Das ist mehr als jetzt in Hamburg geplant wird", so der Sprecher. Geboten wird der Netzzugang allerdings nur an sogenannten Mischbahnhöfen, also Stationen, an denen nicht nur S-Bahnen sondern auch Regional- und Fernzüge halten. Dazu gehören neben dem Hauptbahnhof und dem Ostbahnhof auch die Stationen in Charlottenburg, Gesundbrunnen, Lichtenberg, Spandau, Wannsee sowie der Bahnhof Zoo. Berlins S-Bahnchef Peter Buchner sieht für eine eigene Wlan-Initiative keine Notwendigkeit. "Wir haben in Berlin eine hervorragende Netzabdeckung in 3G und 4G-Qualität, da gibt es eigentlich keine Probleme mit dem Surfen im Internet", sagte er der Berliner Morgenpost. Anders sieht es allerdings auf den Strecken aus, die unterirdisch verlaufen. Die Tunneldecken verhindern oft einen guten Empfang der von den oberirdischen Funkmasten abgestrahlten Signale. Um den Handyempfang etwa im Nordsüd-Tunnel zu verbessern, haben die Mobiltelefonanbieter während der mehrmonatigen Tunnel-Sperrung 2015 sogenannte Repeater eingebaut, die die Funksignale im Untergrund verstärken.

Grüne kritisierenWlan-Abstinenz der S-Bahn

Trotz dieser Verbesserungen hat Stefan Gelbhaar, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, kein Verständnis für die Wlan-Abstinenz der S-Bahn. "Das ist vor allem eine Frage der Teilhabe. Auch Menschen, die kein Geld für teure Daten-Flatrates haben, sollten in der Stadt einen Zugang zum Internet haben", sagt er.

Bis 2019, so sieht es der Vertrag der aktuellen Regierungskoalition vor, soll daher ein berlinweites Angebot an öffentlichen WLAN-Zugängen geschaffen werden. Gerade die öffentlichen Verkehrsmittel und ihre Stationen wären dafür besonders geeignet und sinnvoll. "Dort wollen die Menschen nachschauen, wann der nächste Bus oder die nächste Bahn kommt. Und was sich alles in der Umgebung der Station befindet, so Gelbhaar. "Die Berliner S-Bahn sollte sich in Sachen Wlan ein Beispiel an ihrer Konzernmutter, der Deutschen Bahn, und auch an den Berliner Verkehrsbetrieben nehmen", so der Verkehrsexperte der Grünen.

Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben sich lange Zeit gegen ein eigenes Wlan-Angebot in ihren Verkehrsmitteln gesträubt. Die Sorge vor hohen Investitionskosten sowie vor Störungen in dem für den Betrieb wichtigen Funknetz waren ebenso Gründe dafür wie juristische Bedenken. Doch vor gut einem Jahr erfolgte eine Kehrtwende. Nach einem langen und am Ende erfolgreichen Testlauf im verwinkelten U-Bahnhof Osloer Straße startete BVG-Chefin Sigrid Nikutta ein ehrgeiziges Programm. Das Ziel. Bis Ende 2018 sollen 173 Berliner U-Bahnhöfe vollständig mit WLAN-Technik ausgestattet werden. Fünf Millionen Euro will das landeseigene Verkehrsunternehmen dafür aus eigenen Mitteln investieren. Fast die Hälfte des Weges ist inzwischen geschafft: Mitte Januar konnte in 74 Stationen das "BVG WiFi" kostenlos und zeitlich unbegrenzt genutzt werden.

Für Sprecherin Petra Reetz bietet der kostenfreie Wlan-Zugang den Fahrgästen, aber auch dem Unternehmen selbst "einen echten Mehrwert". Sie verweist auf die sehr populäre BVG-App, mit der Smartphone-Nutzer nicht nur die schnellste oder komfortabelste Fahrverbindung abrufen, sondern auch Tickets kaufen oder Haltestellen in der Umgebung anzeigen lassen können. "Der Hauptvorteil: Die App verwendet Echtzeitdaten, eventuelle Verspätungen werden mit angezeigt", so Reetz. Derzeit werde geprüft, wie auch die Fahrzeuge, also Busse und Bahnen, mit Wlan ausgerüstet werden können. "Wir suchen noch nach einer zuverlässigen technischen Lösung", sagte Reetz.

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