Umzug

Flüchtlinge räumen vier Turnhallen in Berlin

Weitere Flüchtlinge ziehen aus Turnhallen in andere Unterkünfte. Bis sie wieder für den Schulsport nutzbar sind, vergehen noch Monate.

Umzug: Viele Flüchtlinge konnten in den vergangenen Tagen die Notunterkünfte in Turnhallen verlassen

Umzug: Viele Flüchtlinge konnten in den vergangenen Tagen die Notunterkünfte in Turnhallen verlassen

Foto: DAVIDS/Boillot / DAVIDS

Umzugshektik an der Werner-Ruhemann-Halle in Schmargendorf. Endlich, dürften viele der nun ehemaligen Bewohner der Notunterkunft an der Forckenbeckstraße denken. Seit einem Jahr lebten dort Geflüchtete auf dem Hockeyfeld, 137 waren es zuletzt. Doppelstockbetten, Bettlaken waren das einzige Mittel, um sich ein wenig Privatsphäre zu schaffen. Die Heizung streikte. Bettwanzen grassierten.

Endlich, dachte auch der Sozial- und Gesundheitsstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Carsten Engelmann (CDU). Denn die Unterkunft an der Heerstraße, in die die Flüchtlinge am Freitag umziehen konnten, stand schon seit Mai bereit. Das komplizierte Vergabeverfahren habe aber die zügige Räumung der Notunterkünfte gebremst. „Wir sind froh, dass es mit dem neuen Senat so schnell ging“, sagt Engelmann.

Berliner Turnhallen werden geräumt

Man habe sich mit der neuen Sozialsenatorin Elke Breitenbach von den Linken gleich nach ihrem Amtsantritt zusammengesetzt. Sie habe dann sofort gehandelt. Trotz des Widerstandes in der Verwaltung. Der gründete laut Engelmann vor allem darauf, dass es bislang für die neue Unterkunft keinen Sicherheitsbescheid gäbe. Auch keinen schriftlichen Vertrag.

Dennoch können nun insgesamt 420 Menschen die Gemeinschaftsunterkunft beziehen. 350 wechseln bereits in diesen Tagen aus Notunterkünften an der Wiesenstraße, an der Gürtelstraße sowie aus einer Turnhalle an der Prinzregentenstraße. Alle neuen Bewohner sind als Flüchtlinge anerkannt. Ein Stockwerk ist für Familien reserviert. Die restlichen Zimmer beziehen allein reisende Männer.

Brandenburg wartet weiter auf Flüchtlinge aus Berlin

Bis die Turnhalle an der Forckenbeckstraße wieder für Sport genutzt werden kann, dürften noch Monate vergehen. Im Januar will der Bezirk sie übernehmen. Dann wird entschieden, was saniert werden muss. Bisher seien 900 Flüchtlinge aus Turnhallen in neue Unterkünfte umgezogen, teilte die Senatsverwaltung am Freitag im RBB-Inforadio mit. Damit seien zehn Turnhallen wieder frei und könnten wieder für ihre eigentliche Bestimmung hergerichtet werden. Nach Angaben von Mitte Dezember lebten seinerzeit noch 2800 Flüchtlinge in 38 Sporthallen.

Auf einen bestimmten Termin für die Räumung der restlichen Turnhallen für Flüchtlinge wollte sich Breitenbach nicht festlegen. „Wenn der Plan stimmt, müssten bis Ende März alle Unterkünfte fertig sein.“ Sie hoffe aber, dass es früher sein werde.

Interaktiv: So leben Flüchtlinge in Berlin

Trotz der weiterhin angespannten Lage hat Berlin bislang kaum die Möglichkeit genutzt, Flüchtlinge auch in Brandenburg unterzubringen. Nach Angaben des Potsdamer Innenministeriums vom Freitag waren in der Erstaufnahme-Außenstelle Wünsdorf im Landkreis Teltow-Fläming am Freitag erst 64 Asylsuchende aus Berlin. Brandenburg hatte sich bereit erklärt, bis zu 1000 Flüchtlinge aus Berlin zu übernehmen.

Aus Berliner Sicht ist der Kreis der Flüchtlinge, die Brandenburg übernehmen möchte, zu eng gefasst. Grundsätzlich hatten sich beide Seiten Ende November geeinigt, diesen Kreis deshalb weiter zu fassen. Das sei aber bislang nicht umgesetzt worden, weil man noch auf einen neuen Vertragsentwurf aus Berlin warte, hieß es im Potsdamer Ministerium.