Elisabeth-Christinen-Schule

Gefährliche Mängel an Pankower Schule

Die Leitung der Schule fürchtet um die Sicherheit der Kinder und Lehrer. Angekündigte Sperrung wurde bisher nicht vollzogen.

Slternvertreter der Elisabeth-Christinen-Grundschule in Pankow wie Harald Strauch (3.v.r.) sind besorgt um die Sicherheit ihrer Kinder

Slternvertreter der Elisabeth-Christinen-Grundschule in Pankow wie Harald Strauch (3.v.r.) sind besorgt um die Sicherheit ihrer Kinder

Die Schulleitung der Elisabeth-Christinen-Grundschule in Pankow hat am Dienstag die Reißleine gezogen: In einem Rundschreiben informierte sie die Eltern, dass ab Mittwoch kein Unterricht mehr in den Räumen stattfinden kann, weil die Sicherheit der Kinder nicht gewährleistet werden könne. Grund seien gravierende Brandschutzmängel. Wegen der akuten Gefahrenlage müssten die Obergeschosse gesperrt werden. Lediglich im Erd- und Untergeschoss sowie in der Turnhalle könnten die Kinder betreut werden.

„Schon seit Jahren sind gravierende Mängel bekannt und ich kann verstehen, dass die Schulleitung nicht die Verantwortung für die Sicherheit der Kinder übernehmen will“, sagte der Elternvertreter Harald Strauch.

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Die drastische Ankündigung der teilweisen Sperrung der Schule für 250 Kinder rief umgehend die Schulaufsicht und das bezirkliche Schulamt auf den Plan. Am späten Nachmittag dann zog die Schulleitung nach Angaben der Elternvertreter das Schreiben zurück. Der Unterricht in dem maroden Gebäude geht zunächst weiter, doch schon ab Mittwoch sollen erste Maßnahmen getroffen werden, um den Schulbetrieb sicherer zu machen, hieß es aus der Verwaltung im Bezirk und im Senat.

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Grund für die so kurzfristig angekündigte Sperrung eines Großteils der Elisabeth-Christinen-Schule war das Ergebnis einer Brandsicherheitsprüfung, die am 30. November an der Schule durchgeführt wurde. Das Protokoll wurde der Schule am 12. Januar zugestellt und liegt der Berliner Morgenpost vor. Auf über zehn Seiten sind dort sämtliche baulichen Mängel aufgeführt, die die Schüler gefährden.

Eine schnelle Evakuierung der Schüler ist nicht möglich

Die Liste ist erschreckend. So lassen sich beispielsweise die Fenster in den Fluren im Notfall nicht öffnen, weil sie zugeschraubt sind. Türen, die die Flure vom Treppenhaus trennen sollen, seien entweder nicht mehr vorhanden oder würden nicht mehr richtig schließen. Die Fenster in den Klassenräumen seien zwar neu, es fehlten aber die Griffe, um sie auch öffnen und etwa um Hilfe rufen zu können.

Zusammenfassend heißt es in dem Protokoll: „Aufgrund der fehlenden oder mangelhaften Abtrennung der Treppenräume von den Fluren und den Unterrichtsräumen kann sich der Rauch im Brandfall innerhalb kürzester Zeit vor allem in den Obergeschossen ausbreiten“. Eine rechtzeitige Evakuierung von Schülern und Lehrern könne nicht sichergestellt werden. Die Mängel müssten „unverzüglich“ ausgeglichen werden, so die Schlussfolgerung der Brandschutzexperten.

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Doch erst nachdem die Schulleitung mit der Einstellung des Unterrichts reagiert hat, kam am Dienstag Bewegung in die Sache. „Ich kann die Sorge der Lehrer und Eltern nachvollziehen“, sagte Torsten Kühne (CDU), der zuständige Schulstadtrat im Bezirk Pankow. Allerdings habe die Bauaufsicht die Schule nicht geschlossen. Die Schule bleibe also am Netz.

Kurzfristig würden in der kommenden Woche provisorische Maßnahmen getroffen, damit die Schule weiterhin genutzt werden kann. „Sobald wir einen Ausweichstandort haben, wird die Schule freigezogen und dann umfassend saniert“, versprach Kühne. Doch das sei nicht so leicht. Die Schulplatzsituation sei schließlich im Bezirk sehr angespannt. „Schon seit 2004 soll die Schule umziehen und saniert werden. Doch bisher gab es immer wieder nur provisorische Maßnahmen“, sagte der Elternvertreter Harald Strauch.

Schon vor zwei Jahren war die Schule Thema in der Berliner Morgenpost. Damals musste das Gebäude eingezäunt werden, weil Fassadenteile und Fenster herauszufallen drohten. In einer Hauruckaktion wurden nach dem Zeitungsbericht die Fenster festgeschraubt, offenbar ohne dabei an den Brandschutz zu denken.

„Wir haben die Hoffnung, dass nun der Druck durch die Landesebene auf den Bezirk erhöht wird, damit die Schule endlich saniert wird“, sagte Oliver Görs vom Landeselternausschuss. Immerhin habe das Land die Mittel für die Schulsanierung um 100 Millionen Euro aufgestockt.

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Dem Vernehmen nach setzt sich auch Senatorin Sandra Scheeres (SPD) dafür ein, dass die Schule von diesen Mitteln profitiert. Die Bildungsverwaltung beziffert den Sanierungsstau an Berliner Schulen auf insgesamt 4,5 Milliarden Euro.

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