Hochschulreife

Weiterführende Schulen - Berlins beste Wege zum Abitur

Für Eltern, deren Kinder im Sommer die Schulen wechseln, tickt die Uhr. Eine Auswahl der Schulen - und was man jetzt wissen muss.

Besuch in der Evangelischen Schule in Frohnau

Besuch in der Evangelischen Schule in Frohnau

Foto: joerg Krauthoefer

Sport und Bühne

Blick nach rechts, Schultern zurück, lächeln und los geht es. Mit atemberaubender Geschwindigkeit drehen die Schüler der Staatlichen Ballettschule ihre Pirouetten diagonal durch den Saal. Trainer Henry Will probt mit ihnen für das Examen im Juni. „Und speed!“ ruft er den Tänzern zu. Der Pianist fliegt mit den Händen noch schneller über die Tasten, bis die Tänzer schließlich abheben und in weiten Sprüngen durch den Raum fliegen.

Gregor Glocke hat bei jedem neuen Versuch ein Strahlen im Gesicht. Der 20-Jährige lebt an der Schule seine Leidenschaft und er freut sich auf das, was kommt. Nach seiner Abschlussprüfung kann er seine Profikarriere beginnen. Mit 14 hat er sich an der beruflichen Schule in Prenzlauer Berg beworben. Gregor lebte bis dahin mit seiner Familie in Nürnberg. Die Trennung und der Umzug ins Internat fielen ihm damals nicht ganz leicht, doch das Berliner Angebot ist bundesweit einzigartig.

An der Staatlichen Schule für Ballett und Artistik können die Schüler eine Berufsausbildung für Bühnentanz oder Artistik machen und gleichzeitig das Abitur ablegen. In den letzten drei Jahren ihrer Ausbildung sind die Schüler gleichzeitig Studierende an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin und schließen mit dem akademischen Grad „Bachelor of Arts“ ab. Die Ausbildung, begleitet von der allgemeinen schulischen Bildung, beginnt bereits im Alter von zehn Jahren. Sie ist jedoch so aufgebaut, dass Seiteneinsteiger wie Gregor auch später anfangen können. Voraussetzung ist eine Eignungsprüfung und ein Aufnahmeverfahren.

„Mein damaliger Balletttrainer in Nürnberg hatte mich ermutigt, mich in Berlin zu bewerben“, erzählt Gregor. Schon seit seinem vierten Lebensjahr habe er getanzt. Der Eignungstest war für ihn kein Problem. „Wir ermutigen alle Interessenten einen Eignungstest zu machen“, sagt der Schulleiter Ralf Stabel. Dafür könne man sich auch außerhalb der festgelegten Termine jederzeit anmelden. Getestet werde, ob das Kind die Grundvoraussetzungen mitbringe, wie etwa Beweglichkeit oder Spaß daran, auf der Bühne zu stehen. Der Eignungstest sei eine lockere und fröhliche Veranstaltung, vor der sich niemand fürchten müsse.

Wer den Test besteht, ist dann zur Aufnahmeprüfung zugelassen. Die ist anspruchsvoller. „Ich war damals überrascht von dem hohen Niveau und hätte nicht gedacht, dass ich das schaffe“, sagt Gregor. Es komme bei dem Test nicht darauf an, eine perfekte Leistung zu zeigen, sagt Stabel. Viele Faktoren würden eine Rolle spielen, so auch, wie schnell der Bewerber in der Lage ist, Korrekturen umzusetzen. Inzwischen gehört Gregor Glocke zu den großen Talenten der Schule, er hatte schon Auftritte in Paris, New York oder Brüssel. Wer an der Staatlichen Schule für Ballett und Artistik lernt, erhält auch eine enge Begleitung auf dem Weg in das Berufsleben. Wenn Gregor Glocke zum Vortanzen eingeladen ist, dann kann er sich darauf vorher mit seinen Lehrern intensiv vorbereiten.

Die 18-jährige Louisa Sophia Drgala ist seit der fünften Klasse in der Ausbildung für Artistik. „Ich habe noch nie daran gedacht, etwas anderes zu machen“, sagt sie. Wenn sie fertig ist, möchte sie im Varieté arbeiten. Zirkus sei eher nicht ihr Ding. „Es ist gut, dass man an der Schule ausprobieren kann, wie man auf der Bühne am besten ankommt und was zu einem passt“, sagt sie.

Noch relativ jung ist das Bildungsangebot der Schule, nach der zehnten Klasse die gymnasiale Oberstufe mit dem besonderen Profil Tanz, Theater, Theorie zu absolvieren. Eine Aufnahmeprüfung ist dafür nicht erforderlich, allerdings sind tänzerische Vorkenntnisse erwünscht, denn die Schüler belegen alle einen Leistungskurs Tanz. Lina Görlitz (18) hat sich für diesen Weg entschieden. „Ich interessiere mich schon lange für Ballett, für mich war das aber immer eher ein Hobby“, sagt sie. Neben dem Leistungskurs Tanz werde in jedem Jahr im Kurs Darstellendes Spiel ein Theaterstück einstudiert. „Der Bildungsgang richtet sich an Bewerber, die später im Kulturbereich arbeiten wollen. Auch wenn man hinter der Bühne arbeitet, ist es gut zu wissen, wie eine Generalprobe funktioniert oder wie man mit Künstlern umgeht“, sagt der Schulleiter Stabel. Lina Görlitz könnte sich vorstellen, später als Theaterpädagogin zu arbeiten oder vielleicht sogar Schauspiel zu studieren.

Auffallend ist, dass die schulischen Leistungen trotz der zusätzlichen Trainingsstunden und Auftritte der Schüler, besser sind als an vielen anderen Schulen. Mit einem Abiturdurchschnitt von 1,9 ist die Schule die beste berufliche Schule der Hauptstadt und kann sich auch mit den besten zehn Gymnasien messen. Der Schulleiter führt die sehr guten Ergebnisse gerade auf die Doppelqualifikation zurück: „Wer sich beim Tanz mit der Musik durch den Raum bewegt, entwickelt im Gehirn Verknüpfungen, die auch in Mathe oder Chemie nützlich sind“, sagt er. Zum Erfolgsrezept gehöre auch eine sehr individuelle Betreuung der Schüler.

Ausgewählte Elite-Schulen mit Förderung besonderer Begabungen:

  • Staatliche Ballettschule Berlin und Schule für Artistik, Erich-Weinert-Straße 103, Prenzlauer Berg, Tel. 405 779 - 0
  • Schul- und Leistungssportzen­trum Berlin im Sportforum Hohenschönhausen, Fritz-Lesch-Straße 35, Tel. 983 18 52 05
  • Musikgymnasium Carl Philipp Emanuel Bach Brunnenstraße 148, Tel. 40 50 58 30
  • Sportschule im Olympiapark - Poelchau-Schule Prinz-Friedrich-Karl-Weg 1, Charlottenburg, Tel. 300 63 300

Evangelische Schulen

Wenn es um die Berliner Abiturergebnisse geht, ist die Evangelische Schule Frohnau jedes Jahr ganz vorn mit dabei. Oft belegt sie gar den ersten Platz im Ranking der Besten. Schulleiterin Christine Behnken sagt, dass das auch daran liegt, dass „wir jeden unserer Schüler kennen und keinen aus den Augen verlieren.“ Wenn es Probleme gibt, würden sie schnell das Gespräch mit den Eltern suchen.

Während wir uns im Direktorenzimmer unterhalten, ist draußen auf dem Flur Klaviermusik zu hören. Das sei meist in den Pausen so, sagt Christine Behnken. Die Schüler würden üben oder sich einfach aus Spaß an das Klavier setzen. Musik und Kunst prägen das Profil der Schule. Es gibt verschiedene Chöre und Orchester, eine Big Band, Theater- und Musical-Arbeitsgemeinschaften. „Wir muten unseren Schülern zu, dass sie sich hinstellen und zeigen, was sie können“, sagt die Schulleiterin. Alle zwei Jahre bringe die Schule zum Beispiel ein großes Musical heraus. Zuvor gebe es jedes Mal ein Casting, an dem sich alle Schüler, auch die der Grundstufe, bewerben könnten.

„Unsere Theater-Leute beschäftigen sich in diesem Jahr mit Fragen der Selbstjustiz“, sagt Behnken. Heinrich Kleists „Michael Kohlhaas“ soll aufgeführt werden. Die Spieler sind mit dieser Inszenierung auch zum Kirchentag Ende Mai eingeladen.

Lioba, Agnes und Charlotte sind Schüler des elften Jahrgangs. Charlotte (16), hat schon die Grundstufe der Evangelischen Schule Frohnau besucht. Sie spielt in der Big Band Saxofon und ist deshalb bei allen Musicals dabei, die an der Schule einstudiert werden. Später möchte sie einmal Richterin werden. „Das Besondere unserer Schule ist, dass es hier sehr sozial zugeht. Mobbing kennen wir hier nicht“, sagt sie. Auch Agnes (16), die seit der fünften Klasse an der Schule lernt, schwärmt von der guten Atmosphäre , die das Miteinander der Schüler bestimmt. „Jeder kennt hier jeden. Wir machen tolle Projekte, die oft jahrgangsübergreifend sind.“ Die Lehrer würden viele Ausflüge und Klassenfahrten mit den Schülern unternehmen. Agnes ist in der Geschichts-AG der Schule, ihre Leistungskurse sind Geografie und Französisch. Später möchte sie in der Europa-Politik mitmischen. Lioba gefällt der christliche Aspekt des Schulprofils. Sie hat Religion und Deutsch als Leistungskurse gewählt, war im Chor und in der Big Band. Schulleiterin Christine Behnken sagt, dass es für die beiden siebten Klassen der Schule meist noch Plätze gebe. Die Plätze in den fünften Klassen seien dagegen sehr stark nachgefragt.

Ausgewählte Oberschulen in Trägerschaft der evangelischen Schulstiftung:

  • Evangelische Schule Frohnau, Benediktiner Straße 11–19, 13465 Berlin, Tel.: 030 40 63 21 49
  • Evangelische Schule Berlin Zentrum, Reformschule mit radikalem Wandel der Lernkultur, Wallstraße 32,10179 Berlin, Tel.: 030 25 76 07 10
  • Evangelische Schule Neukölln, Sekundarschule, Mainzer Straße 47, 12053 Berlin, Tel.:030 624 20 27.

Umwelt- oder naturwissenschaftliches Profil

Für Ella-Luna, 13, und Antonia,13, war das Dathe-Gymnasium die erste Wahl. Beide hat besonders die Biologiestation der Schule beeindruckt. Ella-Luna, Schülerin der Schnelllernerklasse des Gymnasiums, möchte später Biologie oder Biotechnik studieren. Antonia will Biologielehrerin werden. „Wir haben an der Schule viele Möglichkeiten, uns mit biologischen Themen zu beschäftigen“, sagt sie. Ella-Luna fügt hinzu, dass ihr auch der Zusammenhalt der Schüler ihrer Schule sehr gefällt. „Wir verstehen uns gut.“ Sie würden auch jahrgangsübergreifend viel zusammen unternehmen.

Kein Wunder, dass das Dathe-Gymnasium beliebt ist. Schulleiterin Helmke Schulze sagt, dass die Nachfrage für einen Platz in einer der beiden siebten Klassen groß sei. Außerdem gibt es eine Schnelllernerklasse ab dem fünften Schuljahr mit besonderen Förderangeboten für hochbegabte Kinder. Ausgesucht werde nach Leistung. „Als nachgeordnetes Kriterium berücksichtigen wir aber auch, wenn ein Bewerber von einer Grundschule kommt, zu deren Profil Umwelterziehung gehört.“

Das Dathe-Gymnasium, das nach dem langjährigen Direktor des Berliner Tierparks Heinrich Dathe benannt wurde, ist eine Umweltschule. „Umweltthemen und globale Zusammenhänge werden in jedem Unterrichtsfach behandelt“, sagt die Schulleiterin. Eine enge Kooperation mit dem Berliner Tierpark versteht sich da von selbst. Vom Tierpark stammen auch etliche Tiere, die in der Biologiestation der Schule leben. Insgesamt gibt es dort über 500 Tiere, von Schlangen über Kaninchen, Mäusen und Meerschweinchen bis zu Fischen, Schildkröten und Insekten. „Die Kinder können hier lebende Tiere aus unmittelbarer Nähe beobachten und ihre Verhaltensweisen erforschen“, sagt Schulleiterin Helmke Schulze. Ein Teil des Biologieunterrichts finde in der Tierstation statt. Außerdem gebe es verschiedene Werkstätten wie etwa eine Mäuse-, Käfer- oder Insektenwerkstatt. Die Schulbiologiestation stehe auch anderen Schulen offen.

Am Dathe-Gymnasium beschäftigen sich die Schüler aber nicht nur theoretisch mit dem Thema Umwelt. „Uns ist wichtig, dass sie ein Bewusstsein für die Umwelt und globale Zusammenhänge entwickeln und entsprechend handeln“, sagt die Schulleiterin. So hätten die Schüler zum Beispiel beschlossen, dass es an ihrer Schule nur zuckerreduzierte Getränke gibt und einen Wasserautomaten, für den sich jeder seine Tasse selbst mitbringen muss. Auch haben die Schüler beschlossen, keine Plastiktüten mehr zu benutzen und Plastikmüll überhaupt zu vermeiden. Dann erzählt die Schulleiterin von einem Absolventen, der zurück an die Schule kam und den Schülern von seinen Erfahrungen in einem Dschungelprojekt erzählt hat, an dem er während eines freiwilligen sozialen Jahres teilgenommen hat. „Die Schüler waren begeistert.“ Das Dathe-Gymnasium arbeitet auch mit vielen externen Partnern zusammen, so etwa mit dem Geo-Forschungszentrum Potsdam oder dem Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam.

Ausgewählte Gymnasien mit Umwelt- oder naturwissenschaftlichem Profil:

  • Dathe-Gymnasium, Helsingforser Straße 11–13, 10243 Berlin, Tel.: 030 293 60 63
  • Heinrich-Hertz-Oberschule, Rigaer Straße 81, Friedrichshain, Tel.: 030 42 26 20 80
  • Käthe-Kollwitz-Gymnasium, Dunckerstraße 65, Prenzlauer Berg, Tel.: 030 444 76 71

Erste Fremdsprache Französisch

Der zwölfjährige Joris geht durch die Reihen der Zweitklässler der benachbarten Grundschule und hält abwechselnd eine Tomate, Kiwi oder Ananas hoch. Stolz sprechen die Kleinen im Chor die französischen Vokabeln nach, die sich ganz ähnlich anhören wie die deutschen Bezeichnungen. „Ihr könnt schon eine Menge“, lobt Joris.

Die Siebtklässler der Georg-von-Giesche-Schule in Schöneberg werben unter den Grundschülern dafür, Französisch als erste Fremdsprache zu wählen. Ihre Sekundarschule gehört zu den wenigen Oberschulen in Berlin, die dieses Angebot auch in der siebenten Klasse fortführen. Nicht einmal jeder Bezirk hat eine weiterführende Schule, in der Französisch als erste Fremdsprache unterrichtet wird. Völlig ausgespart bleiben die Bezirke Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick. In vielen anderen Bezirken gibt es lediglich Gymnasien aber keine Sekundarschulen, die das Angebot vorhalten.

Auch das ist ein Grund, dass sich nur wenige Eltern in der Grundschule für Französisch entscheiden. Viele fürchten die eingeschränkte Auswahl bei den Oberschulen. Nur 1321 Schüler, das sind 1,9 Prozent der Grundschüler in den dritten und vierten Klassen, lernen Französisch als erste Fremdsprache, Tendenz abnehmend. Und nur diese Schüler haben die Möglichkeit, die Sprachenfolge auch an der Oberschule weiterzuführen. Als zweite Fremdsprache ist Französisch in der Sekundarstufe durchaus beliebt. 36 Prozent der Schüler lernen es neben Englisch.

Dabei hat die Wahl der französischen Sprache als erste Fremdsprache aus Sicht der Lehrerin Beate Offrich von der Giesche-Schule nur Vorteile. „Kinder, die bereits früh mit Französisch beginnen, lernen später auch die englische Sprache leichter“, sagt die Fachbereichsleiterin Fremdsprachen. Zudem falle es jüngeren Kinder leichter, die Aussprache zu lernen. Und noch einen Vorteil hat die Sprachwahl: An Schulen, die mehr Anmeldungen als Plätze haben, müssen Bewerber bevorzugt werden, die nur dort im Bezirk ihre erste Fremdsprache fortführen können.

An der Georg-von Giesche-Sekundarschule lernen viele Schüler, die wegen des besonderen Fremdsprachenangebots aus entfernten Bezirken kommen. Die zwölfjährige Lina wohnt in Köpenick und fährt jeden Tag eine Stunde bis zur Schule. Damit ist sie nicht die Einzige aus der Klasse. Doch Lina hat sich bewusst für die Schule entschieden. Es gibt einen Schüleraustausch nach Straßburg, wo die Kinder vor Ort eine Woche bei Familien wohnen. Dann kommen die jungen Franzosen eine Woche nach Berlin. Außerdem bietet die Schule ein französisches Betriebspraktikum in Berlin, beispielsweise in bilingualen Kindergärten oder in einer französischen Bäckerei.

Wer nach der zehnten Klasse das Abitur in drei Jahren machen möchte, kann die Fremdsprache am Oberstufenzentrum Banken, Immobilien und Versicherungen in Moabit weiterführen. Das ist die einzige berufliche Schule in Berlin mit diesem Angebot. Doch die Sprache des Nachbarlandes soll wieder mehr Gewicht an den Schulen bekommen. Die Bildungsverwaltung will zunächst das Angebot an Grundschulen ausbauen, vor allem in den östlichen Bezirken.

Ausgewählte Sekundarschulen mit Französisch als erster Fremdsprache:

  • Georg-von-Giesche-Schule Hohenstaufenstraße 47, Schöneberg, Tel. 902 77 71 69
  • Evangelische Schule Steglitz Beymestraße 6–7, Tel. 791 60 01
  • Benjamin-Franklin-Schule Sommerfelder Straße 5–7, Reinickendorf, Tel. 43 98 38 10

Schnelllernerklassen

Dalia hat es geschafft. Seit Anfang des Schuljahres ist sie Schülerin des Weddinger Lessing-Gymnasiums, einer begehrten Schule, die seit einigen Jahren mehr Bewerber als Schulplätze hat. Für Dalia war zwar klar, dass sie das Abitur machen möchte, dass sie das nun an einem Gymnasium machen kann, ist schon etwas Besonderes. Ihren Mittleren Schulabschluss hat die 17 Jahre alte Schülerin an der Gustav-Langenscheidt-Sekundarschule in Schöneberg gemacht. Diese Schule hat keine eigene Oberstufe und bereitet ihre Schüler vor allem auf eine praktische Ausbildung vor.

Dalia, die weiter zur Schule gehen wollte, hat von Freunden erfahren, dass es die Möglichkeit gibt, die elfte Klasse an der Sekundarschule am Schillerpark zu machen und danach an das Lessing-Gymnasium zu wechseln. Sie hat sich beworben und einen Platz in dieser Vorbereitungsklasse bekommen. Das Jahr in der Elften sei zwar hart aber auch sehr wichtig gewesen, sagt sie. „Ich bin mit großen Wissenslücken in die Elfte gekommen. Vieles, was plötzlich gefragt war, haben wir vorher gar nicht behandelt.“ Sie habe in allen Fächern Nachhilfe nehmen müssen, um mitzukommen, sagt Dalia.

Ihre Mitschüler nicken. Dila (18) sagt, dass sie sogar öfter daran gedacht hat, alles hinzuschmeißen. „Mir ist es sehr schwer gefallen und ich habe einen großen Druck gespürt.“ Doch auch Dila hat es geschafft und konnte von der Schule am Schillerpark an das Lessing-Gymnasium wechseln. „Nach dem Abitur werde ich vielleicht Krankenschwester oder arbeite in einem sozialen Beruf“, sagt sie. Später einmal zu studieren, kann sie sich im Moment noch nicht vorstellen. Aber vielleicht ändert sich das noch.

Die Zusammenarbeit des Lessing-Gymnasiums mit der Sekundarschule am Schillerpark ist ein Schulversuch und einzigartig in der Stadt. Beide Schulen arbeiten eng zusammen, damit das Projekt erfolgreich ist. So sind zum Beispiel einige Lehrer des Lessing-Gymnasiums stundenweise an die Schule am Schillerpark abgeordnet, um dort in der elften Klasse zu unterrichten. „Die Schüler müssen auf das gymnasiale Niveau gebracht werden“, sagt Michael Wüstenberg, Schulleiter des Lessing-Gymnasiums. Das setze die Bereitschaft voraus, sich anzustrengen und auch zu Hause noch sehr viel zu arbeiten.

Ronald Fischer, Schulleiter der Schule am Schillerpark, spricht von einem Erfolgsprojekt. Die Nachfrage nach einem Platz an seiner Schule habe sich mit der Einrichtung der elften Klasse und der Möglichkeit, von dort an das Lessing-Gymnasium zu wechseln, deutlich erhöht, sagt er. Auch sein Kollegium sei von der Zusammenarbeit mit dem Gymnasium überzeugt.

Auch Muhammed (17) hat die Möglichkeit genutzt, sein Abitur am Gymnasium machen zu können. Ohne die Vorbereitung an der Schule am Schillerpark hätte er den Übergang zur Lessing-Schule aber kaum geschafft, sagt er und berichtet, dass er anfangs vor allem in Mathe Schwierigkeiten hatte. Er habe seinen Mittleren Schulabschluss an der Ernst-Schering-Schule gemacht. „Dort haben wir zwar viele Themen behandelt, einiges aber nur oberflächlich.“ Jetzt gehe es viel mehr in die Tiefe. Muhammed will später Wirtschaft studieren und ein Bauunternehmen gründen.

Sein Mitschüler Mohamad (17) hat ebenfalls vor, Wirtschaft zu studieren. Er hat die elfte Klasse an der Schule am Schillerpark als sehr anstrengend und fordernd erlebt. „Wir mussten erst lernen, selbstständig zu lernen“, sagt er. Im Gymnasium käme er nun aber gut zurecht. Das sagen alle Schüler, mit denen wir gesprochen haben. Ihr Fazit: ohne das elfte Schuljahr an der Sekundarschule am Schillerpark hätten sie es am Lessing-Gymnasium kaum geschafft, zumindest hätten sie nicht so gute Noten wie das jetzt der Fall sei.

Dass sie nach der Elften noch einmal die Schule wechseln mussten, finden die meisten von ihnen nicht weiter schlimm. Muna (17) sagt, dass sie zwar zunächst schon Bedenken gehabt hätte, sich dann aber sehr schnell am Lessing-Gymnasium eingelebt habe.

Ausgewählte Gymnasien mit Schnelllernerklassen:

  • Lessing-Gymnasium, Schöningstraße 17, Wedding, Tel.: 030 457 98 50
  • Rosa-Luxemburg-Gymnasium, Kissingenstraße 12, 13189 Berlin, Tel.: 030 91 60 77 30
  • Otto-Nagel-Gymnasium, Schulstraße 11, Biesdorf, Tel.: 030 514 38 64
  • Werner-von Siemens-Gymnasium, Beskidenstraße 1, Nikolassee, Tel: 030 803 90 66
  • Albrecht-Dürer-Gymnasium, Emser Straße 134–137, Neukölln, Tel.: 030 221 99 43 10

Was Eltern wissen müssen

Förderprognose Mit dem Halbjahreszeugnis der sechsten Klasse erhalten alle Schüler auch eine Förderprognose. Darin geben die Lehrer der Grundschule eine Empfehlung, welche Schulart für das Kind voraussichtlich am besten geeignet ist. Die Eltern und Schüler sind nicht daran gebunden, unabhängig vom Notendurchschnitt können sie entscheiden, ob sie das Kind am Gymnasium oder an einer Sekundarschule anmelden wollen.

Schularten An Sekundarschulen und Gymnasien ist es möglich, das Abitur zu machen. An Sekundarschulen haben die Schüler dafür ein Jahr länger Zeit, also dreizehn statt zwölf Jahre. Wenn sie keine eigene gymnasiale Oberstufe haben, kooperieren die Sekundarschulen mit Oberstufenzentren. An den Gymnasien gibt es ein Probejahr. Sollten sich die Eltern eines Kindes mit einem Notenschnitt von 3,0 oder höher für ein Gymnasium bewerben, gibt es dort ein verpflichtendes Beratungsgespräch.

Anmeldefrist In der Zeit vom 7. Februar bis 21. Februar 2017 melden dann die Eltern die Schüler der sechsten Klassen im Sekretariat der Erstwunschschule an. Sie können auf dem Anmeldeformular auch einen Zweit- und Drittwunsch angeben. Bei der Anmeldung müssen der Anmeldebogen und die Förderprognose, die das Kind von der Grundschule erhalten hat, abgegeben werden. Die Schule, an der die Schüler angemeldet werden, kann auch in einem anderen Bezirk als in ihrem Wohnort liegen. Der Anmeldebogen gilt nur für die öffentlichen Schulen. Für die Anmeldung an einer Privatschule wird dieser nicht benötigt. Die freien Schulen haben in der Regel ihre eigenen Anmeldeformulare. Wer sein Kind parallel an einer Privatschule anmelden möchte, sollte drauf achten, dass er die Förderprognose dort nur als Kopie abgibt.

Grundständige Gymnasien Der Anmeldezeitraum für Kinder, die schon nach der fünften Klasse an eine Oberschule wechseln wollen ist vom 1. März bis 8. März. Für bestimmte Angebote müssen die Kinder Tests ablegen. Für die Schnelllerner war der Test bereits am 14. Januar. Die Tests für die Musikgymnasien und das Französisches Gymnasium finden bis zum 24. Fe­bruar statt. Der Test für die mathematisch-naturwissenschaftlichen Klassen ist am 9. März und für die naturwissenschaftlichen Klassen am 10. März.

Auswahlkriterien Wenn Schulen mehr Bewerber als Plätze haben, können sie mindestens 60 Prozent der Schüler nach selbst festgelegten Kriterien aussuchen. Die Auswahlkriterien können die Durchschnittsnote, besondere Kompetenzen, eine Notensumme bestimmter Fächer, die dem Profil der Schule entsprechen oder ein Test sein. In das Auswahlverfahren kommen bei den stark nachgefragten Schulen nur Bewerber, die die Schule tatsächlich auch als Erstwunsch angegeben haben. 30 Prozent der Plätze werden verlost.

Ausnahmen Geschwisterkinder werden bevorzugt berücksichtigt. Vorrangig werden auch Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufgenommen (drei bis vier pro Klasse). Bis zu zehn Prozent der Plätze werden für Härtefälle vorgehalten, etwa wenn es in besonderen familiären Situationen eine große Belastung wäre, eine andere als die gewünschte Schule zu besuchen. Eine Sonderregelung gibt es auch für Kinder, die Französisch als erste Fremdsprache haben.

Bescheid Bis spätestens Ende Mai eines Jahres erhalten die Eltern von der Schule den Bescheid darüber, ob ihr Kind an der Schule aufgenommen werden kann. Falls das Kind an der Erstwunschschule keinen Platz erhalten kann, wird es je nach vorhandenen Plätzen an der Zweitwunschschule oder Drittwunschschule aufgenommen. Sollte es an keiner dieser drei Schulen einen Platz geben, dann schlägt das Schulamt eine andere Schule der gewünschten Schulart vor. Die Eltern haben jedoch dann immer noch die Möglichkeit gegen den Bescheid Widerspruch einzulegen.

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