Anschlag Breitscheidplatz

Berlin-Attentäter Amri nutzte mindestens 14 Identitäten

Laut Polizei nutzte Anis Amri in Deutschland mindestens 14 Alias-Personalien und ließ sich immer wieder mit neuen Namen registrieren.

Der mutmaßliche Attentäter von Berlin, Anis Amri, hatte sich mehrere Scheinidentitäten zugelegt.

Der mutmaßliche Attentäter von Berlin, Anis Amri, hatte sich mehrere Scheinidentitäten zugelegt.

Foto: - / dpa

Der Berlin-Attentäter Anis Amri hat nach Erkenntnissen der Polizei in Deutschland mindestens 14 Alias-Personalien genutzt. Amri habe sich immer wieder mit neuen Namen in verschiedenen Städten registrieren lassen, sagte NRW-Landeskriminaldirektor Dieter Schürmann am Donnerstag vor dem Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags: "Er verhielt sich konspirativ und nutzte verschiedene Personalien."

Mit der Nutzung verschiedener Identitäten ist Amri nicht allein. Dem pakistanischen Journalisten Shams ul-Haq benutzte in Undercover-Recherchen, bei denen er sich als Flüchtling ausgab, mindestens zehn verschiedene Identitäten in 35 verschiedenen Flüchtlingsunterkünften. Das Interview mit dem Journalisten lesen Sie hier.

Im Februar 2016 sei der im Sommer 2015 in Deutschland eingetroffene Amri auf Initiative des Landeskriminalamts NRW erstmals als Gefährder eingestuft worden. Ab März 2016 sei er dann in Berlin als Gefährder eingestuft worden. Amri sei allein sieben Mal Thema im Terror-Abwehrzentrum von Bund und Ländern gewesen. Es sei aber immer wieder Konsens gewesen, dass von Amri offenbar keine konkrete Gefährdung ausgehe.

Amri mit falschen Dokumenten und Drogen aufgegriffen

Die Polizei habe wiederholt versucht, Verfahren gegen Amri in die Wege zu leiten, sagte Schürmann weiter. Dies sei etwa im April 2016 der Fall gewesen, als festgestellt worden sei, dass Amri in verschiedenen Kommunen staatliche Leistungen kassiert habe. Die zuständige Staatsanwaltschaft habe dies aber abgelehnt. Auch sei Amri mit falschen Dokumenten und Betäubungsmitteln aufgegriffen worden. Zudem habe es Versuche gegeben, in Berlin ein Verfahren unter dem Verdacht von Plänen für einen Überfall einzuleiten. Amri sei dabei auch Ziel "verdeckter Maßnahmen" gewesen, seine Telekommunikation sei zudem über sechs Monate abgehört worden.

Amri war am Abend des 19. Dezember mit einem Lkw in den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gefahren und hatte zwölf Menschen getötet. Er wurde kurz vor Weihnachten in Italien bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet.

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