Rennserie

Formula E bereitet sich auf Rückkehr nach Tempelhof vor

Weil die Karl-Marx-Allee nicht mehr infrage kommt, wird umgeplant. Doch was, wenn im Juni noch Flüchtlinge in den Hangars wohnen?

2015 gastierte die Formula E erstmals in Berlin. Rund 20.000 Zuschauer waren in Tempelhof dabei

2015 gastierte die Formula E erstmals in Berlin. Rund 20.000 Zuschauer waren in Tempelhof dabei

Foto: dpa Picture-Alliance / ERIC VARGIOLU / picture alliance / DPPI Media

„E-Autorennen? Wozu?“, hatte ein verständnisloser Bürger auf eine der Absperrungen geschmiert, als die Wagen der Formula E im Mai letzten Jahres über die Karl-Marx-Allee und den Strausberger Platz gesurrt waren. Schon Wochen vorher starteten die Aufbauarbeiten, wurden etliche Straßen gesperrt. Der Lärmpegel war hoch, der Stresspegel einiger Anwohner auch.

Damals hatte der Senat das Event trotz Bedenken der Bezirke Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg durchgeboxt. Wie berichtet, hat Berlins neue Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) der Location für 2017 nun eine Absage erteilt. Begründet wird die Entscheidung neben der Belastung für die Anwohner mit entsprechenden Beschlüssen der Bezirksverordnetenversammlungen.

Fahren werden die Elektrowagen trotzdem. Statt in der Innenstadt findet der „Berlin ePrix“ am 10. Juni voraussichtlich auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof statt. Die Alternative wird derzeit geprüft. „Wir haben dem Veranstalter einige Vorschläge präsentiert“, sagt Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne).

Zentraler Festplatz, Olympiapark oder Avus

Neben dem Zentralen Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm, dem Messegelände am Flughafen Schönefeld oder dem Olympiagelände gehörte dazu auch die ehemalige Rennstrecke Avus auf der A 115. Der Abgeordnete Stefan Gelbhaar (Grüne) hatte vorgeschlagen, dass die Formula E hier die heruntergekommene Zuschauertribüne renovieren könnte. Das erschien der Serie aber nicht rentabel, zudem wird die Avus wohl Teil der Sternfahrt des Fahrradclubs ADFC sein, die am selben Wochenende stattfindet.

Dass die Wahl auf Tempelhof fiel, scheint logisch. Bereits beim Debüt 2015 war die Formula E dort zu Gast, wegen der in den Hangars untergebrachten Flüchtlinge folgte zuletzt jedoch der Umzug in die Innenstadt. „Das Flughafengelände hat in Sachen Fläche und Zuschauer das höchste Potenzial“, heißt es bei der Agentur Gil und Weingärtner, die das Rennen organisiert.

Und auch dem Senat kommt der Standort entgegen. Denn am Rennwochenende stehen neben der ADFC-Sternfahrt auch das Internationale Deutsche Turnfest und das Umweltfestival im Terminkalender. Je weniger Straßensperrungen da hinzukommen, desto besser. „Eigentlich gibt es keinen perfekten Ort für Autorennen in der Stadt“, sagt Kirchner. Eine Pflicht, solche zu genehmigen, schon gar nicht. Doch ein Rennen in Tempelhof sei immer noch weniger aufwendig als etwa in Mitte.

Mit Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen durch Berlin

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Veranstalter hoffen auf Vertrag für fünf Jahre

Und offenbar steht das umweltfreundliche Image der Formula E Berlin gut zu Gesicht. Trotz der Debatten im Vorfeld wurde das Rennen im vergangenen Jahr mit 14.000 Zuschauern als Erfolg gewertet, etliche Fans aus aller Welt reisten an. Veranstalter und Senat planen deshalb, das Rennen künftig in Tempelhof zu etablieren, angestrebt ist eine Nutzungsvereinbarung für die nächsten fünf Jahre.

Die Formula E wünscht sich dabei, dass Berlin ihr bei den Gebühren entgegenkommt. Rund 200.000 Euro wurden 2016 fällig, insgesamt verursachte der Umzug nach Mitte Mehrkosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Darüber hinaus soll der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) als höchster Repräsentant der Stadt Schirmherr des Rennens werden. Die Senatskanzlei prüft das derzeit.

Unklar ist noch, ob die Notunterkunft Tempelhof bis zum Frühsommer vollständig geräumt ist. Aktuell leben mehr als 800 Flüchtlinge in den Hangars, einige Hallen werden für das Rennen benötigt. „Eine gleichzeitige Nutzung wird nicht funktionieren“, sagt Michael Elias, Geschäftsführer des Betreibers Tamaja. Es sei nicht zumutbar, dass die Geflüchteten für das Rennen „zwangsverlegt“ werden müssten.

Formel E fährt mitten durch Berlin

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Bau der Temphomes in Tempelhof verzögert sich

Eine Lösung könnten die neuen Containerdörfer, die sogenannten Tempohomes sein, deren Errichtung auf dem Flughafengelände in den kommenden Wochen vorbereitet werden soll. Sie bieten 1100 Menschen Platz und sind an einer Stelle geplant, wo sie das Rennen nicht behindern.

Doch der ursprünglich für Juni geplante Termin zur Fertigstellung wird wohl nicht zu halten sein. Weil das nahe gelegene Heizkraftwerk des Flughafengebäudes laut Gutachten zu laut ist, verzögerte sich die Erteilung der Baugenehmigung. Die Verkehrsverwaltung setzt dennoch darauf, dass am Tag des Rennens nicht mehr all zu viele Flüchtlinge in den Hangars wohnen und das Spektakel wie geplant stattfindet.

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