Prozess in Berlin

Sex-Überfälle auf Frauen in Berlin: Angeklagter gesteht

Der 26-Jährige attackierte die jungen Frauen vor allem in Steglitz. Vor Gericht sagt er: „Ich wollte Sex."

Das Landgericht Berlin

Das Landgericht Berlin

Foto: dpa

Arif M. gibt vor, der Alkohol sei Schuld. Der Angeklagte sagt das am Donnerstag vor einer Moabiter Strafkammer nicht so direkt. Aber er erwähnt mehrfach, dass er reichlich getrunken und auch gekifft habe. Bei seiner ersten Tat will er angeblich sogar sturzbetrunken gewesen sein.

Der 26-Jährige ist angeklagt wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung und Körperverletzung. Er hat in der Zeit vom 29. April bis zum 25. Juli dieses Jahres vor allem im Stadtteil Steglitz sechs zwischen 19 und 25 Jahre alte Frauen sexuell massiv bedrängt. Er kannte keine von ihnen. Es waren alles Zufallsopfer.

Gleich die Erste hatte er vergewaltigt. Eine Französin, die in der Nacht zum 29. April zu ihrem Hotel unterwegs war. Er hatte zunächst versucht, mit ihr zu flirten und ihr etwas aus seiner Bierflasche angeboten. Als sie ihn abwies, hatte er sie umklammert, auf den Boden gezogen, sie gewaltsam entkleidet und vergewaltigt. Die Frau habe sich nicht gewehrt und auch nicht ,nein‘ gesagt, gibt der 26-Jährige zu Protokoll und schlussfolgert: „Da bin ich davon ausgegangen, dass sie es wollte.“

Deal im Gericht: Geringe Strafe gegen Geständnis

Erst danach sei ihm klar geworden, dass er sich irrte. Als er sie gefragt habe, ob sie jetzt „böse“ auf ihn sei und sie das energisch bejaht habe. Er habe sich dann sogar noch bei ihr entschuldigt, was die Französin bei ihrer Aussage bei der Polizei bestätigt hat. Erst als die Frau so reagiert habe, sei ihm angeblich „richtig klar geworden, „dass ich einen Fehler gemacht habe“, sagt der 26-jährige Angeklagte.

Das hielt ihn jedoch nicht ab, es noch fünf Mal bei anderen Frauen zu versuchen. Jedesmal auf der Straße und zu später Stunde. Jedesmal erzählte er, dass er Geburtstag habe oder hatte und jemanden zum Feiern suche. In drei Fällen schrien die Frauen laut um Hilfe, als Arif M. sie zu begrapschen begann. Das trieb ihn jedesmal in die Flucht. Im Fall Nummer fünf überfiel er eine junge zierliche Frau im Fahrstuhl ihres Wohnhauses. Er betatschte sie, als sie sich wehrte, schlug er ihr mit der flachen Hand kräftig ins Gesicht, sodass sie zu Boden fiel. Anschließend floh er. Die junge Frau sitzt jetzt als Nebenklägerin in diesem Prozess. Sie wirkt erregt, als er den Überfall zugibt, sich an den Schlag ins Gesicht angeblich aber nicht mehr erinnern kann.

Der letzte Fall spielte sich in der Nacht des 25. Juli ab. Hier kam dem um Hilfe schreienden Opfer dessen Mutter zu Hilfe. Arif M. floh. Einen Tag später wurde er festgenommen. Vor Gericht hat er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gleich zu Beginn der mündlichen Verhandlung eingeräumt. Er spricht nur wenig Deutsch. Sein Verteidiger verlas eine Erklärung, die von einem Dolmetscher übersetzt wurde.

Arif M. lebte in Griechenland, dann in Österreich

Arif M. floh nach eigenen Angaben im Jahr 2005 aus Pakistan. Er lebte einige Zeit in Griechenland, dann in Österreich, dort will der schlanke Mann auch eine Freundin gehabt haben. Später kam er nach Deutschland. Hier hatte er offenbar weniger Glück bei den Frauen. „Es ist schwer, eine Freundin zu bekommen, wenn man Flüchtling ist und nichts zu bieten hat“, sagt der 26-Jährige.

Wie es zu Taten gekommen sei, möchte die Vorsitzende Richterin wissen. Arif M. erzählt, dass er bei in einem indischen Restaurant gearbeitet habe. Da sei nach der Schicht stets getrunken worden, sagt er. Und er selbst habe das auch schon vorher reichlich getan, weil er an der Bar gearbeitet habe und das nicht aufgefallen sei. Abends sei er dann zu seinem Quartier gelaufen und habe die Frauen gesehen. „Ich wollte Sex und habe sie festgehalten“, sagte er – wollte das auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin aber nur auf die vergewaltigte Französin bezogen wissen.

Was mit den anderen Frauen sei, ob er da auch Sex haben wollte, fragt der Staatsanwalt. Das will Arif M. auf Anraten seines Verteidigers nicht beantworten. Es könnte einen Deal gefährden, der zu Prozessbeginn zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung geschlossen wurde. Arif M. wurde im Falle eines umfassenden Geständnisses eine Strafe zwischen drei Jahren und drei Monaten und drei Jahren und neun Monaten in Aussicht gestellt. Dabei gehe es darum, den Frauen den Auftritt im Gericht zu ersparen, sagt die Vorsitzende Richterin.

Opfer müssen sagen, ob der Täter betrunken war

Umfassend ist Arif M.s Geständnis aber eigentlich nicht. Vor allem, was die vergewaltigte Französin betrifft, die ihn anfangs angeblich im Unklaren gelassen habe, ob sie Sex mit ihm wolle. Sie muss nun doch als Zeugin erscheinen, voraussichtlich am 2. Januar. Auch andere Opfer werden kommen müssen. Das Gericht will erfahren, ob Arif M. wirklich derart alkoholisiert gewesen sei. Ein Gutachter muss prüfen, ob Arif M. vermindert steuerungsfähig war.

Arif M. hat am ersten Verhandlungstag fast immer den Blick gesenkt. Er sagt, dass ihm das alles sehr leid tue. Er schäme sich für die Taten und sei im Nachhinein froh, dass er gefasst worden sei. Im Gefängnis sei er endlich vom Alkohol und den Drogen weggekommen.