Strafgericht

Milde Strafen für Täter nach Attacke auf schwangere Frau

Die 21-Jährige wurde in ihrer Wohnung überfallen und verprügelt, weil sie ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann hatte.

Ob sich Busfahrer Dejan M. inzwischen entschieden hat, ist ungewiss. Der 36-Jährige steht zwischen zwei Frauen, beide wollen ihn - und am Ende kam es deswegen sogar zu einem Strafprozess, in dem er selber Angeklagter war. Eine Moabiter Strafkammer verurteilte Dejan M. am Mittwoch wegen gefährlicher Körperverletzung eine Bewährungsstrafe von neun Monaten. Seine Ehefrau Marijana M. erhielt eine Strafe von zwei Jahren, auch bei der 32-jährigen wurde sie zur Bewährung ausgesetzt.

Ihr gemeinsames Opfer war die 21-jährige Romy N. (Name geändert). Sie hatte sich in den großen, kräftigen Busfahrer verliebt und will anfangs nicht gewusst haben, dass er schon verheiratet war. Auch er war ihr sehr zugetan. Sie trafen sich oft. Eine Zäsur gab es, als Romy N. schwanger wurde, Dejan M. hatte schon vier Kinder mit seiner Ehefrau. Das führte zum Konflikt.

Am 18. Juni - Romy M. war in der siebten Woche schwanger - traf sie sich gegen 11 Uhr in Wedding mit Dejan M. an einer Bushaltestelle. Er hatte angekündigt, allein zu kommen. Zu Romy N.s Überraschung kam dann aber Marijana M. hinzu. Es gab einen heftigen Streit, bei dem Dejan M. den Ermittlungen zufolge erklärte, er wolle dafür sorgen, dass Romy N. ihr Kind verliere. Er schlug sie auch. Und als die Schwangere zu Boden fiel, sollen Marijana und Dejan sie getreten haben. Aber nicht mit voller Kraft vor allem Dejan M. nicht, wie Romy N. bei ihrer Zeugenaussage vor Gericht betonte. Eher, um seiner aufgebrachten Ehefrau Konsequenz zu demonstrieren. Dejan M. ging wenig später mit Romy N. sogar noch zum Frauenarzt. Und er kümmerte sich, seitdem sie ihr Baby hat, bringt ihr Wäsche und Lebensmittel.

Der zweite Vorfall ereignete sich am Morgen des 10. Juli 2015 in der Wohnung von Romy N. in der Guineastraße in Wedding. Sie lag im Bett und schlief, als ihre Wohnungstür eingetreten wurde und drei Personen eindrangen: Marijana M., der 22-jährige Freund der Familie Dejvid N. (er wurde am Mittwoch zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt) und die 19-jährige Jasmina M. (die Nichte von Marijana M. bekam eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten). Romy N. wurde von den Frauen geschlagen, unter anderen mit einem Leuchter. Sie wurde mit einem Messer bedroht, das sie mit den Armen abwehrte. Marijana M. rasierte ihr mit einem eigens mitgebrachten elektrischen Rasierapparat eine kahle Stelle ins Haar. Bei Romy N. wurden später von einem Gerichtsmediziner Platzwunden am Kopf, Quetschwunden, und Schnittverletzungen an den Armen protokollier.

Normalerweise hätte das - vor allem im Fall von Marijana M. - für eine mehrjährige Haftstrafe ohne Bewährung gereicht. Die Richter hielten der Frau aber zugute, dass sie geständig und nicht vorbestraft war. Berücksichtigt wurde ebenso ihre Biografie: Sie wurde als 17-Jährige von ihrem Vater mit Dejan M. zwangsverheiratet, hat nie eine Schule besucht, ist Analphabetin und im Alltag auf den besser gebildeten Ehemann angewiesen. „Sie hat nie gelernt, sich durchzusetzen“, sagte ihr Verteidiger. „Ihr vorgeschriebene Rolle war es, Ehefrau und Mutter zu sein. Und als ihr Mann sich mit der anderen Frau einließ, hatte sie das Gefühl, alles zu verlieren, wofür sie vorher gelebt hat.“

Marijana M. selbst sagte vor der Urteilsverkündung, dass ihr „alles sehr leid“ tue. „Ich bin keine Schlägerfrau.“ Auch Dejan M. verriet Reue. „Ich habe die Frauen gegeneinander ausgespielt“, sagte er und dass er jetzt fünf Kinder habe: „Ich liebe alle.“