Hier spielt die Musik

Das sind die Pläne für die Zukunft der Alten Münze

Um das Gebäude der Alten Münze bewerben sich zwei Projekte: das „Haus of Berlin“ und das von Till Brönner geplante „House of Jazz“.

Der Entwurf des "House of Berlin"

Der Entwurf des "House of Berlin"

Foto: uno / tomaselli-vs

Niemand möchte sich als Konkurrent verstehen. Das ist löblich. Weder Martin Eyerer von den Riverside Studios, noch Pino Brönner, Bruder und Manager des deutschen Vorzeige-Jazzers Till Brönner, noch Felix Richter von Spreewerkstätten, die aktuellen Nutzer. Doch alle haben sie ihre Pläne: Es geht um die Zukunft der "Alten Münze", der ehemaligen Münzdruckerei in Mitte, direkt am Spreeufer ganz nah am Nikolaiviertel.

Beste Lage, ziemlich viel Platz: 18.000 Quadratmeter mit labyrinthischen Kellergewölben. Aber auch mit einer Menge Sanierungsbedarf. Zwei Projekte stehen dabei im Rampenlicht: Die Riverside Studios aus Kreuzberg möchten in der Alten Münze ein "Haus of Berlin" einrichten, in dem Kunst verschiedener Gattungen, mit Schwerpunkt Musik, und Kreativwirtschaft koexistieren sollen. Man plant Studios, Ateliers, Veranstaltungsräume, ein Hotel, Restaurants und Radiostationen. Ein konzeptionell breit aufgestelltes Projekt.

Till Brönner hingegen hatte die Sympathien des ehemaligen Kulturstaatssekretärs Tim Renner (SPD) für sein "House of Jazz". Renner war – wenn auch vor Jahren – Leiter von Brönners damaligem Plattenlabel Motor Music. Die Idee ist eine Art Philharmonie des Jazz, mit eigenem Orchester, Konzertsaal und einer angeschlossenen Akademie für junge Musiker. Von dieser Idee offenbar angetan, hatten vor einigen Wochen die Abgeordneten des Haushaltsausschusses des Bundestages 12,5 Millionen Euro für die Sanierung der Münze bereitgestellt.

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Beide Seiten gehen von einer ähnlichen Situation aus: Berlin gilt weltweit als hip und cool, gerade im Bereich der Musik stellt die Stadt seit Jahren einen Magnet für Kreative dar. Viele bekannte Musiker kamen nicht zuletzt deshalb in die Stadt, weil das Leben und die Arbeitsräume hier günstiger als in London oder New York sind.

Die denkmalgeschützten Fassaden sollen stehen bleiben

Martin Eyerer und seine Partner Tassilo Ippenberger und Jade Souaid waren selbst überrascht, als sie 2012 begannen, aus Eigenmitteln ihre Tonstudios am Spreeufer aufzubauen. Innerhalb kürzester Zeit hatten sie so viele Anfragen internationaler Musiker, dass sie ihren Mietvertrag fortwährend um weitere Räume erweitern mussten. Gut ausgestattete Tonstudios mitten in Kreuzberg waren offensichtlich begehrt. Heute bespielen sie 1.600 Quadratmeter, 25 Studios und Eventräume. 40 Musiker arbeiten regelmäßig dort.

Der guten Vernetzung verdanken die Riverside Studios viel. Schon in der erweiterten Antragsphase des "Haus of Berlin", die der Senat im Mai 2016 mit dem Auftrag einer vertiefende Machbarkeitsstudie zur Herstellung der Vermietbarkeit eröffnete, werden Gespräche mit potenziellen Mietern und Investoren geführt. Das "Haus of Berlin" erhofft sich einen freundlichen Mietsatz seitens des Landes, will das Projekt aber im Wesentlichen ohne öffentliche Förderung finanzieren. Und auch mit den Spreewerkstätten sind die Riverside Studios in Kontakt getreten. Nach näherem Kennenlernen stehe man nun gemeinsam als Partner für das Projekt. "Wir glauben an eine synergetische Zusammenarbeit", sagt Felix Richter, Geschäftsführer der Spreewerkstätten.

"House of Jazz" oder "Haus of Berlin"?

Etwas verwundert war man darüber, dass am selben Ort ein "House of Jazz" entstehen soll. Ein Projekt, von dem Trompeter Till Brönner seit Jahren träumt: Ausgerichtet an Institutionen wie dem "Jazz at Lincoln Center" in New York soll unter Brönners künstlerischer Leitung ein Haus rund um den Jazz gebaut werden, als dessen Kernstück Brönner sich eine Big Band wünscht. Sie soll mit jährlich wechselnden internationalen Musikern besetzt werden und sich – drunter macht man es nicht – das Image "Berliner Philharmoniker des Jazz" erarbeiten. Auf 4000 Quadratmeter ist Brönners Entwurf angelegt, wobei von der Komplett-Entkernung des Gebäudes ausgegangen wird. Allein die denkmalgeschützten Fassaden sollen stehen bleiben. Statt der 8000 Quadratmeter Kellerräumen, die das "Haus of Berlin" mit Tonstudios füllen möchte, sieht Brönners Studie Parkplätze vor.

Dass Berlin zur Zeit mehr als ein Zentrum der Clubkultur gilt denn als Jazzmetropole, wird niemand bestreiten. Brönner möchte daher an die 20er-Jahre anknüpfen, bevor der Stadt durch die Nazis die Offenheit und Internationalität des Jazz ausgetrieben wurde. Ein Signal zu setzen, das ein Stück weit gegen die aktuellen Entwicklungen geht, scheint an sich keine schlechte Idee. Die Größe der Alten Münze gäbe es her, beide Projekte unter einem Dach zu vereinigen.

Einen Haken gibt es beim "House of Jazz". Der Bundestag will zwar 12,5 Millionen Euro für Sanierung und Umbauten zuschießen. Doch die gleiche Summe müsste noch einmal das Land Berlin aufbringen. Auch die Frage nach den laufenden Betriebskosten ist nicht geklärt. Tim Renner allerdings ist nicht mehr im Amt. Jetzt muss der neue Kultursenator Klaus Lederer entscheiden, wo künftig die richtige Musik gespielt wird.

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