Grippe & Magen-Darm

Berlin – wie es schnieft und niest

Sieben Prozent der Berliner Bevölkerung sind derzeit erkältet. Doch trotz zunehmender Krankheitsmeldungen bleiben Firmen entspannt.

240.000 Menschen in Berlin leiden derzeit an einer Erkältung

240.000 Menschen in Berlin leiden derzeit an einer Erkältung

Foto: Dirima / iStockphoto

Die Angst der Hauptstädter, sich in der aktuell kalt-nassen Jahreszeit eine Erkältung einzufangen, wächst. Ob in der U-Bahn, in öffentlichen Toiletten oder beim Bummel über den Weihnachtsmarkt, die Gefahr lauert überall. Kein Wunder, dass der Verkauf von Handdesinfektionsmitteln vielen Drogeriemärkten ein Umsatzplus beschert.

Rund sieben Prozent der deutschen Bevölkerung und auch der Hauptstädter sind derzeit nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) von akuten Infektionen der Atemwege betroffen, also von Husten, Schnupfen und Halsschmerzen. Das sind in Berlin etwa 240.000 Menschen.

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Krankheitsmeldungen mehren sich

Auch bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), einem von Berlins größten Arbeitgebern, häufen sich momentan die Krankmeldungen. Dort sind derzeit circa sieben Prozent der 14.000 Mitarbeiter krankgeschrieben – das sind immerhin 980 Mitarbeiter, die ausfallen. Petra Reetz, Sprecherin der BVG, dazu: Natürlich geht die aktuelle Erkältungswelle auch an uns nicht spurlos vorbei, aber wir haben immer genügend Reservekräfte.“ So sei sichergestellt, dass der öffentliche Nahverkehr aufrecht erhalten werden kann. „Viele unserer Fahrer sind zudem fähig, sowhol Busse, als auch U-Bahnen zu fahren. Somit stellen die Krankheitsfälle kein größeres Problem dar“, erklärt Reetz weiter.

Bei der Deutschen Bahn mehren sich die Krankheitsmeldungen ebenfalls, aber im normalen Rahmen, erklärt Dr. Christian Gravert, Leiter Gesundheitsmanagement der Deutschen Bahn. „Dass in den kalten, nassen Monaten wie November und Dezember die Krankenstände leicht nach oben gehen, ist völlig normal. Bei der Deutschen Bahn gibt es im Moment nicht mehr Krankmeldungen als sonst um diese Zeit üblich“, so Gravert.

Für viele kleinere Firmen sind die zahlreichen Ausfälle eine Herausforderung, Dienstpläne müssen umgestellt, Termine verschoben werden.

Auch das Wartezimmer von Herrn Dr. Stephan Bernhardt, niedergelassener Hausarzt aus Schöneberg, ist täglich gut gefüllt. „Wir haben in unserer Hausarztpraxis derzeit alle Hände voll zu tun. Viele Patienten, die uns aufsuchen, leiden an grippalen Infekten oder Magen-Darm-Infektionen. Das ist im Verlauf dieser Woche noch einmal deutlich mehr geworden“, sagt er. Das Norovirus ist einer der häufigsten Erreger der akuten Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis). Infektionen mit dem Virus sind in Deutschland meldepflichtig und verzeichnen jedes Jahr die meisten an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldeten Erkrankungen. Seit 2006 wird dort ein deutlicher Anstieg der übermittelten Fälle pro Saison beobachtet.

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Influenza-Zeit beginnt erst im Januar

In der 49. Kalenderwoche sind es 15 Influenza-Fälle, die gemeldet und bestätigt wurden. Susanne Glasmacher, Biologin und Sprecherin des RKI schätzt die Lage so ein: „Es gibt im Moment vermehrt Einzelfälle, aber von einer wirklichen Grippewelle kann man noch nicht sprechen.“ Erst wenn jeder zehnte eingesendete Rachenabstrich enthält, spräche man von einer Grippewelle. Das wären 100 gemeldete und bestätigte Fälle in der Woche. „In der Regel beginnt die große Grippezeit erst im Januar“, so Glasmacher weiter.

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Erkältung von Grippe unterscheiden

Vincent Jörres, Pressesprecher des Deutschen Hausärzteverbandes, hält es für wichtig, Erkältungsfälle und die wirkliche Grippe zu unterscheiden . „Bei grippalen Infekten, also Erkältungen, klingen die Beschwerden in der Regel nach einigen Tagen wieder ab. Etwas anderes ist eine richtige Grippe, deren Krankheitsverlauf unter Umständen schwerer sein kann“, sagt er. Daher rät der Deutsche Hausärzteverband jedes Jahr zu einer Grippeschutzimpfung . Das gälte vor allem für Risikogruppen, beispielsweise Menschen über 60, Schwangere oder Patienten mit bestimmten chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes oder Asthma.

Allgemein empfehlen alle Experten, gerade in der Erkältungszeit verstärkt auf Hygiene zu achten. Dazu zähle, sich die Hände ausgiebig zu waschen. Dabei sollte der Einseifvorgang bis zu 30 Sekunden betragen. Regelmäßiges Lüften, Bewegung an der frischen Luft sowie eine gesunde und ausgewogene Ernährung würden ihr Übriges tun.

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