14 Millionen Euro

Mehr Fördergeld für den Sport im Berliner Umland

Millionen-Investitionen in Sportstätten soll die Aufnahme-Wartelisten bei Vereinen im Speckgürtel rund um Berlin verkürzen.

Mehr Geld für Brandenburger Sportvereine

Mehr Geld für Brandenburger Sportvereine

Foto: Ralf Gerard / picture alliance / JOKER

Erstmals in der Geschichte der Brandenburger Sportvereine werden der Bau und die Erweiterung der Sportstätten im Speckgürtel rund um Berlin stärker gefördert als im ländlichen Teil Brandenburgs. „14 Millionen Euro Fördergeld vom Land und der EU fließen bis 2019 in das Umland“, verkündete der Vorsitzende des Landessportbundes, Andreas Gerlach, am Donnerstag in Potsdam. Das ist eine Million Euro mehr als in den anderen, weitaus größeren Landesteilen. Von den beantragten 55 Bauvorhaben im Speckgürtel wurde laut Gerlach im vorigem Jahr mit sechs begonnen.

Anmeldungsansturm auf Sportstätten im Berliner Umland

Die rot-rote Landesregierung legte in dieser Legislaturperiode ein kommunales Infrastruktur-Förderprogramm auf, das – anders als bisher – auch den Speckgürtel-Gemeinden zugute kommt. Denn die dortigen Sportstätten sind längst zu klein, angesichts des seit Jahren anhaltenden Anmeldungsansturms vor allem von sportinteressierten Kindern und Jugendlichen. Es fehlen Hallenplätze, aber auch Außensportplätze. Im Speckgürtel warten Tausende auf einen Platz im Verein.

Lange Wartelisten in Stahnsdorf

Besonders prekär ist die Situation in Stahnsdorf südwestlich von Berlin. Beim mehr als 3.200 Mitglieder zählenden „RSV Eintracht 1949“ liegen die Wartezeiten teilweise zwischen einem halben und einem Jahr. „Derzeit stehen auf der Warteliste fürs Kinderturnen etwa 200 Namen“, sagte die zuständige Übungsleiterin Tanja Bartsch auf Anfrage der Berliner Morgenpost.

Stahnsdorf profitiert von der aktuellen Sportstättenbau-Förderung. Im Frühjahr kann damit begonnen werden, die zweite Hälfte eines Funktionshauses zu bauen. Dort sollen weitere Umkleideräume, Duschen und ein Mehrzweckraum entstehen. „Der Ausbau entlastet Fußballer und Leichtathleten“, sagt Bartsch. Doch die Warteliste beim Kinderturnen werde dadurch nicht kürzer. „Wir haben einfach nicht genügend Platz in den Hallen.“

Auch Andreas Gerlach, der Vorsitzende des Landessportbundes, dämpft die Erwartungen: „Die Situation in den Sportvereinen im Speckgürtel wird sich mit der verstärkten Förderung der Bauvorhaben so schnell nicht ändern.“ Offenbar ist der Nachholbedarf bei der Infrastruktur weitaus größer.

Auch Geflüchtete können das Problem nicht lösen

Die Entwicklung stellt sich höchst unterschiedlich dar: Anders als um das boomende Berlin herum kämpfen auf dem Land in Brandenburg viele Sportvereine darum, genügend Mitglieder für Fußballmannschaften zusammenzubekommen, wie Vorstandsmitglied Robert Busch sagte. „Zwar spielen in vielen Vereinen geflüchtete Jugendliche mit, doch das Nachwuchsproblem auf dem Land lösen sie nicht.“

Insgesamt aber steigt das Interesse am Vereinssport, und das kontinuierlich. Die Mitgliederzahl des Landessportbundes Brandenburg hat den Angaben zufolge 2016 einen neuen Bestwert erreicht. Anfang 2016 waren 332.303 Mitglieder gemeldet. Damit sei die Zahl der Menschen, die in einem der 3.002 Brandenburger Sportvereine aktiv sind, um 4.759 gestiegen. Aktuellere Zahlen liegen laut Landessportbund noch nicht vor.

2016 gehörten 13 Prozent der Brandenburger einem Sportverein an

Demnach gehörten im vergangenen Jahr 13,52 Prozent aller Brandenburger einem Sportverein an. Im Bundesvergleich ist das nicht viel. Dort liegt die Quote bei rund 30 Prozent. Die Mitgliederzuwächse verteilen sich auf fast alle Altersklassen. Das Interesse wächst vor allem bei den Sieben- bis 14-Jährigen und bei der älteren Generation ab 50 Jahre.

Jeder siebte Brandenburger ist im Sportverein

Die meisten Mitglieder werden erneut in Potsdam und im Kreis Potsdam-Mittelmark gezählt. Die Sportvereine dort meldeten auch die größten Zuläufe. Der Landkreis Oberhavel landete in dem Ranking auf Platz drei. Brandenburgs größte Fachverbände bleiben der Fußball-Landesverband mit 79.315 Mitgliedern, der Märkische Turnerbund Brandenburg (19.881) sowie der Behinderten-Sportverband Brandenburg (15.517). Von allen 55 Verbänden erzielte er auch das größte Mitgliederplus. Der Staatssekretär im Brandenburger Sportministerium, Thomas Drescher, hob die zahlreichen Kooperationen zwischen den Sportvereinen, Schulen und Kitas hervor. Es gebe immer mehr sogenannte Bewegungs-Kitas und eine eigene Kita-Olympiade.

Brandenburg hat als eines von wenigen Ländern das Bundes-Freiwilligen-Jahr auch für Geflüchtete geöffnet. Derzeit betreuen 17 anerkannte Flüchtlinge von 123 Freiwilligen Sportprojekte in Brandenburg.