Solarstrom

Stadtwerke wollen Berliner an der Energiewende beteiligen

Berlins Stadtwerk produziert saubere Energie für 20.000 Haushalte und nutzt vor allem öffentliche Gebäude.

Solaranlage auf dem Dach der SPD-Zentrale in Berlin

Solaranlage auf dem Dach der SPD-Zentrale in Berlin

Foto: Getty Images / Bloomberg/Getty Images

Ungeachtet der rechtlichen Rahmenbedingungen und der bislang noch geltenden Beschränkungen hat das Berliner Stadtwerk seine Anlagen zur eigenen Produktion von Öko-Strom stark ausgebaut. Bisher darf das Stadtwerk nur selbst hergestellte Energie an Kunden verkaufen. Diese Einschränkung will die rot-rot-grüne Koalition schnell aufheben, um dem Stadtwerk Wachstum und Kundenpräsenz zu ermöglichen.

Derzeit betreibt das Stadtwerk bereits 33 Photovoltaik-Anlagen, 22 weitere sind in zehn Projekten im Bau, darunter auf allen sechs Haftanstalten und dem Friedrichstadt-Palast. „In Berlin gibt es noch viele ungenutzte Potenziale für die Gewinnung regenerativer Energien“, sagt Stadtwerke-Chef Andreas Irmer. Rot-Rot-Grün hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2018 alle Dächer öffentlicher Gebäude auf Nutzbarkeit für Solaranlagen zu prüfen. Außerdem beteiligt sich das Stadtwerk an Windanlagen. Aktuell können die Stadtwerke 20.000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgen, allerdings verfügt der landeseigene Stromanbieter erst über 2.200 Kunden.

30 Prozent Strom vom eigenen Dach

500 davon hat das Stadtwerk über sogenannte Mieterstrom-Modelle gewonnen. Hier kooperiert das Stadtwerk mit landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, die die Anlagen auf ihren Dächern errichten lassen. Im Gegenzug können die Mieter von dem selbst produzierten Strom profitieren. Mieter der Wohnanlagen, die zum Stadtwerk wechseln, erhalten dann rund 30 Prozent ihres Stroms direkt vom eigenen Dach, den restlichen Strombedarf kauft das Stadtwerk am Markt ein. Im Koalitionsvertrag sind zehn Millionen Euro für Bürgschaften zur Finanzierung von Mieterstrommodellen zugesagt.

Derzeit entstehen in Zusammenarbeit mit den Wohnungsbaugesellschaften vier weitere Solaranlagen. Eine weitere Anlage auf einem privaten Mietshaus in der Steglitzer Sedanstraße hat gerade den Betrieb aufgenommen. Kooperationen laufen bereits mit der Gesobau, Stadt & Land, Howoge und der Gewobag, außerdem arbeitet das Stadtwerk mit dem Berliner Immobilienmanagement (BIM) und den Berliner Stadtgütern zusammen.

Wie grün ist die Nutzung von Solarstrom?

Bürger sollen sich an der Energiewende beteiligen

Das Stromangebot des Stadtwerkes soll in diesem Jahr auch auf andere Hausbesitzer ausgeweitet werden. „Wir werden Modelle vorstellen, mit denen sich die Berliner Bürger an der Energiewende beteiligen können“, sagt Irmer. Hausbesitzer sollen dann auch Solaranlagen vom Stadtwerk kaufen oder mieten können.

Um auf dem hart umkämpften Markt der erneuerbaren Energien bestehen zu können, experimentiert das Stadtwerk auch mit innovativen Ideen. Derzeit entsteht in Spandau in Zusammenarbeit mit der Gewobag eine sogenannte Windrail-Anlage, bei der die Gewinnung von Strom aus Sonne und Wind gleichzeitig erfolgt.

Um die Produktion von grünem Strom aus Berlin auszuweiten, sind in den kommenden Monaten weitere Windparks auf Flächen der Berliner Stadtgüter geplant.

Die neue rot-rot-grüne Landesregierung hat sich auf einen deutlichen Ausbau des Stadtwerkes verständigt, das ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien herstellt. Das Stadtwerk ist derzeit den Berliner Wasserbetrieben angegliedert. Das soll nach den Vorstellung der neuen Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) auch so bleiben. Möglich ist, dass das Land die Anteile an der Berliner Energieagentur erwirbt, die ebenfalls Modelle der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien anbietet, und dem Stadtwerk angliedert.

Warten auf Entscheidung über Stromnetz-Betreiber

Zum ebenfalls in der Koalitionsvereinbarung genannten Wunsch, die Berliner Energieagentur zu kaufen und damit Know-how und einen Grundstock von Energieprojekten für das Stadtwerk zu erhalten, wollen die Koalitionspolitiker sich noch nicht äußern. Vattenfall und die vom schwedischen Energiekonzern indirekt kontrollierte Gasag müssten dafür ihre Anteile an das Land abgeben. Vattenfall-Manager haben grundsätzliche Bereitschaft erkennen lassen.

Allerdings sind Verhandlungen erst möglich, wenn die Konzessionsvergabe für den Betrieb des Berliner Stromnetzes geklärt ist. Hier steht Vattenfall im Wettbewerb mit dem Landesbetrieb Berlin Energie und der Genossenschaft Bürgerenergie. Sollte Vattenfall verlieren, ist mit einer Klage zu rechnen. Ebenso hatte es die Gasag gehalten, als sie im Rennen um den Betrieb des Gasnetzes gegen Berlin Energie unterlegen war. Der Fall liegt vor Gericht.

Die Vergabeentscheidung für das Stromnetz hat sich bereits mehrfach verzögert. Zunächst hieß es, es könnte noch vor Weihnachten eine Entscheidung geben. Inzwischen ist von Februar die Rede. Das liege an Änderungen am Energiewirtschaftsgesetz, die gerade auf der Bundesebene diskutiert würden.

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