Trafistreit

Berliner Flughafen-Mitarbeiter könnten ab Februar streiken

Weil die Verhandlungen um mehr Lohn für das Bodenpersonal in Tegel und Schönefeld stocken, kann Verdi einen Streik nicht ausschließen.

Tegel und Schönefeld vermelden einen Passagierrekord nach dem anderen. Doch das Bodenpersonal profitiert davon nicht

Tegel und Schönefeld vermelden einen Passagierrekord nach dem anderen. Doch das Bodenpersonal profitiert davon nicht

Foto: Günter Wicker / Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH

Der Tarifstreit beim Bodenpersonal der Berliner Flughäfen spitzt sich zu. „Wir können nicht ausschließen, dass vor dem nächsten Verhandlungstermin am 10. Februar gestreikt wird“, sagte Verdi-Luftverkehrsexperte Enrico Rümker am Freitag. Im Rahmen der Initiative „Damit fliegen sicher bleibt“ kämpft Verdi seit Ende letzten Jahres für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen der Beschäftigen an neun deutschen Flughäfen. Ziel ist ein einheitlicher Branchentarifvertrag.

Für Berlin fordert die Gewerkschaft eine Lohnerhöhung von einem Euro pro Stunde, was eine Steigerung von rund acht Prozent ausmachen würde. Das Einstiegsgehalt der rund 2000 Mitarbeiter, die sich um Check-in, Beladung und Enteisung der Flugzeuge kümmern, liegt aktuell bei 10,30 Euro. Laut Verdi zu wenig für Jobs mit derart großer Verantwortung. Ferner wird mehr Geld für Mitarbeiter mit Joberfahrung sowie je ein halbes Monatsgehalt Urlaubs- und Weihnachtsgeld gefordert.

Job am Flughafen: Vom Traum zum Albtraum

Die Verhandlungen mit den Bodenverkehrsdienstleistern verliefen bisher ergebnislos. Laut Verdi lag das einzige Angebot bei einer Verlängerung des aktuellen Tarifvertrags um vier Jahre – ohne Lohnerhöhung. Zwar hätten die Unternehmen die Probleme eingestanden, sich aber keinen Zentimeter bewegt. Die Arbeitgeber teilten am Freitag mit, dass man sich in einem „äußerst schwierigen Marktumfeld“ befinde, dass „wenig Handlungsspielrarum“ zulasse.

Wie berichtet, ist die Personalsituation in Tegel und Schönefeld dramatisch. Zwar steigen die Passagierzahlen seit Jahren, die Zahl der Mitarbeiter indes kaum. Ein Großteil hat nur befristete Arbeitsverträge und wird etwa beim Dienstleistungskonzern Wisag, der rund zwei Drittel der Leute beschäftigt, von einem Tochter- oder Subunternehmen zum nächsten geschoben, stets mit neuer Befristung. Wegen Überlastung und mangelnder Motivation soll der Krankenstand konstant bei 15 bis 20 Prozent liegen.

In der Folge gibt es laut Verdi „große Probleme mit der Sicherheit“, da zu wenig und kaum ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht. So werden manche Mitarbeiter offenbar schon nach zwei Wochen Ausbildung als sogenannte Ramp-Agents eingesetzt, die die Verantwortung bei der Beladung des Flugzeugs tragen. Früher brauchte es dafür mindestens sechs Jahre Erfahrung. Mitarbeiter berichten, dass sie beim Boarding so schwach besetzt sind, dass nur schwer zu kontrollieren sei, ob jemand unbefugt die Maschine betrete.

So sieht die BER-Baustelle von innen aus

Die BER-Baustelle öffnete für einen Presserundgang die Tore. Medienvertreter konnten sich ein Bild vom Fortschritt auf der Flughafenbaustelle machen. Die rund 600 Arbeiter sind vor allem mit Kleinbaustellen am Terminal beschäftigt.
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