Konzert-Tipp

In ihrer eigenen Liga

Im Bi Nuu geben sich die Fackelträger klassischen Pops mit 60er-Einschlag zum Jahresausklang die Ehre.

Lässig herumhängen vor Plattenläden: Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen

Lässig herumhängen vor Plattenläden: Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen

Foto: Martin Morris

„Noch nicht einmal 38/ und ich fühle mich ein bisschen verbraucht“, meldete Sänger Carsten Friedrichs bereits im Jahr 2008. Kein Wunder: Der Mann schont sich nicht. Schon gar nicht live. Als Frontmann der Pop-Combo „Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen“ ist er meist strahlendes, mit fortschreitender Konzertdauer aber vor allem: am Rand der Totalerschöpfung Vollgas gebendes Beispiel dafür, wie man unscheinbare Veranstaltungssäle in Beatschuppen, Soul-Tavernen und Tummelplätze geselligen Überschwangs verwandelt.

Von Motown bis Madness

Vor allem in Hamburg angesiedelt, transportieren die Fünf alle Qualitäten, die man mit dortiger Unterhaltungsmusik verbindet. Kesse Reime, selbstironische Betrachtungen über hanseatische Gutbürgerlichkeit (Textprobe: „Begrabt mich/ bei Planten un Blomen“) sowie eine fanatische Treue zu den Granden handgemachten Pops, von den Motown-Komponisten bis zu Madness, Kevin Rowland und Paul Weller. Weiteres Beispiel ihres Traditionsbewusstseins: Ihr jüngstes Album brachten sie in Kleinstauflage auch als Musikkassette heraus.

2016 stand nicht gerade für gute Nachrichten aus der Musikwelt. Der Auftritt der Gentlemen zum Jahressende zeigt aber, dass der Sound der Klassiker immer weiter leben wird. Und das versöhnt vielleicht ein wenig.

Am Donnerstag im Bi Nuu, 16,80 Euro