Minderjährige Ehepartner

Kinderehen gibt es in Berlin offiziell fast nie

Im Jahr 2015 wurden offiziell nur drei Ehen mit 17-jährigen Ehepartnern registriert, zwei der Verbindungen wurden zuvor im Ausland geschlossen.

In Berlin wurden im Jahr 2015 nur drei Fälle mit 17-jährigen Bräuten registriert

In Berlin wurden im Jahr 2015 nur drei Fälle mit 17-jährigen Bräuten registriert

Foto: picture alliance/AP Images

Die Aufregung ist meist groß, wenn in Politik und Öffentlichkeit über Kinderehen gestritten wird. Im Fokus stehen dabei meist junge Migranten aus islamischen Ländern, wo gerade Frauen vielfach schon lange vor ihrer Volljährigkeit verheiratet werden. SPD und CDU auf der Bundesebene sind geneigt, Eheschließungen von unter 18-Jährigen grundsätzlich zu verbieten.

Tatsächlich jedoch ist das Phänomen zumindest in den offiziellen Standesämtern in Berlin und anderswo stark auf dem Rückzug. Bundesweit gab es im Jahr 2000 noch 1.073 Eheschließungen unter Minderjährigen. 2015 wurden nur noch 92 Hochzeiten von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren regis­triert.

Kinderehen in Berlin

In Berlin ist dieser Trend ebenfalls zu verzeichnen. Im Jahr 2015 wurden nur noch drei Ehen mit unter 18-jährigen Ehepartnern in Berlin registriert, zwei der Verbindungen waren bereits zuvor im Ausland geschlossen worden. Die Frauen waren jeweils 17 Jahre alt. Das teilte Innen-Staatssekretär Christian Gaebler jetzt auf eine Anfrage der AfD mit.

Auch im Jahr zuvor gab es drei Ehen, bei denen die Bräute 17 Jahre alt waren, zwei waren schon im Ausland verheiratet worden. Insgesamt gaben sich im Jahr 2014 in den Berliner Standesämtern 13.373 Paare das Jawort. Seit 2011 haben die Berliner Behörden nach Angaben Gaeblers 38 Ehen erfasst, bei denen zumindest ein Partner noch nicht volljährig war. 2011 waren es noch 13. Die jüngsten Bräute waren 16 Jahre alt, in drei Fällen waren die Bräutigame erst 17. Die Frauen hatten libanesische und türkische, aber auch indonesische, serbische und marokkanische Staatsbürgerschaften. Die drei Männer waren Türken. Andere waren auch Deutsche, wobei ein möglicher Migrationshintergrund nicht vermerkt wird.

Über die Zahl der tatsächlich in Deutschland bestehenden Ehen mit Minderjährigen kann die Innenbehörde jedoch nichts sagen. Sie erfasst nur diejenigen Paare, die sich hierzulande trauen lassen oder ihre Ehe zur Nachbeurkundung einem Berliner Standesamt vorlegen. Der Staatssekretär weist aber darauf hin, dass auch „Handschuhehen“, bei denen der minderjährige Partner bei der Trauung gar nicht zugegen war, im deutschen Recht anerkannt werden. Auch wenn man wisse, dass in islamischen Rechtsordnungen in der Regel von einer „wesentlich früheren Ehemündigkeit“ ausgegangen werde als das in Deutschland üblich sei.

In zwei Fällen wurde die Verbindung aufgehoben

Um eine Ehe in Deutschland anzuerkennen, müssen die Partner zum Zeitpunkt der Heirat mindestens 15 Jahre alt gewesen sein. Seit 1998 sei in zwei Fällen eine Kinderehe auf Antrag der bezirklichen Behörden aufgehoben worden.

Der AfD-Abgeordnete Gottfried Curio wollte vom Senat auch Zahlen zur Polygamie erfahren. Dem Senat liegen jedoch keine Erkenntnisse über Familien mit mehreren Ehefrauen in Berlin vor. In einem Fall wird aber eine Hinterbliebenenrente an eine Witwe geleistet, deren Mann mehrere Frauen hatte.

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