Vintagemöbelschau

Wie Berliner Designer aus alten Möbeln Unikate machen

Die internationale Vintagemöbelschau am Ostbahnhof präsentiert ein Cross-over aus 120 Jahren Designgeschichte.

Die Designer und ein neu aufgearbeitetes Sofa: Silke Grabowicz (l.) und Genja und Meike Fehr

Die Designer und ein neu aufgearbeitetes Sofa: Silke Grabowicz (l.) und Genja und Meike Fehr

Foto: Joerg Krauthoefer/Funke Medien Gruppe

Man nehme eine Schublade aus einem antiquierten Bettgestell, eine schwere Tischplatte von einem überdimensionalen Couchtisch und filigrane Metallfüße im Haarnadel-Stil: Dabei heraus kommt ein Schreibtisch. Er ist ein Unikat, in Türkis und dunklem Holz. Ein Mix aus Alt und Neu, Vintage und Zeitgeschmack.

Er steht zwischen Kommoden, Sofas, Sesseln und Lampen – alle ebenfalls aufgearbeitet, umgearbeitet, neu gestaltet. Sie stammen aus der „Design-WG“, wie sie sich selbst bezeichnen, von Meike und Genja Fehr und Silke Grabowicz in Friedrichshain. Zu sehen sind die Möbel, Leuchten und Accessoires von heute an auf der Designbörse in der vierten Etage der Galerie Kaufhof am Ostbahnhof.

Die internationale Vintagemöbelschau präsentiert ein Cross-over aus 120 Jahren Designgeschichte. 85 Galerien, Händler und Sammler zeigen auf der 3000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche alte Originale, elegantes Interieur aus der Zeit von 1950 bis 1970, Stahlrohr- und Freischwingermöbel der Bauhaus-Ära und Stilikonen aus Kunststoff und Fiberglas bis in die 80er-Jahre.

Die Veranstalter der Messe wollen sich vom Mainstream distanzieren und sich nicht auf eine Stilrichtung beschränken. Gezeigt werden soll alles, was klar, gelungen und formschön ist und ein Höchstmaß an Perfektion vereint, heißt es. Gezeigt werden aber auch zeitgenössische Arbeiten junger Designer. Etwa ein Drittel der Aussteller kommt aus Deutschland, gefolgt von Anbietern aus den Niederlanden, Schweden, Frankreich, Italien, Polen und Dänemark.

Die drei von der Friedrichshainer „Design-WG“ sind mit ihren Läden „stilraumberlin“ und „lukkizzi“ bereits zum zweiten Mal bei der Messe dabei. Sie sind auf Umwegen zusammengekommen, teilen sich jetzt aber schon seit 2010 Laden, Werkstatt, Atelier und Büro an der Eldenaer Straße 21. In dem Eckladen war jahrzehntelang eine Kneipe, in die die Arbeiter vom gegenüberliegenden Schlachthof nach der Schicht einkehrten. Auf dem Schlachthofgelände ist eine Wohnsiedlung entstanden, vor sieben Jahren gab die Kneipe auf.

Sie ist Sozialpädagogin, er hat Geografie studiert

Das war die Chance für Meike und Genja Fehr, die zuerst das frei werdende Lokal entdeckten. Sie ist Sozialpädagogin und hat zuletzt in der Drogenberatung gearbeitet, er hat Geografie studiert. Beide liefen gern über Flohmärkte, bis Meike Fehr von ihrer Oma mehrere alte Schmuckstücke erbte. „Alles konnten wir nicht behalten“, sagt Genja Fehr. So begannen sie, auf dem Flohmarkt zu verkaufen. Nachschub fanden sie online, zum Beispiel über Ebay. Bis sie zufällig nach Dänemark in den Urlaub fuhren und eine Trödelhalle entdeckten, „in der tolle Sachen standen, die verstaubten“. Heute kommen 90 Prozent ihrer Möbel, die sie in ihrer Werkstatt hinter dem Showroom aufarbeiten, aus Skandinavien, vorrangig aus Dänemark. Genja Fehr schätzt die hochwertige Verarbeitung von Edelhölzern, wie Teak und Palisander.

Anfangs hatten beide einen Keller angemietet, der schnell zu klein wurde. Nach der Geburt des ersten Kindes überlegte Meike Fehr, umzusatteln. Also mieteten sie die Kneipenräume an und eröffneten 2010 gemeinsam ihr Ladengeschäft. Im selben Jahr zog auch Silke Grabowicz mit ihrer Berliner Lampenmanufaktur „lukkizzi“ ein. Sie kannte Meike Fehr aus der Elternzeit. Die Architektin war zuvor in Abu Dhabi beschäftigt und arbeitete nach ihrer Rückkehr als freiberufliche Architektin. Doch es sei zu der Zeit schwierig gewesen, an Aufträge zu kommen, erzählt sie. Ein altes Fotostativ brachte sie auf die Idee, einen neuen Lampenschirm darauf zu setzen. Heute stellt sie im Atelier hinter den Ladenräumen eine neue Kollektion von Leuchten mit Hairpin-Füßen her, aber auch limitierte Einzelstücke, wenn sie wieder ein altes Fotostativ auf dem Flohmarkt oder über Ebay erstanden hat.

Auf der Designbörse werden die beiden Unternehmen jeweils mit einem eigenen Stand vertreten sein, die sich aber gegenüberliegen. So wird Silke Grabowicz ihre Leuchten mit Möbeln ergänzen, während die Möbel von Meike und Genja Fehr mit Leuchten komplettiert werden. Das würde beide Stände interessanter und optisch schöner machen, sagen die Designer.

Sie hoffen, den Erfolg aus dem vergangenen Jahr zu wiederholen. Da mussten sie ständig neue Ware aus dem Lager holen, weil sie gut verkauft haben. Ein Vorteil sei die Nähe des Geschäftes zum Ostbahnhof, sagt Genja Fehr. Die drei freuen sich aber auch auf die Atmosphäre und die Gespräche mit anderen Produktdesignern. „Denn es ist ja eine kleine Sparte“, sagt Silke Grabowicz.

Designbörse in der Galeria Kaufhof am Ostbahnhof, 27.1. Preview 16–20 Uhr, 28.1., 12–20 Uhr, 29.1.,13–18 Uhr Eintritt: Sbd. und So. je 5 Euro, Preview 10 Euro

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