Dramatischer Appell

Michael Müller will Donald Trump vom Mauerbau abbringen

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Michael Müller an der Mauergedenkstätte in Berlin

Michael Müller an der Mauergedenkstätte in Berlin

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

"Mr. President, don´t build this wall!"– Mittlerweile hat die Pressestelle des Senats Teile der Mitteilung zurückgezogen.

Die Anordnung des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten, sorgt auch in Berlin für Empörung. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) wandte sich am Freitag mit einem dramatischen Appell an den US-Regierungschef.

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Die Bundeshauptstadt könne nicht kommentarlos zusehen, wenn ein Land plane, eine neue Mauer zu errichten. „Wir Berlinerinnen und Berliner wissen am besten, wieviel Leid eine durch Stacheldraht und Mauer zementierte Teilung eines ganzen Kontinents verursacht hat“, sagte Müller.

Deutschlands historische Erfahrungen dürften nicht von denjenigen über den Haufen geworfen werden, denen die Freiheit zum großen Teil zu verdanken sei: Den Amerikanern.

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In seinem Appell erinnerte Michael Müller den US-Präsidenten an dessen politisches Vorbild. „Ich rufe dem amerikanischen Präsidenten zu: Denken Sie an ihren Vorgänger Ronald Reagan. Erinnern Sie sich an seine Worte: ‚Tear down this wall.‘ Und deshalb sage ich: Dear Mr. President, don´t build this wall!“ US-Präsident Trump hat auf Müllers Aufforderung bislang nicht reagiert.

Am Abend zog das Presseamt des Senats Teile der Pressemitteilung zurück. "Uns ist ein Fehler unterlaufen. Der letzte Teil mit den englischen Zitaten hätte so nicht verbreitet werden dürfen."

Die Pressemitteilung im Wortlaut:

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:


Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, erklärt:


„Berlin, die Stadt der Teilung Europas, die Stadt der Freiheit Europas, kann nicht kommentarlos zusehen, wenn ein Land plant, eine neue Mauer zu errichten. Wir Berlinerinnen und Berliner wissen am besten, wieviel Leid eine durch Stacheldraht und Mauer zementierte Teilung eines ganzen Kontinents verursacht hat. Millionen Menschen sind durch diese Teilung die Lebenschancen genommen worden. Am Ende haben wir – das Volk – diese Teilung überwunden, und es gehört zu den Sternstunden des 20. Jahrhunderts, als am Brandenburger Tor, dem wichtigsten Symbol der Teilung, die Menschen die Mauer eroberten und sie dann Stück für Stück abgetragen haben. Das Brandenburger Tor steht für den Geist der Freiheit!“


Der Regierende Bürgermeister weiter: „Heute, am Beginn des 21. Jahrhunderts, dürfen wir es nicht einfach hinnehmen, wenn alle unsere historischen Erfahrungen von denjenigen über den Haufen geworfen werden, denen wir unsere Freiheit zum großen Teil verdanken, den Amerikanern. Ich appelliere an den Präsidenten der Vereinigten Staaten, diesen Irrweg von Abschottung und Ausgrenzung nicht zu gehen. Überall dort, wo heute noch solche Grenzen existieren, in Korea, auf Zypern, schaffen sie Unfreiheit und Leid. Ich rufe dem amerikanischen Präsidenten zu: Denken Sie an ihren Vorgänger Ronald Reagan. Erinnern Sie sich an seine Worte: ‚Tear down this wall.‘ Und deshalb sage ich: Dear Mr. President, don´t build this wall!“

( BM )