Brandenburg

14-Jähriger schmuggelt 114 Kilo Böller - kein Einzelfall

Ein 14-Jähriger wollte 114 Kilo Böller mit einem Taxi schmuggeln. Jetzt hat die Polizei weitere Böller-Schmuggler aufgegriffen.

Ein sächsischer Polizist mit illegaler Pyrotechnik (Archivbild)

Ein sächsischer Polizist mit illegaler Pyrotechnik (Archivbild)

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Die Bundespolizei hat am Dienstag weitere Böller-Schmuggler in Brandenburg aufgegriffen. Zuvor hatte der Fall eines 14-Jährigen für Schlagzeilen gesorgt, der versucht hatte, 114 Kilogramm illegale Pyrotechnik von Polen per Taxi nach Berlin zu schmuggeln.

14-Jähriger will 114 Kilo Böller nach Berlin bringen

Wie die Behörde am Mittwoch mitteilte, hatte ein Taxifahrer aus Frankfurt (Oder) gegen 11 Uhr die Bundespolizei über zwei junge Männer, die er mit großem Gepäck an einem Bahnhof nahe Frankfurt (Oder) abgesetzt habe. Bei der Kontrolle fanden die Beamten im Gepäck der 19- und 20-Jährigen 63 Kilogramm Pyrotechnik und einen Elektroschocker in Form einer Taschenlampe.

Am Dienstagnachmittag fand die Polizei bei einer Kontrolle auf der A12 an der Anschlussstelle Fürstenwalde im Kofferraum eines Audi aus Berlin 130 Kilogramm illegale Böller. Gegen den 19-jährigen Berliner aus Gesundbrunnen wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Experten der Berliner Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) haben nun wieder appelliert, für Silvester ausschließlich zugelassenes Feuerwerk in Deutschland zu kaufen.

Auch Bilder von schwersten Verletzungen schrecken nicht ab

Denn bei illegalem Feuerwerk aus dem Ausland sei oft unklar, wie die Mischung gefährlicher Substanzen beim Zünden reagiere, erklärte BAM-Prüfleiterin Heidrun Fink am Mittwoch. „Oft sind schwere Verletzungen oder auch die Abtrennung von Gliedmaßen die Folge.“

Doch selbst Bilder von schwersten Verletzungen scheinen nicht abzuschrecken. Der Zoll beschlagnahmt immer mehr verbotene Böller und Raketen. Im Vorjahr wurden mehr als 151.000 große Feuerwerkskörper sowie 1,85 Tonnen kleinteiliges Feuerwerk - wie zum Beispiel einzelne Böller - sichergestellt, wie Zollsprecher Jürgen Wamser der Deutschen Presse-Agentur sagte. Und: „Für 2016 zeichnet sich eine deutlich steigende Tendenz ab“, sagte Wamser.

Allein an der brandenburgisch-polnischen Grenze rechnen die Zöllner für 2016 mit einem Rekord beim Fund illegaler Pyrotechnik. Besonders erschreckend sei, dass immer mehr Laster dabei sind, die tonnenweise Sprengstoff an Bord haben. „Das sind echte Gefahrguttransporte ohne jede Sicherung“, sagte Zollsprecherin Astrid Pinz.

Lastwagen mit fünf Tonnen illegaler Pyrotechnik gestoppt

Einer der größten Funde gelang dem Zoll in Brandenburg Ende November an der Grenze zu Polen bei Forst. Ein Lastwagen wurde mit fünf Tonnen illegaler Pyrotechnik gestoppt. Dabei war das Fahrzeug weder speziell für solche Transporte gesichert, noch verfügte der Fahrer über eine Sicherheitslizenz. Schon 2015 hatte das Hauptzollamt Frankfurt (Oder) so viel illegale Pyrotechnik wie noch nie bei Kontrollen beschlagnahmt: 3,5 Tonnen.

Verbotenes Feuerwerk, dass meist aus China stammt, kommt nach Aussage der Experten in der Regel über Polen oder Tschechien nach Deutschland. Organisierte Kriminelle setzten in letzter Zeit vermehrt auf den Internethandel, erklärte Zollsprecher Andre Lenz. Über Kooperationen mit Postdienstleistern seien die Fahnder auch an diesem Phänomen dran. Schwieriger sei es hingegen, kleinere Internet-Bestellungen im EU-Ausland zu unterbinden, so Lenz.

Profiböller der Klasse 3 und 4

Auf Märkten wie im polnischen Slubice gibt es jede Menge spottbillige Pyrotechnik. Der Frankfurter Zöllner Siegmund Poloczek erklärte, dort seien auch Profiböller der Klasse 3 und 4 zu haben, die in Deutschland nur für ausgebildete Pyrotechniker zugelassen sind. Mit „Rohrbomben“ und Knaller-Batterien, die es locker auf 20 Kilo Gewicht bringen, könnten ganze Autos in die Luft gesprengt werden.

Die Experten von BAM verweisen darauf, zugelassene Pyrotechnik sei auch an der Nummer der Prüfstelle zu erkennen. Die Bundesanstalt habe die europaweit gültige 0589. Daneben seien eine Registriernummer und das CE-Zeichen (für europäische Richtlinien) aufgedruckt. Auch eine deutsche Gebrauchsanweisung sollte dabei sein.

Das Einschmuggeln von verbotenen Feuerwerks- und Knallkörpern ist kein Kavaliersdelikt und wird hart bestraft. So sind nach dem Sprengstoffrecht bis zu zu drei Jahre Haft möglich. Außerdem müssten Schmuggler für die fachgerechte Entsorgung durch Sprengstoffexperten aufkommen, so Wamser.