Silvester in Berlin 2016

Frohes neues Jahr! So war die Party am Brandenburger Tor

Hunderttausende Besucher feiern zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule - unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Die Party im Minutenprotkoll.

„Die Familien mit Kindern, von denen sind in diesem Jahr deutlich weniger da“, sagt Barbara. Sie ist mit ihren Freundinnen bereits zum siebten Mal in Folge zur Silvesterparty am Brandenburger Tor gekommen. Insgesamt sei es deutlich leerer, pflichtet ihr Freundin Christa bei. Das Erlebte hänge bei vielen nach, meinen die Berlinerinnen. Ob es eine Option gewesen sei, nicht zur Party zu gehen? „Auf keinen Fall. Wir lassen uns das doch nicht vermiesen“, sagen die beiden Frauen mit blinkender Party-Brille auf der Nase. Dann bestellen sie den nächsten Glühwein.

Wo man das Feuerwerk in Berlin am besten sehen kann

Es ist ein anderes Silvester. Vor rund zwei Wochen erschütterte ein Terroranschlag in Berlin viele Menschen. Zwölf Menschen sterben, als ein Lkw auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche rast. Unter den Opfern sind viele Touristen.

Am Silvester sind dennoch Zehntausende aus der ganzen Welt gekommen, um am Brandenburger Tor ins neue Jahr zu feiern. Abends warten so viele Besucher an den Kontrollen, dass die Eingänge geschlossen werden.

Auch Camilla aus Kolumbien und Carla aus Peru sind dabei. Sie tragen Hawaiiketten in Schwarz-Rot-Gold. „Camilla hatte schon Angst, aber jetzt, wo wir hier sind, fühlen wir uns sehr sicher“, sagt die Studentin. Vor ein paar Stunden waren sie noch auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, der wenige Kilometer entfernt ist. All die Blumen und Kerzen zu sehen, habe sie sehr bewegt. „Ich habe den Eindruck, die Leute setzen sich sehr stark mit dem auseinander, was passiert ist. Aber jetzt blicken sie nach vorne.“

Schlager, Rituale und Kater: Mit dem Fernsehen ins neue Jahr

Die Silvesterparty am Brandenburger Tor abzusagen, kam für die Veranstalter nicht in Frage. „Daran haben wir keinen Moment gedacht“, sagt Sprecherin Anja Marx. Aber klar war: Die Sicherheitsvorkehrungen wurden nochmals erhöht. Bereits vor einem Jahr wurde das Konzept überarbeitet. Auslöser waren damals die Anschläge in Paris.

In diesem Jahr ist Berlin selbst Schauplatz des Terrors geworden. Für die Sicherheit sorgen 1700 Polizisten, Betonpoller, strenge Einlasskontrollen und gepanzerte Fahrzeuge. Polizisten mit Maschinenpistolen sind auf der Partymeile nur selten zu sehen.

Das Konzept scheint aufzugehen. „Ich spüre nicht den Hauch von Angst. Ich wurde drei, vier Mal kontrolliert. Sicherer geht es doch gar nicht“, meint Eva aus Berlin. Einen Satz hört man auf Deutschlands größter Silvesterparty immer wieder: „Treffen kann es mich überall.“ Sich zu verstecken, komme nicht in Frage, betonen vor allem die deutschen Besucher immer wieder.

Mann rief "Bombe!" - und wurde festgenommen

Auch die Polizei erlebt die Stimmung auf der Partymeile als ausgelassen. Dass mit ihr nicht zu spaßen und die Situation ernst ist, erfährt ein Besucher am eigenen Leib. Er soll „Bombe, Bombe, Bombe“ gerufen haben. Die Antwort beschreibt die Polizei kurz und knapp bei Twitter: „Festnahme & Anzeige. Er feiert nun #Welcome2017 bei uns.“

Auch wenn die Partybesucher entspannt feiern, ist der Anschlag auf der Bühne präsent. Moderator Johannes B. Kerner bedankt sich zum Start der Liveübertragung des ZDF bei den Besuchern für ihr Kommen, die damit ein „klares Signal der Gesellschaft“ setzten.

Tipps für ein sicheres Feuerwerk

Die gute Stimmung kommt auch bei den Touristen aus aller Welt an. Sabina aus Kasachstan sagt: „Es ist Silvester. Das ist die Zeit für neue Hoffnung und um nach vorne zu blicken. Was passiert ist, liegt in der Vergangenheit.“

Rund 1700 Polizisten sind auf der Partymeile entlang der Straße des 17. Juni im Einsatz, dazu kommen 700 Helfer. Nach den sexuellen Übergriffen in Köln in der Silvesternacht 2015 rät die Polizei dazu, bei unwillkommenen Annäherungen und Berührungen Umstehende oder Sicherheitsdienste sofort um Hilfe zu bitten.