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Gewerbeimmobilien in Berlin: Kaum geplant, schon verkauft

2016 wurden in Berlin Hotels, Büros und Einkaufscenter für 4,9 Milliarden Euro gehandelt. Der Markt ist wie leergefegt.

Cube Berlin in der Europacity

Cube Berlin in der Europacity

Foto: CA Immo

"Es gibt Angebote, die man nicht ablehnen kann", sagt Markus Diekow, Sprecher des Immobilienunternehmens CA Immo. Gemeint ist der Verkauf von "The Cube", einem Bürogebäude am Berliner Hauptbahnhof, dessen Bau gerade erst begonnen hat. Auch, wenn Diekow nicht verraten will, wie viel der Käufer, die TH Real Estate mit ihrem European Cities Fund für das Projekt gezahlt hat, zeigt der erste in diesem Jahr bekannt gewordene Großdeal im dreistelligen Millionenbereich, wie leergefegt der Markt für Berliner Gewerbeimmobilien ist. Noch kurz vor Weihnachten hatte die CA Immo betont, man wolle das Prestige-Bauvorhaben am Washingtonplatz unbedingt im Portfolio halten.

Dass Anleger bereits nach Projekten greifen, die erst im Laufe des Jahres 2019 fertiggestellt werden sollen und noch nicht einmal über einen Mieter verfügen, sei durchaus eine neue Entwicklung, die dem "Mangel an verfügbaren Produkten" geschuldet sei, so Ulf Buhlemann, Investment-Chef bei Colliers International Berlin. "Offenbar ist der Käufer überzeugt, dass das Vermietungsrisiko äußerst gering ist – zu recht", ist auch der Experte überzeugt. Nach Angaben von Colliers wurden 2016 am gewerblichen Investmentmarkt in der Bundeshauptstadt 4,9 Milliarden Euro gehandelt.

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Größte Einzeltransaktion: Die Treptowers

Damit bleibt Berlin weit hinter den Rekordwerten zurück, die im Vorjahr erzielt wurden. 2015 wechselten Gewerbeimmobilien wie Hotels, Einkaufscenter und Büros im Gesamtwert von 8,1 Milliarden Euro den Besitzer. Allerdings, so Buhlemann, sei auch nicht zu erwarten gewesen, dass dieses Rekordvolumen wiederholt werden könnte. Denn 2015 brachte es allein der Verkauf des Quartiers Potsdamer Platz auf rund 1,3 Milliarden Euro. Der größte Verkaufsabschluss im vergangenen Jahr brachte es dagegen "nur" auf 430 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr wurde das 125 Meter hohe Park Inn Hotel am Alexanderplatz nebst anliegender bebaubarer Grundstücksfläche für 430 Millionen Euro an FDM Management verkauft. Auf Platz zwei folgt mit 230 Millionen Euro der Kauf der US-amerikanischen Blackstone Group, die das Bürogebäude Treptowers an der Spree im Ortsteil Treptow erworben hat.

Für das im Vergleich zum Vorjahr schlechte Abschneiden Berlins – im deutschlandweiten Vergleich landete die Hauptstadt an dritter Stelle hinter München (6,86 Milliarden Euro) und knapp hinter Hamburg (4,91 Milliarden Euro) – hätte aber auch die Tatsache geführt, dass in diesem Jahr mehrere Abschlüsse sich bis ins Jahr 2017 verzögert hätten. "Eine ganze Reihe sehr großvolumiger Transaktionen befinden sich in der Pipeline, unter anderem die bereits in 2016 zu erwartenden Verkäufe des Zalando-Hauptquartiers an der Mercedes Arena in Friedrichshain und des Allianz Campus Berlin in Adlershof", begründet Robert-Christian Gierth, geschäftsführender Gesellschafter bei Colliers International Berlin. Daher rechne man für das Jahr 2017 mit einem steigenden Transaktionsvolumen von bis zu sechs Milliarden Euro. Jedoch sei auch 2016 der Investmentmarkt mit mehr als 130 Gewerbeobjekten und Grundstücken, die bis zum Jahresende ihren Besitzer wechselten, als durchaus gutes Jahr zu werten, so Robert-Christian Gierth weiter. Letztlich liege das 2016 erreichte Umsatzvolumen deutlich über dem langjährigen Mittelwert.

Büroimmobilien bleiben Lieblinge der Anleger

Büroimmobilien blieben dabei auch 2016 die beliebteste Anlageklasse. Sie vereinigten ein Volumen von knapp drei Milliarden Euro und damit einen seit Jahren stabilen Marktanteil von 60 Prozent auf sich. Einzelhandelsobjekte brachten es mit 760 Millionen Euro Transaktionsvolumen auf einen Marktanteil von 16 Prozent. Hotels wechselten mit einem Volumen von rund 600 Millionen Euro den Besitzer – das entspricht einem Anteil von zwölf Prozent.

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