Kitas

Senatorin will Erzieher zum Mangelberuf erklären lassen

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Andreas Abel, Regina Köhler

Foto: skynesher / Getty Images

Sandra Scheeres (SPD) startet auf Bundesebene eine Initiative. In Berlin fehlen laut Gewerkschaft geschätzt 1000 Erzieher.

Berlin.  Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat dem Erziehermangel den Kampf angesagt. Sie will sich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass der Erzieherberuf zum Mangelberuf erklärt wird. Noch in diesem Monat will sie ihre Forderung in einem Schreiben an den Präsidenten der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, zum Ausdruck bringen. Der Berliner Morgenpost sagte sie: „Ich werde eine Initiative starten. Wir bauen in ganz Deutschland die Kitaplätze aus und verbessern die Betreuung, insbesondere auch in Berlin. Dafür brauchen wir gut ausgebildete Fachkräfte.“

Bremens Bildungsministerin Claudia Bogedan (SPD) hat Scheeres bereits auf ihrer Seite. Sie unterstützt die Forderung, den Erzieherberuf zum Mangelberuf zu erklären. Ihre Sprecherin Miriam Schmidt sagte der Berliner Morgenpost, dass man in Bremen bis zum Jahr 2020 rund 700 Erzieherinnen brauche. Geplant sei, bis dahin 55 neue Kitas zu bauen. Auch für die Ganztagsbetreuung an Schulen würden Erzieher gebraucht.

Kommentar: Wir brauchen mehr Erzieher in Berlin

Christiane Weißhoff von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt Scheeres’ Initiative. Weißhoff schätzt, dass in Berlin 1000 Erzieher fehlen. Es gebe darüber zwar keine offizielle Statistik, doch allein in den städtischen Kita-Eigenbetrieben werde der aktuelle Bedarf auf mindestens 200 bis 250 Kräfte geschätzt, sagte sie der Berliner Morgenpost.

30.000 neue Kitaplätze bis 2020

Sandra Scheeres betonte indes, dass es zwar gegenwärtig genügend Erzieher gebe, mittelfristig aber ein großer Bedarf bestehe. So will sie bis zum Jahr 2020 rund 30.000 neue Kitaplätze schaffen und den Personalschlüssel bei der Betreuung der Kinder unter drei Jahren verbessern.

Ihren Vorstoß begründete Scheeres vor allem damit, dass Fördermaßnahmen besser finanziert werden könnten, wenn der Erzieherberuf zum Mangelberuf erklärt wird. Dazu gehöre zum Beispiel die Finanzierung der dreijährigen Ausbildung für Quereinsteiger durch die Regionaldirektionen der Bundesagentur für Arbeit. „Letztendlich könnten die Bundesländer auch über diesen Weg leichter die notwendigen Fachkräfte ausbilden“, sagte Scheeres. Außerdem könnte der Beruf dann auf die sogenannte Positivliste genommen werden. Das würde die Einstellung ausländischer Fachkräfte erleichtern.

Abwanderung von Erziehern in andere Bundesländer verhindern

In Berlin müssen laut Scheeres im Kita- beziehungsweise Schuljahr 2016/2017 rund 1300 Erzieher eingestellt werden. In den vergangenen Jahren seien die Ausbildungskapazitäten schon mehr als verdoppelt worden, sagte sie.

Die GEW fordert bereits seit Jahren, Erzieher als Mangelberuf auszuweisen. Das würde Berlin vor allem in die Lage versetzen, Erzieher und Erzieherinnen im öffentlichen Dienst besser zu bezahlen und eine Regelung wie bei den angestellten Lehrern einzuführen. Diese werden seit 2009 schon zu Beginn ihrer Tätigkeit in eine höhere Tarifgruppe gestellt, sagte Christiane Weißhoff. Damit ließe sich auch eine Abwanderung von ausgebildeten Erziehern in andere Bundesländer verhindern.

Auch Susanna Olie, Abteilungsleiterin der Fachschule für Sozialpädagogik an der Anna-Freud-Schule, hält Scheeres’ Vorstoß für sinnvoll. An dem Oberstufenzentrum in Charlottenburg werden auch Erzieher ausgebildet. Bundesweit fehlten allein rund 200.000 Kitaplätze für unter Dreijährige, auch in Berlin herrsche teils ein Mangel, sagt Olie.