Berlin

Elf Notfallpraxen sollen Wartezeit für Patienten verkürzen

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Andreas Abel, Christine Richter
Ärzte im Berliner Vivantes-Humboldt-Klinikum

Ärzte im Berliner Vivantes-Humboldt-Klinikum

Foto: Gregor Fischer / dpa

Entlastung für Rettungsstellen in Berlin: Der Senat will Krankenhäuser stärker für ambulante Versorgung öffnen.

Berlin.  Die Rettungsstellen an Berliner Krankenhäusern sollen deutlich entlastet werden. Die neue Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) will deshalb zusätzliche Notfallpraxen an den Kliniken einrichten. Dort sollen Patienten, die ohne dringenden Behandlungsbedarf die Rettungsstellen der Kliniken aufsuchen, von Ärzten versorgt werden. Ziel ist, die Rettungsstellen zu entlasten und die Wartezeit für Patienten zu verkürzen. Bislang gibt es erst eine solche Praxis, sie eröffnete im vergangenen Juli am Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn.

Nun kommen nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin elf weitere Notfallpraxen hinzu. Beim kommunalen Krankenhausbetrieb Vivantes sind es allein fünf Praxen an den Standorten Neukölln, Friedrichshain, Am Urban (Kreuzberg), Humboldt (Reinickendorf) und Spandau. Weitere Notfallpraxen werden an den DRK-Kliniken Westend (Charlottenburg), Köpenick und Mitte, an den evangelischen Kliniken Hubertus (Steglitz-Zehlendorf) und Waldkrankenhaus Spandau sowie am St. Joseph Krankenhaus in Tempelhof installiert.

Warum die Notfallpraxen an Kliniken notwendig sind

Die ambulante Notfallversorgung der Patienten muss laut Gesetz die KV sicherstellen. Die Rettungsstellen der Krankenhäuser haben indes einen wesentlichen Anteil an der Versorgung von Notfällen. Dabei geraten sie zunehmend an die Grenze ihrer Kapazität. In den 30 Kliniken, die an der Notfallversorgung in Berlin teilnehmen, werden 1,2 Millionen Rettungsfälle pro Jahr behandelt. Laut Senatsgesundheitsverwaltung reicht aber bei bis zu 70 Prozent der in Notaufnahmen behandelten Patienten eine ambulante Versorgung aus. Die könnte meist auch durch niedergelassene Ärzte erfolgen.

Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) will die Krankenhäuser stärker für die ambulante Versorgung der Berliner öffnen. „Wir müssen mehr ambulante Angebote außerhalb der normalen Öffnungszeiten der Kassenarztpraxen schaffen – entweder in die Krankenhäuser integriert oder dort angedockt“, sagte Kolat der Berliner Morgenpost. Sie begrüßte die Einrichtung weiterer Notfallpraxen, dies sei aber nur ein erster Schritt. „Wir haben insgesamt, auf ganz Berlin bezogen, eine sehr gute Versorgung mit Arztpraxen. Es gibt aber Unterschiede zwischen einzelnen Regionen und Bezirken“, erklärte sie. Für die ambulante Versorgung geöffnete Krankenhäuser können dem ebenso entgegenwirken wie die Einrichtung medizinischer Versorgungszentren. Die rot-rot-grüne Regierungskoalition will auch diese Zentren stärker fördern.

Notfallversorgung wird besser abgestimmt

Die Notfallpraxis am Unfallkrankenhaus Berlin ist an Sonnabenden sowie an Sonn- und Feiertagen von 10.30 Uhr bis 22.30 Uhr geöffnet. In zwei Schichten ist dort jeweils ein Arzt – Internisten, Allgemeinmediziner oder Unfallchirurgen – tätig. Dort werden pro Tag bis zu 50 Patienten versorgt. Die Wartezeit betrage stets weniger als eine Stunde, oft seien es nur zehn Minuten, so das UKB. Die Ärzte werden dort von der Kassenärztlichen Vereinigung gestellt. Kliniksprecherin Angela Kijewski und Angelika Prehn, Vorstandsvorsitzende der KV Berlin, zogen eine positive Bilanz der Arbeit.

In den neuen Notfallpraxen wird ein anderes Modell verfolgt. Dort übernehmen nicht niedergelassene Ärzte die Versorgung, sondern Mediziner des jeweiligen Krankenhauses. Prehn begründete dieses Kooperationsmodell damit, dass nicht genügend Kassenärzte für zusätzliche Aufgaben zur Verfügung stünden. Die Öffnungszeiten der Praxen sind nicht einheitlich. Seite 10