Nahverkehr

1050 neue U-Bahn-Wagen für Berlin: Die BVG auf Shopping-Tour

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Lorenz Vossen
 Die Berliner Verkehrsbetriebe sind auf Einkaufstour

Die Berliner Verkehrsbetriebe sind auf Einkaufstour

Foto: dpa Picture-Alliance / Wolfram Steinberg / picture alliance / Wolfram Stein

Die Berliner Verkehrsbetriebe wollen ihren Fuhrpark erneuern und Erdgas-Busse testen – für rund 3,1 Milliarden Euro.

Berlin.  Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sind auf Einkaufstour. Wie aus dem Amtsblatt der Europäischen Union hervorgeht, hat das Unternehmen Aufträge für etliche neue Fahrzeuge ausgeschrieben.

So sollen bis zu 1050 U-Bahn-Wagen angeschafft werden, davon 346 für das sogenannte Kleinprofil (Linien U1 bis U4) sowie 704 für das Großprofil (U5 bis U9). Zunächst sind mindestens 182 beziehungsweise 264 Wagen vorgesehen. Ab 2021 sollen die ersten Fahrzeuge auf die Schiene kommen. Auch für neue Straßenbahnen und Busse laufen Ausschreibungen.

Ziel ist es, den reichlich betagten Fuhrpark innerhalb der nächsten 20 Jahre zu erneuern, wie die BVG am Mittwoch mitteilte. Die neuen Fahrzeuge sollen zu 80 Prozent ihre Vorgänger ersetzen und zu 20 Prozent den gestiegenen Bedarf an Angeboten im Öffentlichen Personennahverkehr decken.

Besonders bei der U-Bahn ist der Handlungsbedarf groß. Die Kleinprofilwagen haben im Durchschnitt bereits rund 28 Jahre, die mit Großprofil sogar 30 Jahre Einsatzzeit hinter sich. Als optimal gilt ein Durchschnittsalter der Flotte von 20 Jahren. Auf der Linie U55 fahren neuerdings sogar Züge der Baureihe D, die bereits Ende der 90er-Jahre größtenteils ausgemustert und an die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang verkauft worden waren. Deren Durchschnittsalter beträgt 50 Jahre.

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Neue Tram-Linien sollen entstehen

Die Tram steht mit einem Alter von rund 20 Jahren besser da, aber auch hier muss die BVG nachlegen. Denn in den nächsten Jahren sollen mehrere neue Linien entstehen, etwa zwischen Hauptbahnhof und Bahnhof Turmstraße sowie zwischen Alexanderplatz und Kulturforum. Ausgeschrieben sind bis zu 117 Fahrzeuge mit einer Kapazität von rund 300 Plätzen. Zuletzt hatte die BVG beim Hersteller Bombardier die vierte und letzte Option der Lieferung moderner Flexity-Trams gezogen. 130 sind aktuell im Einsatz, bis 2020 sollen es 210 sein.

Auf der Straße will die BVG erstmals seit 2013 wieder Erdgasbusse einsetzen. Gesucht werden Hersteller, die kostenlos sogenannte CNG-Busse (Compressed Natural Gas) zur Verfügung stellen. Die Zwölf-Meter-Fahrzeuge sollen für zwei Wochen auf einer bestimmten Linie getestet werden. Hintergrund ist ein Senatsbeschluss, wonach die BVG ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse anschaffen darf. Zwischen 2008 und 2013 waren bereits fünf Erdgasmodelle von MAN unterwegs. Zwar stimmten Wartungsaufwand und Reichweite, jedoch dauerte das Betanken zu lang.

3,1 Milliarden Euro soll der neue Fuhrpark kosten

Rund 3,1 Milliarden Euro wendet die BVG für ihren neuen Fuhrpark auf. Die Weichen dafür stellte das Unternehmen vor einem Jahr. Im Aufsichtsrat wurde zunächst „die Ausschreibung von Rahmenverträgen zur zukunftssicheren Fahrzeugbeschaffung“ beschlossen, später mit dem damaligen Verkehrssenator Andreas Geisel und Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (beide SPD) eine Absichtserklärung unterzeichnet, den 2020 auslaufenden Verkehrsvertrag bis 2035 zu verlängern. Zur Finanzierung gründete die BVG eine Tochtergesellschaft, die die neuen Schienenfahrzeuge bis 2020 zunächst über Kredite finanziert. Anschließend springt das Land mit festen Zuschüssen von jährlich mindestens 90 Millionen Euro ein. Die Busse muss die BVG aus Eigenmitteln bezahlen.

Auch bei der Sicherheit wird investiert. So sollen 126 von 173 U-Bahnhöfen, die noch nicht über die modernste Videotechnik verfügen, nachgerüstet werden – „für eine flächendeckende Beobachtung der Bahnsteige, Vorhallen, Treppenbereiche“, heißt es in der Ausschreibung. Kosten: 27,7 Millionen Euro. Laut einer Umfrage befürworten mehr als 80 Prozent der Fahrgäste Kameras. Auch die Polizei fordert zur Aufklärung öfters Bilder an.

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