Da müssen wir alle durch

Arno über familiäre Verpflichtungen zu Weihnachten

Arno Müller schreibt in seiner Kolumne über familiäre Irrungen und Wirrungen zu Weihnachten.

Kolumne von Arno Müller

Kolumne von Arno Müller

Foto: Promo

Wo feiern wir Weihnachten? Singles haben es noch leicht, auch die alleinerziehenden. Sie müssen zu Mama und Papa. Da werden sie verwöhnt, der Weihnachtsbaum ist geschmückt, das Kind wird betreut – und wo soll der Single auch sonst hin. Auch für Paare, die sich gerade erst kennengelernt haben, ist die Entscheidung klar. Die feiern getrennt. Für „gerade erst kennengelernt“ habe ich eine Faustregel gefunden: Nach dem Sommer desselben Jahres kennengelernt ist zu früh für gemeinsames Weihnachten.

Unsere Freunde Roman und Frieda sind seit zehn Jahren zusammen und da wird es schwieriger. Sie telefonieren x-Mal mit den involvierten Familienmitgliedern hin und her, um die Sache mit Weihnachten zu klären. Vor einer Woche wurden die Gespräche ohne Einigung abgebrochen. Der Stresspegel war angestiegen. Das ist es doch nicht wert. Eine Lösung war das aber noch nicht: Frieda würde gern zu ihren Eltern fahren.

Da ist auch ihre Schwester, die sich gerade getrennt hat und ihre Unterstützung braucht. Roman aber soll dieses Weihnachten zu seiner Familie, weil die Oma schon etwas älter ist und man weiß ja nicht, wie oft noch. Außerdem muss er seine Kinder aus erster Ehe besuchen, das geht nur am 24. vormittags, weil abends der neue Freund seiner Ex kommt. Frieda will am 25. ihren Sohn aus erster Ehe bei seiner Oma absetzen, der Mutter ihres Ex-Mannes. Nachdem Friedas Vater bei all dem Hin und Her das Fest ausfallen lassen wollte, wünschte sich Frieda einen Mediator.

Um sie zu entlasten, luden wir sie und Roman, inklusive der beiden Kinder, die sie zusammen haben, an Heiligabend zu uns ein. Meine Frau sagte, dann seid ihr fein raus aus allem. Frieda schluchzte, das ginge ja nun gar nicht. Sie müsse doch zu Weihnachten mit ihrer Familie… In ihrem Kopf begann es zu arbeiten… Oder? Nein, Frieda, denk gar nicht weiter drüber nach! Heimlich wegfahren gilt nicht, schließlich ist Weihnachten. Da müssen wir alle durch.

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