750-jähriges Jubiläum

In Kladow geht es zurück in die Zukunft

Beim 750-jährigen Jubiläum des Spandauer Ortsteils Kladow wollen die Bewohner nicht rückwärtsgewandt sein.

Der Kladower Hafen mit dem Seglerheim ist seit jeher ein beliebtes Ausflugsziel der Berliner

Der Kladower Hafen mit dem Seglerheim ist seit jeher ein beliebtes Ausflugsziel der Berliner

Foto: picture alliance / arkivi

Mit Kladow verbinden die meisten Berliner dörfliche Idylle, schmucke Einfamilienhäuser, schaukelnde Boote und einen Ausflug mit einem Haveldampfer ins Grüne. Doch aus dem einstigen Lehnschulzengut und späteren Dorf ist längst ein ausgedehnter Stadtteil geworden. In diesem Jahr feiert der südlichste Spandauer Ortsteil sein 750-jähriges Bestehen. 1267 wurde "Clodow" in einer Schenkungsurkunde des Ritters Arnow von Bredow zum ersten Mal erwähnt. Archäologische Funde deuten allerdings darauf hin, dass es schon im 9. Jahrhundert auf dem heutigen Kladower Gebiet eine Slawen-Siedlung gab.

Zum Jubiläumsjahr wollen die Kladower weniger auf ihre frühe Geschichte, sondern vielmehr auf die ständigen Veränderungen zeigen, die in dem Ortsteil stattgefunden haben. Das gilt auch für die gut 200 Seiten umfassende Festschrift. Das Leitmotiv lautet: "Kladow ändert sich", sagt Mitverfasser Rainer Nitsch, seit mehr als 30 Jahren im Kulturverein Kladower Forum aktiv. "Der Schwerpunkt liegt in der letzten Zeit."

In wenigen Jahren vom kleinen Dorf zur stattlichen Siedlung

So sind auf früheren Kohlenhalden, die der Berliner Senat bis einige Jahre nach dem Fall der Mauer in Kladow unterhielt, um die West-Berliner im Falle einer erneuten Blockade mit Brennmaterial versorgen zu können, ein Golfclub und Wohnhäuser entstanden. Vom großen Wandel zeugt auch die Statistik: Hatte das Dorf im Jahr 1900 noch 662 Einwohner, so sind es jetzt rund 16.000. Es habe eine regelrechte Bevölkerungsexplosion gegeben, weiß Nitsch, und er kann sie datieren. "Die Explosion passierte im Jahr 1935, als die militärischen Ansiedlungen kamen", weiß der Informatikprofessor und Hobbyhistoriker. Denn mit dem Bau des Flughafens Gatow entstanden auch im angrenzenden Kladow Kasernen und Wohnsiedlungen für Militärangehörige und Bauarbeiter. Seit einer Ortsteilreform im Jahr 2003 gehört der Flughafen Gatow wie die "Landstadt Gatow" auch nicht mehr zum benachbarten Ortsteil Gatow, sondern ebenfalls zu Kladow.

Als mit Abstand größter Arbeitgeber in Kladow beteiligt sich die Bundeswehr auch an den Jubiläumsfeiern. So wird die Bundeswehr den großen Festumzug zur 750-Jahr-Feier am 16. Juli organisieren. Zu den weiteren Höhepunkten des Festjahres gehört einen Tag zuvor das Jubiläumsfest auf dem Imchenplatz am Kladower Hafen. Schon am 17. März wird im Haus Kladower Forum die Ausstellung "750 Jahre Kladow – Kladow verändert sich" eröffnet. Das Bürgerhaus am Kladower Damm hatte der Verein mit Hilfe von Spendern erworben.

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Ein Bindeglied zwischen Kladower Vergangenheit und Gegenwart wird derzeit im Keller des Gebäudes restauriert: der original venezianisches Brunnen aus dem früheren Schloss Brüningslinden. Das Schloss mit dem Märchenwald ist längst einer Siedlung gewichen. Den Brunnen hatte eine Bank dem Bezirk Wilmersdorf geschenkt. Nach mehr als 20 Jahren Gesprächen und Debatten hatten die Bezirksverordneten von Charlottenburg-Wilmersdorf beschlossen, den Marmorbrunnen, der zuletzt im Hof des Rathauses Wilmersdorf stand, zurück nach Kladow zu geben. Noch im Jubiläumsjahr soll der Brunnen auf dem Gelände des Bürgerhauses wieder fließen. Das Kladower Forum setzt bei der rund 20.000 Euro teuren Restaurierung wieder auf den Bürgersinn der Spandauer "Südstaatler". "Wir haben das Geld noch nicht", sagt Rainer Nitsch. "Wir hoffen auf Sponsoren und Spenden."

Das vollständige Festprogramm im Internet unter "auf 750jahre-kladow.de. Dort werden auch die Stützpunkte veröffentlicht, an denen die kostenlose Festschrift ausgegeben wird.

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