Berlin

Nur wenige Patienten nutzen Vermittlung für Arzttermine

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Verbände und Bürgerinitiative halten neuen Service für überflüssig

Über die vor knapp einem Jahr gestartete Vermittlungsstelle für Facharzt-Termine sind bislang in Berlin rund 500 Termine pro Monat vermittelt worden. Demgegenüber stünden rund 160.000 ärztliche Behandlungen in Berlin pro Tag. „Das zeigt, dass die Überweisung an einen Facharzt weiterhin vor allem so funktioniert wie schon vorher“, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Berlin (KV) mit. Den Nutzen der gesetzlich vorgeschriebenen Stelle sieht die KV kritisch: Die Terminservicestelle sei „irrelevant“.

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) zieht nach einem Jahr eine positivere Bilanz. Die niedrige Zahl der Vermittlungen liege nicht an mangelndem Interesse. Das Angebot werde seitens der Ärzte „so gut wie nicht beworben“, teilte Sprecherin Ann Marini mit. Bei den Servicestellen bundesweit waren es in den ersten sechs Monaten insgesamt etwa 10.000 Vermittlungen pro Monat, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) berichtete. „Vor dem Hintergrund von einer Milliarde Arzt-Patientenkontakten im Jahr ist das wenig“, erklärte der KBV-Vorstandsvorsitzende, Andreas Gassen.

Die Berliner KV ergänzte, die „Wartezeitproblematik“ sei ein Scheinpro­blem. Das für das Projekt ausgegebene Geld fehle den Ärzten jetzt in der Patientenversorgung. Zum Start der Vermittlungsstelle vor einem Jahr hatte die KV die Einrichtung bereits als „Bürokratiemonster“ bezeichnet. Trotzdem sollen die Vermittlungsstellen bestehen bleiben und weiterentwickelt werden. So soll ab April 2017 zusätzlich eine Vermittlung von Terminen bei Psychotherapeuten angeboten werden, erklärte die Berliner KV.

In Berlin war die Vermittlungsstelle Ende Januar 2016 gestartet – damit wurde ein Bundesgesetz umgesetzt. Die Einrichtung soll Patienten mit Überweisung innerhalb von vier Wochen zu einem Facharzttermin verhelfen. Auch in Brandenburg wird die Vermittlungsstelle bislang nur mäßig genutzt. Zwar funktioniert der Service reibungslos, wie der Betreiber, die Kassenärztliche Vereinigung im Land (KVBB), mitteilt, das Anrufverhalten bewegte sich aber auf einem überschaubaren Niveau. „Die Stelle hat im vergangenen Jahr 2260 Termine erfolgreich vermittelt“, informierte KVBB-Sprecher Christian Wehry. Bei 1380 Anrufern habe die notwendige Voraussetzung für eine Vermittlung gefehlt. Den bearbeiteten Anrufen standen Wehry zufolge rund zehn Millionen fachärztliche Behandlungsfälle im Jahr gegenüber. Patienten in Brandenburg erhielten in den allermeisten Fällen selbstständig einen Facharzttermin – und das bei dem Arzt ihrer Wahl, zu einer passenden Zeit und wohnortnah.

Facharzt-Termine verfallen häufig ungenutzt

Der Verband der Ersatzkassen (VDEK) sieht kein ernsthaftes Versorgungspro­blem im Land – von Einzelfällen abgesehen. Ein größeres Problem sehe der VDEK darin, dass einzelne über den Service vermittelte Facharzttermine ungenutzt verfielen. „Manchmal ist es dann doch nicht so dringend“, sagt die Sprecherin. Schuld daran seien lange Wege zum Mediziner, besonders auf dem Land. „Wenn der Facharzt in der Nähe plötzlich eine Woche später einen Termin frei hat, gehen die Leute dahin“, erklärte die Sprecherin. Wenig übrig für den neuen Terminservice hat die Bürgerinitiative Gesundheit (BIG). Für die Initiative ist der Facharzt-Service lediglich „ein Scheinmarketing der Politik“, wie BIG-Präsident Wolfram-Arnim Candidus sagt. Sie helfe weder den Kassenärztlichen Vereinigungen noch den Patienten zu einer verbesserten Versorgung. Dafür müssten nämlich die Rahmenbedingungen für Mediziner, gerade in den Regionen fern von Berlin verbessert werden.

Terminservice für Fachärzte für Berliner Kassenpatienten: montags bis freitags von 10.00 bis 15.00 Uhr unter Tel. 030/31003383

( dpa )