Wirtschaft

Jobwunder in Berlin: Rekord bei Erwerbstätigen

Die Gewerkschaften kritisieren den hohen Anteil an befristeten Stellen und Teilzeitarbeit sowie ein niedriges Lohnniveau.

Die Zahl der beschäftigten Menschen in der deutschen Hauptstadt ist 2016 um 2,5 Prozent auf rund 1,89 Millionen gestiegen

Die Zahl der beschäftigten Menschen in der deutschen Hauptstadt ist 2016 um 2,5 Prozent auf rund 1,89 Millionen gestiegen

Foto: pa

Berlin. Neuer Höchststand bei der Zahl der Erwerbstätigen in Berlin und Brandenburg: Die Zahl der beschäftigten Menschen in der deutschen Hauptstadt ist 2016 um 2,5 Prozent auf rund 1,89 Millionen gestiegen. Sie erreichte damit ihren höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. Insgesamt waren im vergangenen Jahr rund 46.200 Menschen mehr in Arbeit als im Jahr zuvor. Mit diesen Werten weist Berlin die beste Zuwachsrate aller deutschen Bundesländer auf. Die Wachstumsrate aller Bundesländer bei den Erwerbstätigen lag 2016 bei 1,0 Prozent. Dies zeigen die am Donnerstag vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg veröffentlichten Erwerbstätigenzahlen.

Wie schon in den vergangenen Jahren ist die Berliner Wirtschaft vor allem in den Dienstleistungsbranchen gewachsen. So stieg die Zahl der Beschäftigten in den Bereichen Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation um 17.100 Personen, im Bereich Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister um 15.500 Personen sowie im Bereich öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung und Gesundheit um 13.100 Personen. Andere Branchen wie das Berliner Baugewerbe legten nicht so stark zu (plus 1000 Beschäftigte). Im verarbeitenden Gewerbe ist die Zahl der Beschäftigten sogar leicht gesunken (minus 200).

Zahl der Erwerbstätigen steigt auch in Brandenburg

Auch Brandenburg verzeichnete im Ländervergleich einen überdurchschnittlichen Anstieg der Erwerbstätigkeit. Sie wuchs prozentual um 1,2 Prozent und erreichte ihren höchsten Stand seit 1991. In absoluten Zahlen gab es ein Plus von 13.000 Menschen, die in der Mark Arbeit fanden. Auch hier liegen die Dienstleistungsbranchen ganz weit vorne. In Brandenburg stieg aber auch die Zahl der Erwerbstätigen im verarbeitenden Gewerbe – wenn auch nur um 400 Personen.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin reagierte positiv auf die Zahlen: „Berlin ist die Jobmaschine der Republik“, kommentierte IHK-Geschäftsführerin Marion Haß. „Der wirtschaftliche Boom in der Hauptstadt hat längst alle Branchen erfasst.“ Haß warnte allerdings auch vor einem Fachkräftemangel. „Die wachsende Stadt braucht immer mehr Fachkräfte“, erklärte die IHK-Geschäftsführerin. „Spezialisten im technischen Bereich sind Mangelware, und eine Rekordzahl an Ausbildungsplätzen bleibt unbesetzt“, sagte Haß. Sie appelliert an den neuen Senat, dieses Thema oben auf die Agenda zu setzen.

„Berlin boomt und bleibt bei neuen Jobs an der Spitze der Bundesländer“

Ein positives Echo kam auch aus der Senatsverwaltung für Wirtschaft: „Berlin boomt und bleibt bei neuen Jobs an der Spitze der Bundesländer“, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Treiber dieser positiven Entwicklung seien weiter die unternehmensnahen Dienstleistungsbranchen. Im Bereich der produzierenden Branchen hätte vor allem Berlins Baugewerbe zulegen und neue Arbeitsplätze schaffen können. Die Senatsverwaltung rechnet auch 2017 mit einer robusten wirtschaftlichen Entwicklung.

Zurückhaltender reagiert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auf die am Donnerstag vorgelegten Zahlen. Sprecherin Nina Lepsius verwies auf die in Berlin hohe Zahl der atypisch Beschäftigten. Dabei handelt es sich um Menschen, die in Minijobs, in Teilzeit, in Leiharbeit oder mit befristeten Verträgen arbeiten, wie sie besonders in Dienstleistungsbranchen verbreitet sind.

Dem jüngsten Betriebspanel zufolge fallen 39 Prozent aller Beschäftigten in Berlin in diese Gruppe. Das Betriebspanel ist eine Langzeitstudie im Auftrag der Senatsarbeitsverwaltung. „Auch im Lohnniveau liegt Berlin nicht vorne“, sagte die Gewerkschaftssprecherin. Zuletzt hatte der DGB auf mehr als 115.000 Berliner verwiesen, die trotz Beschäftigung Transferleistungen (Hartz IV) beziehen – davon sind 16.000 in Vollzeit beschäftigt.

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