Straftaten

Brandanschläge auf Autos in Berlin fast verdoppelt

Bis Ende Dezember wurden 355 Kraftfahrzeuge in Brand gesteckt. Jede dritte Tat erfolgte laut Polizei aus politischen Gründen.

Im vergangenen Jahr wurden 2016 fast doppelt so viele Kraftfahrzeuge angezündet wie 2015

Im vergangenen Jahr wurden 2016 fast doppelt so viele Kraftfahrzeuge angezündet wie 2015

Foto: Thomas Peise

Berlin.  Die Zahl angezündeter Fahrzeuge in Berlin hat sich im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Wie die Polizei am Dienstag auf Anfrage der Berliner Morgenpost bestätigte, sind bis Ende Dezember stadtweit 355 Kraftfahrzeuge – zumeist handelte es sich um Pkw – in Brand gesteckt worden. Doch der Schaden ist noch größer, weil die Flammen oft auf in der Nähe stehende Autos übergriffen. Somit brannten insgesamt 531 Fahrzeuge aus oder wurden zumindest stark beschädigt. 2015 wurden bei 182 Taten 270 Fahrzeuge beschädigt.

Die Kriminalpolizei geht nach ihren bisherigen Ermittlungen davon aus, dass 116 Kraftfahrzeuge aus politischen Motiven heraus angezündet worden sind. Zumeist werden die Brandstiftungen Tätern aus dem linken Spektrum zugeschrieben. Allerdings gingen auch 14 Taten nach den Untersuchungsergebnissen auf die Konten rechtsextremistischer Täter.

„Wer ein Fahrzeug anzündet, begeht eine schwere Straftat, die nichts mit politischer Meinungsäußerung zu tun hat. Es kann jederzeit passieren, dass eine alleinerziehende Krankenhelferin morgens aus ihrem Wohnhaus irgendwo in der Stadt tritt und ihren ausgebrannten VW Polo bewundern darf“, sagte am Dienstag Detlef Herrmann, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Er fordert eine Reaktion auf politischer Ebene. Die Taten sollten als Angriff auf die Demokratie bewertet und entsprechend verurteilt werden. Niemand dürfe „derartig gefährliche Eingriffe in unser Zusammenleben als legitime Antwort auf different bewertete Polizeieinsätze ansehen“, sagte Herrmann.

Als Reaktion auf Einsätze in der Rigaer Straße war im Internet vermehrt mit brennenden Fahrzeugen gedroht worden. Nach der Polizeistatistik liegt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mit 37 Brandstiftungen aus politischen und der gleichen Anzahl aus anderen Gründen bei den Taten an der Spitze. „Die erhöhte Zahl zeigt, dass Brandanschläge auf Autos offensichtlich besonders in politisch aufgeladenen Zeiten Konjunktur haben. Der Senat muss die Polizeipräsenz stadtweit erhöhen. Er darf den Tätern, die vor allem im Zentrum aktiv sind, keine Chance geben, auf die Außenbezirke auszuweichen“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Steffel. Im vergangenen Jahr hat die Kripo nur 37 Verdächtige zu Fahrzeugbrandstiftungen ermittelt, bei drei von ihnen werden politische Motive vermutet.