Bildungssenatorin

5,5 Milliarden Euro für Berlins Schulen

Neue Gebäude, besserer Unterricht, mehr Lehrer, Förderung von Begabten: Berlins Bildungssenatorin steht vor großen Aufgaben.

Senatorin Sandra Scheeres

Senatorin Sandra Scheeres

Foto: Massimo Rodari

Sandra Scheeres (SPD) ist erneut zur Bildungssenatorin ernannt worden – eine Kontinuität, die bei der Besetzung dieses Ressorts in Berlin eher ungewöhnlich ist. Scheeres ist froh darüber, dass sie Dinge, die sie angeschoben hat, nun weiterverfolgen kann. Ein Gespräch über die großen Herausforderungen in den kommenden Jahren.

Frau Scheeres, haben Sie damit gerechnet, als Bildungssenatorin weitermachen zu können oder waren Sie überrascht?

Sandra Scheeres: Das Thema Bildung ist für mich und meine Partei ein sehr zentrales. Deshalb habe ich schon damit gerechnet, dass die SPD das Ressort behält und ich im Amt bleibe. Jetzt geht es weiter darum, ausreichend Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher zu gewinnen und neue Schul- und Kitaplätze zu schaffen – Themen, die ich bereits auf den Weg gebracht habe und nun weiterverfolgen kann.

In Berlin regiert jetzt Rot-Rot-Grün. Ändert sich dadurch etwas an der Schulpolitik oder setzen Sie ihren Kurs fort?

Bei der Schulstruktur wird es keine Änderung geben. Im Oberschulbereich wird es weiterhin Gymnasien und Sekundarschulen geben, zu denen auch die Gemeinschaftsschulen gehören. Beide Schulformen werden von den Eltern sehr gut angenommen. Aber innerhalb dieses Systems wird es konkrete Verbesserungen geben. Der Fokus liegt also auf der Qualität. Denn uns ist allen klar, die Leistungen der Berliner Schüler müssen sich verbessern, Schulleitungen in ihrer Selbständigkeit gestärkt und viele Sanierungen in Angriff genommen werden.

Werden Sie das Gymnasium nicht immer wieder gegenüber den Linken verteidigen müssen?

Wir haben bereits ein klares Zeichen gesetzt, indem wir uns gegen die Abschaffung des Probejahres am Gymnasium durchgesetzt haben. Wir stärken das Gymnasium, indem wir noch mehr dieser Schulen zu Ganztagsschulen ausbauen wollen, natürlich auf freiwilliger Basis.

Der Sanierungsstau an den Berliner Schulen ist groß. Außerdem werden viele neue Schulplätze gebraucht. Wer kümmert sich um Sanierung und Neubau von Schulen?

Wir brauchen mehr Schulplätze als vor fünf Jahren vorhersehbar war. Bis zum Jahr 2021 müssen wir mehr als 30 neue Schulen bauen. 5,5 Milliarden Euro werden für Bau und Sanierung zur Verfügung gestellt. Ich habe alle Beteiligten an einen Tisch geholt. Fest steht, dass Schulneubau und Sanierungsvorhaben mit einem Finanzvolumen von mehr als fünf Millionen Euro künftig von einer Landeseinrichtung gemanagt werden. Wenn das eine Wohnungsbaugesellschaft werden sollte, würde dies wohl über die Stadtentwicklungsverwaltung laufen. In jedem Fall wird es eine enge Abstimmung zwischen Bausenatorin Lompscher und mir geben. Bei mir im Haus arbeitet auch eine Arbeitsgruppe zur Schulraumqualität, zu der Eltern, Lehrkräfte, Architekten, Vertreter aus den Bezirken gehören. Sie entwickelt Pläne, wie die Schule der Zukunft gebaut werden soll. Anfang des Jahres werden wir erste Vorschläge präsentieren.

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Wer legt fest, wo Schulen gebaut werden?

Das entscheidet meine Verwaltung zusammen mit den Bezirken. Wir haben ein Monitoring entwickelt, wie Plätze zu schaffen sind, ob durch Anbau, Umbau oder Neubau. Bei Schulneubauten legen wir großen Wert darauf, dass die Gebäude soweit möglich den Anforderungen einer Gemeinschaftsschule entsprechen. Da geht es um die Einrichtung einer Mensa, um die Doppelnutzung von Räumen bei der Ganztagsbetreuung und um Gemeinschaftsflächen.

Berlin schneidet bei Vergleichstests regelmäßig nicht gut ab. Wie wollen Sie die Unterrichtsqualität verbessern?

Wir werden die Unterstützungssysteme für Schulen und Lehrkräfte ausbauen. Und ich plane, die Schulaufsichten besser aufzustellen und personell zu verstärken. Sie spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, aus den Ergebnissen der Ländervergleiche Schlussfolgerungen zu ziehen. Es gibt Schulen, die arbeiten sehr intensiv daran, die Qualität des Unterrichts zu verbessern, andere sind weniger aktiv.

Es soll künftig auch eine stärkere Förderung von talentierten und begabten Schülern geben. Was planen Sie da?

Bisher ging es vor allem um die Förderung von sozial und leistungsschwachen Schülern. Das werden wir fortführen. Aber jetzt will ich zudem die Begabtenförderung stärken. Da passiert schon viel an einzelnen Schulen. Dennoch sehe ich die Notwendigkeit, unsere Leistungsspitze stärker zu unterstützen. Diese Schüler müssen gefördert werden – über alle Schulformen hinweg, also nicht nur an Gymnasien, sondern auch an Sekundarschulen, Grundschulen, Oberstufenzentren und Förderschulen.

Wie soll das gemacht werden?

In den Fächern wie Naturwissenschaften oder Deutsch könnte es zum Beispiel zusätzliche Förderstunden geben. Ich kann mir auch eine Patenschaft zwischen der Wissenschaft und einzelnen Schülern vorstellen. Mein Modell geht aber über diese Förderung hinaus und schließt auch eine stärkere Unterstützung von musisch oder sportlich begabten Schülerinnen und Schülern ein. Wichtig ist, dass wir Eltern helfen, die es nicht schaffen, ihre Kinder zu solchen außerunterrichtlichen Musik-, Kunst- oder Sportangeboten zu begleiten oder die kein Geld haben, ihnen das nötige Material zu kaufen. Die Förderung von leistungsstarken Schülerinnen und Schülern ist für mich ein Teil der Inklusion.

Im Koalitionsvertrag von Rot-Rot-Grün steht, dass die personelle Ausstattung der Schulen weiter verbessert wird. Wie geht das, angesichts eines bundesweiten Wettbewerbs um Lehrkräfte?

Wir werden weiter alles dafür tun, damit wir ausreichend Lehrkräfte haben. Die Schulen brauchen aber auch IT-Beauftragte und Verwaltungsleiter. Die Autonomie der Schulen ist ein wesentlicher Punkt bei der Qualitätsentwicklung. Wir wollen diese Autonomie stärken und Zielvereinbarungen mit den Schulen abschließen, die regelmäßig überprüft werden.

Aber wir brauchen doch auch mehr ausgebildete Fachlehrer ...

Genau. Deshalb sollen Grundschullehrkräfte künftig besser bezahlt werden, da wird Berlin beispielhaft für die Bundesrepublik sein. Und wir bilden mehr Lehrerinnen und Lehrer aus, verdoppeln die Absolventenzahlen an den Universitäten auf 2000 pro Jahr. Das wird in den Hochschulverträgen geregelt.

Das dauert aber. Was machen wir bis dahin? Mehr Quereinsteiger einstellen?

Wir stellen seit fünf Jahren so viele Lehrkräfte ein, dass wir trotz der wachsenden Schülerzahlen eine Bedarfs­deckung von 100 Prozent haben. Wir setzen auf ausgebildete Lehrkräfte, aber es wird auch weiterhin Quereinsteiger geben. Das ist in allen Bundesländern so. Quereinsteiger sind ja auch durchaus erfrischend für den Schulbetrieb.

Kommen denn noch Lehrer aus anderen Bundesländern nach Berlin?

Ja, Berlin ist attraktiv und hat eine familienfreundliche Infrastruktur, etwa, was Kitaplätze anbelangt. Daran arbeiten wir weiter. Ich möchte gemeinsam mit Wohnungsbaugesellschaften und Kita-Trägern eine Servicestelle für Lehrkräfte einrichten, die neu nach Berlin kommen.

Aber die Verbeamtung von Lehrern steht weiterhin nicht an?

Nein, das steht auch klar im Koalitionsvertrag. Es gibt andere Möglichkeiten für Berlin, attraktiv zu sein.

Wann werden die Grundschullehrer so bezahlt wie Lehrer an Oberschulen?

Das nehmen wir so schnell wie möglich in Angriff. Wenn die Ausbildungszeit der Lehrämter gleich ist, muss auch die Bezahlung gleich sein. Bei den Lehrkräften, die jetzt schon im Schulsystem sind, sprechen wir mit den Gewerkschaften über Qualifizierungen, damit auch sie höher gruppiert werden können.

Was geschieht mit den Lehrern, wenn die speziellen Klassen für Flüchtlingskinder nicht mehr benötigt werden?

Wir übernehmen einen großen Teil der 1000 Lehrer aus den Willkommensklassen in das Schulsystem und bilden sie weiter. Darüber verhandeln wir gerade mit der Finanzverwaltung.

Sie haben die Wissenschaftsverwaltung an den Regierenden Bürgermeister abgeben müssen, weil der das Kulturressort an die Linke abtreten musste. Ist das ungerecht?

Absolut nicht. Alle ehemaligen großen Ressorts wurden verkleinert. Mir hat der Wissenschaftsbereich großen Spaß gemacht. Die Verbindung von Jugend, Schule und Wissenschaft war auch gut, um große Themen zu bewegen, etwa den Rahmenlehrplan oder die Reform der Lehrerausbildung. Ich finde es aber strategisch und für die Stadt gut, dass Wissenschaft jetzt beim Regierenden Bürgermeister angesiedelt ist. Es ist ein Zukunftsthema und auch ein wirtschaftlicher Motor.

Ist es Ihnen schwergefallen, das abzugeben?

Ja, natürlich. Mein Herz hängt an dem kompletten Bildungsbereich. Doch das Positive der Entscheidung überwiegt.

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