Bericht

Cem Özdemir fühlt sich von Berliner Taxifahrern bedroht

Grünen-Chef Cem Özdemir steigt in Berlin nicht gerne ins Taxi. Grund seien Anfeindungen nationalistischer türkischstämmiger Fahrer.

Taxi-Gast Cem Özdemir: Öfter mal Ärger mit den Erdogan-Anhängern unter den Fahrern

Taxi-Gast Cem Özdemir: Öfter mal Ärger mit den Erdogan-Anhängern unter den Fahrern

Foto: picture alliance

Berliner Taxifahrer sind nicht immer für ihre Freundlichkeit bekannt. Dass der eine oder andere recht ruppig mit Fahrgästen umspringt, ist kein Geheimnis. Der Grünen-Ko-Vorsitzende Cem Özdemir musste sich in den vergangenen Monaten allerdings regelrechte Anfeindungen von nationalistischen türkischstämmigen Taxifahrern gefallen lassen, wie die „Welt am Sonntag" berichtet. Demnach werde Özdemir in Berliner Taxis immer wieder mit verbalen Attacken von Erdogan-Anhängern konfrontiert.

Wie das Blatt weiter berichtet, habe Özdemir deshalb vor Weihnachten Briefe an die Berliner Taxi-Innung und den Taxi-Verband Berlin-Brandenburg geschrieben, in denen er seine unerfreulichen Erfahrungen schildert. Grund für die Attacken türkischstämmiger Fahrer seien politische Entscheidungen der Grünen oder im Bundestag.

Besonders heftigen Angriffen sah sich Özdemir nach der im vergangenen Juni vom Bundestag verabschiedeten Armenien-Resolution des Bundestags ausgesetzt. In dieser wurde das Massaker an der armenischen Bevölkerung im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet. Der Grünen-Politiker berichtet von einer bedrohlichen Taxifahrt mit seinem kleinen Sohn kurz nach dem Beschluss. Als der Taxifahrer ihn erkannt habe, soll dieser losgerast sein, um damit sein Missfallen gegenüber dem „Verräter“ Özdemir auszudrücken. Und weiter: „Ich wurde von alevitischen und kurdischen Taxifahrern angesprochen. Sie erzählten mir, da gibt’s Fahrer, die sagen, ich mach den kalt. Oder: Ich spucke dem ins Gesicht.“

Özdemir ärgert sich laut „Welt am Sonntag“über die Konsequenzen dieser Anfeindungen für seinen Alltag. „Wieso soll ich mein Leben ändern? Wieso soll ich meinen Kindern und meiner Frau sagen: Nennt im Taxi nicht meinen Namen und redet nicht über Politik.“ Leszek Nadolski, Vorsitzender der Berliner Taxi-Innung, reagierte laut „Welt am Sonntag“ geschockt auf Özdemirs Brief, macht dem Politiker aber wenig Hoffnung aus Besserung. Die Innung könne Fehlverhalten zwar ahnden, aber nur bei ihren Mitgliedern. Sie repräsentiere zudem nur zehn Prozent der Berliner Taxifahrer, so Nadolski weiter.

Cem Özdemir will trotz möglicher Gefahren auch in Zukunft in Berlin Taxis nutzen. Zwar stehe ihm als Abgeordneter auch der Fahrdienst des Bundestags zu. Dieser brauche aber im Normalfall länger als ein Taxi. Und manchmal müsse es eben schnell gehen, so Özdemir.