„Zoom“ am Bahnhof Zoo

Billigmodekette Primark zieht in Berlins City West

Der Modehändler wird 6485 Quadratmeter Verkaufsfläche in neuem Gebäude an der Joachimsthaler Straße beziehen.

Das Zoom-Gebäude als Simulation an der Joachimsthaler Straße

Das Zoom-Gebäude als Simulation an der Joachimsthaler Straße

Foto: Hines

Die schlimmste Schmuddelecke in der City West, die marode Häuserzeile gegenüber dem Nobelhotel Waldorf Astoria, ist längst abgerissen, die Bauarbeiten für den weiß schimmernden Neubau laufen auf Hochtouren.

Doch wer nun dachte, nach dem Auszug des Beate-Uhse-Erotikmuseums, der Sex-Shops, Wechselstuben und diverser Asia-Imbisse wird die Ecke vis-à-vis vom Bahnhof Zoo nun mit schicken Läden belegt, sieht sich getäuscht. Hauptmieter für die Zoom genannte Einkaufspassage im Erdgeschoss des Neubaus wird die Billigmodekette Primark.

Wie der Bauherr des Gebäudes, das amerikanische Immobilienunternehmen Hines am Mittwoch bekannt gab, wird der irische Modediscounter mit 6500 Quadratmetern Hauptmieter der insgesamt 11.400 Quadratmeter großen Verkaufsfläche in dem Büro- und Geschäftshaus.

August 2014
Simulation

Primark, die bereits an der Steglitzer Schloßstraße sowie auf dem Alexanderplatz große Filialen in Berlin betreiben, ist überwiegend bei jungen Erwachsenen und Jugendlichen beliebt. Nach Auskunft von Hines habe Primark einen langfristigen Mietvertrag für Verkaufsflächen vom Untergeschoss bis ins zweite Obergeschoss unterschrieben. Die Übergabe der Verkaufsflächen soll 2018 erfolgen.

Im Zeitraffer - Die Schmuddelecke am Zoo wird abgerissen

"Weiterer Aufschwung der City West"

„Primark ergänzt das bestehende reichhaltige Shoppingangebot an diesem hochfrequentierten und prominenten Standort und wird sich sowohl auf die Quartiersentwicklung als auch den weiteren Aufschwung der City West positiv auswirken“, ist Christoph Reschke, Geschäftsführer der Hines Immobilien GmbH überzeugt. Mit weiteren Mietern befände man sich in „bereits fortgeschrittenen Verhandlungen“.

Auch im Bezirksamt sieht man den Vertragsabschluss positiv. „Ausschlaggebend ist, dass es an dieser Ecke überhaupt wieder Leben gibt und etwas Neues entsteht“, sagt der stellvertretende Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, Carsten Engelmann (CDU). Darauf, was letztlich an diesem Standort einziehe, habe der Bezirk keinen Einfluss. „Wir können zwar Wünsche äußern, aber nicht auf deren Erfüllung pochen“, sagt Engelmann. Grundsätzlich begrüße der Bezirk, dass im Umfeld des Bahnhof Zoo mit Primark ein Publikumsmagnet entstehe.

Abriss der erst 32 Jahre alten Bankzentrale am Aquarium

Während wohl kaum jemand dem Abriss der maroden Gebäudezeile am Bahnhof Zoo eine Träne nachgeweint haben wird, sieht es beim bevorstehenden Abriss der erst 32 Jahre alten, markanten Bankzentrale an der Budapester Straße Ecke Kurfürstenstraße am Olof-Palme-Platz ganz anders aus.

Lange war unklar, ob das 1985 im postmodernen Stil von Pysall, Stahrenberg und Partner für die Grundkreditbank errichtete und später von der Berliner Volksbank genutzte Gebäude um mehrere Etagen aufgestockt oder abgerissen werden soll.

Die Entscheidung hat der neue Eigentümer, das international tätige Investmentunternehmen Barings, nun gefällt: Das auffällige halbrunde Eckgebäude mit der roten Steinfassade wird durch ein neues, 15-geschossiges Büro- und Geschäftsgebäude mit einer Höhe von 60 Metern nach Plänen von Grüntuch Ernst Architekten ersetzt.

„Wir wollen an dieser prominenten Stelle ein architektonisch attraktives Objekt mit hochwertigen Büroflächen errichten“, so Christoph Wittkop, Geschäftsführer von Barings Deutschland. Das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss werden neben einem repräsentativen Eingangsbereich, der den Büronutzern vorbehalten ist, auch Flächen für Einzelhandel bieten.

Achteckiger Neubau

Um die Grundstücksfläche optimal zu nutzen und auch die Bürogrundrisse effizient zu gestalten, ist statt des halbrunden nun ein achteckiger Neubau geplant. „Das Problem mit dem Bestandsgebäude war auch, dass es maßgeschneidert für einen einzigen Nutzer, nämlich die Bank, war“, so Armand Grüntuch von Grüntuch Ernst Architekten. „Unser Entwurf dagegen nutzt die Grundstücksfläche effektiver aus und bietet auch die flexiblen Grundrisse, die ein Haus mit mehreren Mietern braucht“, erläutert der Architekt. Zudem sei das neue Gebäude hinter seiner Glasfassade energetisch auf dem neuesten Stand. „Wir verbrauchen weniger Energie für das Doppelte der Nutzfläche“, sagt Grüntuch.

Ganz abgerissen werden soll die alte Bankzentrale jedoch nicht: Die fünf Meter tiefen Fundamente sowie die Bodenplatte sollen stehen bleiben und das neue Gebäude tragen.

Bereits im Februar wird das Innere des Gebäudes entkernt. Der eigentliche Abriss soll dann im Sommer beginnen. „Spätestens im Oktober ist das alte Gebäude weg“, so Barings-Geschäftsführer Wittkop. Dass der Neubau „nur“ 60 Meter – und nicht wie das Zoofenster mit dem Waldorf Astoria und das Upper West auf der gegenüberliegenden Seite des Breitscheidplatzes 118 Meter hoch wird, hat mit der vorliegenden Baugenehmigung zu tun, berichtet Wittkop weiter. „Es gab zwar Vorschläge, die auch ein höheres Haus vorsahen“, so Wittkop. Doch dieses hätte ein Bebauungsplanverfahren notwendig gemacht, das in Berlin gut drei Jahre dauere und dessen Ende offen sei. Dieses Risiko habe man nicht eingehen wollen.

Wie Investor Hines mit seinem Zoom hat sich deshalb auch Barings dafür entschieden, bei den bereits genehmigten Plänen zu bleiben.

Dass die städtebauliche Entwicklung in der City West, die nach dem Fall der Mauer mangels Investoreninteresse lange brachlag, nun deutlich Fahrt aufgenommen hat, hat auch der neue Senat erkannt. Dieser hat auf seiner Sitzung am Dienstag Vorbereitungen für ein Entwicklungskonzept beschlossen, dass die weitere Bebauung rund um den Breitscheidplatz und Bahnhof Zoo regeln soll.

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