Lehrermangel in Berlin

Zahl der Quereinsteiger an Berlins Schulen ist alarmierend

Fachlehrer fehlen: Auch im Februar müssen wieder viele Kräfte ohne Lehramtsausbildung eingestellt werden.

Dass Lehrer fehlen, führt zu Unterrichtsausfall und Überlastung

Dass Lehrer fehlen, führt zu Unterrichtsausfall und Überlastung

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Auch zum Beginn des zweiten Schulhalbjahres Anfang Februar müssen an den Berliner Schulen wieder viele Quereinsteiger eingestellt werden, weil ausgebildete Fachkräfte fehlen. Vor allem in den Naturwissenschaften, in Mathematik, Chemie, Physik und Biologie, sind kaum noch ausgebildete Lehrer auf dem Markt. Auch Grundschullehrer fehlen.

Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), sagte der Berliner Morgenpost, dass zum zweiten Halbjahr rund 1000 neue Lehrer eingestellt werden müssen. „Für 650 Fachlehrer laufen zurzeit bereits die Einstellungsvorgänge“, so Stoffers. Jetzt würde es in den einzelnen Regionen Einstellungscastings für die 580 Quereinsteiger geben, die sich beworben haben.

Berliner Schulen kämpfen um Personal

Dieter Haase, Vorsitzender des Personalrates der Lehrer, bezeichnete die Lage gegenüber der Berliner Morgenpost als alarmierend. „Es wird noch schlimmer werden“, sagte er. Zwar seien in Berlin die Studienplätze für den Lehrerberuf aufgestockt worden, für das Grundschullehramt von 150 auf 600, doch auch diese Absolventen würden nicht ausreichen, um den großen Mangel zu beheben. Außerdem dauerte es noch Jahre, bis sie fertig sind.

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Tom Erdmann, Chef der Lehrergewerkschaft GEW, sagte, dass inzwischen mehr als jede dritte Lehrkraft nicht voll ausgebildet sei. Das Grundschullehramt hätten sogar nur noch 18 Prozent der neu eingestellten Lehrkräfte studiert. „Quereinsteiger bereichern mit ihren Erfahrungen und ihrem Fachwissen unsere Schulen zwar ungemein“, so Erdmann. Sie brauchten aber viel Unterstützung durch ihre Kollegen. Dazu sei zu wenig Zeit. Dies belaste sowohl die Quereinsteiger als auch die voll ausgebildeten Lehrkräfte.

Jeder dritte Lehrer in Berlin ist inzwischen Quereinsteiger. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Ein Dank den Quereinsteigern

Nuri Kiefer, Leiter des Vorstandsbereichs Schule in der GEW und Schulleiter, forderte, die Ausbildungszeit für Quereinsteiger deutlich zu erhöhen. „Gegenwärtig haben sie die gleiche Ausbildungszeit wie reguläre Referendare, die aber wesentlich mehr Vorkenntnisse haben.“ Kiefer geht davon aus, dass auch in den kommenden vier Jahren viele Quereinsteiger eingestellt werden müssen, um dem Lehrermangel zu begegnen. „Wir werden schon bald das Problem haben, dass wir nicht mehr genügend Quereinsteiger finden, die eine geeignete Grundqualifizierung für den Lehrerberuf haben“, warnte er.

Zahl der Quereinsteiger an Berlins Schulen nimmt alarmierend zu

Auch Robert Giese, Schulleiter der Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule in Neukölln, sagte, dass der Anteil von Quereinsteigern an einer Schule nicht zu groß werden dürfe. Zum einen sei es für die Quereinsteiger selbst eine große Herausforderung, zu unterrichten und nebenher die pädagogische Ausbildung zu machen und oft noch ein zweites Fach zu studieren. Zum anderen müssen die Kollegen diese Neulinge unterstützen, was zeitaufwendig sei. An seiner Schule setze sich der gesamte Physikbereich aus Quereinsteigern zusammen, so Giese. „Wir haben bisher nur gute Erfahrungen gemacht.“ Eine Belastung für die Betreffenden und das Kollegium sei es gleichwohl.

Die Personalversammlung der allgemeinbildenden Schulen Spandau hat eine Resolution verabschiedet, in der eine vorausschauende Personalpolitik angemahnt wird. Die Vorsitzende des Personalrates, Claudia Polzin, sagte der Berliner Morgenpost, dass vor allem an Grundschulen „die Luft brennt“. Mehr als ein Drittel der Lehrkräfte dort seien nicht für die Grundschule ausgebildet. „Für die Fachlehrer bedeutet das einen extrem hohen Betreuungsaufwand.“

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