Potsdam

Der neue Bier-Boom in der Mark

Brandenburger Klein- und Gasthausbrauereien werben gemeinsam für ihr traditionelles Handwerk.

Braumeister Markus Klosterhoff

Braumeister Markus Klosterhoff

Foto: Katrin Starke

2000 Liter Weihnachtsbier hatte Braumeister Oliver Wittkopf im vergangenen Jahr gebraut. Nicht wenig für die kleine Rathausbrauerei Fürstenwalde. Und doch ging die Spezialität schon ein paar Tage vor dem Fest zur Neige. „Das soll uns in diesem Jahr nicht wieder passieren, da haben wir gleich mal einen größeren Sud gebraut“, erzählt Wittkopf. Dennoch könnte es sein, dass an Heiligabend auch diesmal Schluss ist mit dem „Rathausbräu Weihnachtsbier“. Trotz der insgesamt 3200 Liter, die Wittkopf dieses Mal produziert hat. Mittlerweile im dritten Jahr gebraut, sei das Weihnachtsbier ein „echter Erfolgsschlager“ geworden, freut sich Geschäftsführer Peter Seifert.

Und das, obwohl das untergärige Gebräu mit einem Alkoholgehalt von 6,3 Prozent schon ein recht kräftiges Bier ist. Wenn auch noch längst nicht das stärkste, was Brandenburger Brauer zu bieten haben: Auf 7,3 Prozent Alkohol bringt es das „F60 Paranoid IPA – Indian Pale Ale“ vom Labieratorium Cottbus, acht Prozent hat das Doppelbockbier „Fusinator“, das Alexander Knobelsdorf in der Hausbrauerei Knobinger in Jüterbog einbraut.

Bier: Immer mehr alternative Brauereien erobern den Markt

War der Bierstrom in Brandenburg Anfang der 1990er-Jahre nahezu versiegt, setzen heute Braumeister quer durchs ganze Land wieder ihre Sude an, überzeugen mit Kreativität und Vielfalt. 16 der in den vergangenen Jahren neu entstandenen Braustätten haben sich unterdessen im Verein zur Förderung Brandenburger Klein- und Gasthausbrauereien und regionaler Infrastrukturen organisiert und in diesem Jahr die „Brandenburger Bierstraße“ aus der Taufe gehoben.

Für die wolle man auf der Grünen Woche vom 20. bis 29. Januar in Berlin kräftig die Werbetrommel rühren, sagt Vereinsvorsitzender Jörg Kirchhoff, einer der beiden Chefs der Potsdamer Braumanufaktur Forsthaus Templin. Erstmalig werde der Verein mit einem Gemeinschaftsstand auf der Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau vertreten sein.

Ein Reisepass für die Brandenburger Bierstraße

Da werden die Vereinsmitglieder dann auch ihren „Reisepass“ unters probierende Messevolk bringen. Wer sich innerhalb eines Jahres in allen an der Brandenburger Bierstraße mitwirkenden Brauereien einen Stempel abholt, bekommt beim letzten Wirt auf der Reise durch die Mark ein Bierglas mit Vereinsemblem geschenkt – dem roten Adler mit dem Bierglas in der Kralle. „Natürlich mit Füllung“, sagt Markus Klosterhoff, Braumeister in der Finsterwalder Brauerei und einer der „Väter“ der Bierstraßenidee.

Eigentlich müsste der Verein den Reisepass schon wieder neu drucken lassen, denn statt der dort eingetragenen 13 Brauereien verbindet die Bierstraße auf mehr als 400 Kilometern mittlerweile 16 märkische Kleinbrauereien miteinander. „Aber der Pass ist ja nur ein Gag“, sagt Klosterhoff. „Das Konzept ist, dass Leute, die gern ein gepflegtes Bier trinken, von Brauerei zu Brauerei fahren und dabei die Schönheiten Brandenburgs kennenlernen“, erläutert Uwe Oppitz, Inhaber des Finsterwalder Brauhauses. Allerdings nicht mit dem Auto sollen Ausflügler die Genuss-Tour absolvieren, sondern per Fahrrad und in der Spreewald-Region auch per Kahn.

Auf der Suche nach dem perfekten Bier

„Die Leute müssen sich natürlich nicht gleich die ganze Strecke vornehmen, sondern immer mal wieder zwei, drei Stationen“, erklärt Klosterhoff. Da es maximal 40 Kilometer seien von einer Brauerei zur nächsten, sei die Durststrecke dazwischen nicht zu lang, schätzt er ein. Von Finsterwalde aus biete sich eine Tour nach Schlepzig an zur Spreewälder Privatbrauerei oder nach Lübbenau zum Brauhaus Babben. „Und von uns aus können die Gäste mit dem Wassertaxi rüberfahren zur Meierei im Neuen Garten“, ergänzt der Potsdamer Bio-Brauer Jörg Kirchhoff.

Gern lassen sich die märkischen Braumeister bei ihrer Arbeit auch mal über die Schulter schauen – und verraten dabei nebenbei manches Geheimnis. So zum Beispiel, wie das „Fusinator“ zu seinem Namen gekommen ist. „Meine Frau Firusa hat den Spitznamen Fusi“, erzählt Di­plom-Braumeister Alexander Knobelsdorf. „Und weil meine Frau für mich das Stärkste ist, habe ich ihr zu Ehren dieses Starkbier gebraut und Fusinator genannt“, sagt der gebürtige Jüterboger, der mit seinen 28 Jahren zu den jüngsten Sprossen im Verein der Brandenburger Brauer zählt.