Stilwerk und KaDeWe

Weihnachtseinkauf in der Berliner Luxusklasse

Was auch immer wohlhabende Berliner zum Fest schenken wollen, in den Luxuskaufhäusern werden sie fündig.

Teurer Spaß: Für Guccis Bomberjacke aus Lammleder zahlen Kunden im KaDeWe 3.000 Euro

Teurer Spaß: Für Guccis Bomberjacke aus Lammleder zahlen Kunden im KaDeWe 3.000 Euro

Foto: Joerg Krauthoefer

Schon die Durchschnittswerte sind imposant: Die Deutschen wollen 2016 – behaupten zumindest die Marktforscher des Institutes GfK – für Weihnachtsgeschenke 280 Euro ausgeben. Versteckt in dieser Zahl sind aber auch die Ausgaben jener Kunden, die es sich leisten können, ihre Präsente für Familie, Freunde und Bekannte in den Luxusgeschäften der Stadt zu erstehen. Doch was kauft man seinen Liebsten, wenn Geld keine Rolle spielt? Berliner Verkäufer berichten.

Im Shoppingcenter „Stilwerk“ an der Charlottenburger Kantstraße herrscht in diesem Jahr schon vor dem Fest Feierlaune. Denn: „Sowohl im Bereich des Umsatzes als auch der Besucherzahl stellen wir eine Steigerung gegenüber den Vorjahren fest“, sagt Centermanager Jörn Friedrichsen. Das Haus ist auf das Luxussegment von Inneneinrichtungen und -zubehör spezialisiert. Vom Sessel-Klassiker in Leder und Chrom, wie er bei Marcel Reich-Ranickis „Literarischem Quartett“ im ZDF einst den Gästen Platz bot (4.575 Euro), bis zum TV-Gerät vom dänischen Edel-HiFi-Hersteller für 9.750 Euro.

„Wir merken, dass uns die gute wirtschaftliche Lage in die Kassen spielt“, formuliert Friedrichsen. „Außerdem profitieren wir vom Bauboom: Wer sich in der Stadt ein Grundstück kauft und sein Haus baut, will dann natürlich auch die angemessene Einrichtung.“

Ein Kleid aus der Hand des Designers

Mancher gönnt sich und seiner Liebsten zum Fest sogar einen kostspieligen Ausflug in die Welt der gehobenen Schneiderkunst. Berlins international bekanntester Designer Michael Michalsky bekam unlängst Besuch von einem frisch verheirateten Paar. Es hatte auf einer Modenschau sein Kleid aus 24 Lagen Seidenchiffon mit handbestickten Blütenapplikationen und durchsichtiger Spitze gesehen. Die Frischvermählte verliebte sich erneut, diesmal in das Kleid, und der Ehemann versprach, es ihr zu Weihnachten zu schenken. „Die Dame kam für das Fitting zu mir in den Showroom am Potsdamer Platz. Dort besprachen wir ihre Wünsche, und es wurde Maß genommen“, sagt Michalsky.

Bis zur letzten Anprobe wartet das Paar bis kurz vor Weihnachten, wenn Michalsky vom Dreh für die Sendung „Germany’s Next Topmodel“ zurückkehrt. Ein Weihnachtsgeschenk aus der Hand eines Designers hat allerdings seinen Preis: Das Kleid kostet 8000 Euro.

Luxusshopping im KaDeWe

Axel Surendorf legt in der Vorweihnachtszeit beruflich gut neun Kilometer pro Tag zurück. Der 50-Jährige mit der schwarzen Nerdbrille und dem Elan eines königlichen Zeremonienmeisters zählt zum Personal Shopping Service des KaDeWe. Er und seine Kolleginnen kümmern sich um Scheichs auf Durchreise, zugezogene Millionäre oder auch die wohlsituierte Unternehmerin, deren Terminkalender nur 30 Minuten für den Modeeinkauf lässt. „Die meisten Kunden und ihren Geschmack kennen wir von früheren Besuchen“, sagt Surendorf. Entweder navigiert er seine Kunden durch die Etagen von Marke zu Marke. Oder er bereitet einen Warenmix im separaten Raum vor, der Styling Suite.

Warum ein Luxustempel im armen Berlin so erfolgreich ist

Seine Kollegin Daniela Müller hat gerade ein paar Minuten Verschnaufpause. Ihre Kunden erfrischen sich kurz zwei Stockwerke höher an einer der Gourmetstationen der Feinschmeckeretage. Geht es um Wohnausstattung, sagt sie, summierten sich die Einkäufe leicht mal zum fünfstelligen Betrag.

Am Ende wähle mancher im sechsten Stock noch den passenden Champagner, um am Abend die neue Einrichtung zu feiern. Hinter Glas hat dort Abteilungsleiter Frank Burmeister auch eine Lieferung von sechs Flaschen Masseto, einem toskanischen Rotwein gesichert. „Das ist eine von nur zwei Kisten, die es in Europa gibt“, sagt er. Wer die andere anbieten darf? „Harrods in London“, so Burmeister. Der Rest ging in andere Kontinente. Die Kiste kostet 6.000 Euro. „Die werde ich vor Weihnachten verkaufen“, sagt Burmeister. „Da habe ich keine Sorge.“

Bei den portablen Bluetooth-Lautsprechern französischen Fabrikats ließ sich Anfang des Monats ein Vater beraten, erzählt dort die Verkäuferin. Das Einstiegsmodell im Look eines Weltraumhelms für 1.690 Euro gefiel dem Kunden gut, aber dann entschied er sich ganz überraschend für das teuerste Stück à 2.590 Euro. Es war allerdings kein Weihnachtsgeschenk. Sein Kind sollte den Apparat zum Nikolaus bekommen.

Weil Feiertage nicht nur die Zeit der Geschenke, sondern auch der Festmahle und Abendgesellschaften sind, muss mancher Gastgeber vor Weihnachten noch eilig seine Geschirrbestände vervollständigen. Zu Christian Schumacher, Storemanager in der KaDeWe-Abteilung von Glashersteller Baccarat, kommen jetzt viele Kunden, die ihr Heim für Empfänge rüsten. „Da hat man vier Gläser eines gewissen Stils und braucht nun zwölf“, sagt er. Daneben seien gerade zu Weihnachten auch die Kerzenleuchter nach Entwurf von Designer Philippe Starck gefragt. Die Flamme schützt eine gläserne Haube in Silber oder Gold. Preis: 1.010 Euro.

Zwei preußische Prinzessinnen für 22.000 Euro

Jörg Woltmann, Inhaber der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) sagt, bei ihm sei derzeit die schwarze Tasse „Kurland Royal“ mit Goldbemalung für 1190 Euro gefragt. Lässig wird sie als „Bürotasse“ beschrieben. Beliebt auch das Standbild der Prinzessinnen Luise und Friederike nach Bildhauer Johann Gottfried Schadow für 22.000 Euro. „Ein US-Tourist hat gerade eine Vase mit Blumenmalerei für 30.000 Euro gekauft“, sagt Woltmann. „Das ist keine Seltenheit.“ Daneben seien es auffällig viele Neuberliner, die bei ihm für das gute Weihnachtsgeschäft sorgen.

Eine seltene Sorte Kunden dagegen erlebt Torben Garlin vor Weihnachten bei Klavier- und Flügelhersteller C. Bechstein: die Spontankäufer. Angesichts eines Durchschnittspreises von 10.000 Euro brauchen Besucher im restlichen Jahr Tage und sogar Monate bis zu einer Entscheidung. „Heute dagegen kam wieder ein Interessent, der seiner Familie ein Klavier schenken wollte, und ließ sich von mir anderthalb Stunden die unterschiedlichen Klänge vorführen“, sagt Klavierbauer und Konzerttechniker Garlin. „Und dann entschied er sich plötzlich an Ort und Stelle, zu kaufen. Für 10.000 Euro.“

Die großzügigen Weihnachtseinkäufe seien sicherlich auch von den kurzen Tagen begünstigt, sagt Garlin. „Wenn es draußen dunkel ist, hat man mehr Muße, sich an ein Klavier zu setzen.“ Als Verkäufer genieße er es besonders, wenn eine Familie nach langem Abwägen zurückkehrt ins Geschäft: „Dann sitzen alle zusammen, und der Kaufvertrag wird unterschrieben. Das ist immer ein feierlicher Moment.“

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