Andrej Holm

Kritik an der Stasi-Vergangenheit des Bau-Staatssekretärs

Andrej Holm wird Staatssekretär von Katrin Lompscher. Der Gentrifizierungskritiker strebte als 18-Jähriger eine Stasi-Karriere an.

Stadtsoziologe Andrej Holm steht wegen seiner DDR-Vergangenheit in der Kritik

Stadtsoziologe Andrej Holm steht wegen seiner DDR-Vergangenheit in der Kritik

Foto: picture alliance

Andrej Holm gilt unter den Staatssekretären der Linken als der Königstransfer. Mit dem 46 Jahre alten Stadtsoziologen von der Humboldt-Universität holte die neue Bausenatorin Katrin Lompscher den wohl bekanntesten Kritiker und Analytiker der Gentrifizierung von Stadtvierteln und der Verdrängung von Mietern in ihr Haus.

Dass es die Immobilienwirtschaft mit Argwohn betrachtet, wenn ihr künftig ein erklärter Mieteraktivist gegenübersitzen wird, ist offenkundig. Aber Kritik entzündet sich auch an Holms Biografie. In den letzten Monaten der DDR hatte sich der 18-Jährige nach dem Abitur beim Wachregiment Feliks Dzierzynski verpflichtet und strebte eine hauptamtliche Karriere beim Ministerium für Staatssicherheit an. Holm geht mit dieser Vergangenheit offen um, von der DDR und dem Staatssozialismus hat er sich distanziert.

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Dennoch sorgt die Berufung für Ärger in der SPD. Die Abgeordnete Karin Halsch, deren Familie in der DDR verfolgt worden war, bremste die Holm-Begeisterung jüngerer Parteifreunde. "Ich finde es sehr bedenklich, jemanden zum Staatssekretär zu machen, der noch im September 1989 zur Stasi wollte, als andere längst nach Westen unterwegs waren", sagte die 56 Jahre alte frühere Parlamentsvizepräsidentin. Die Personalie sei für viele Menschen mit Ostbiografie eine "Zumutung". Der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, nannte es einen "Tabubruch", erstmals einen früheren hauptamtlichen Stasimitarbeiter in den Senat zu berufen. "Er zeigt, dass die Partei Die Linke beim Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit bis heute nicht in der Demokratie angekommen ist." Der FDP-Vorsitzende Sebastian Czaja sagte, mit Holm kehre die Stasi zurück in die Berliner Wohnungen.

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Holm selbst hatte sich nach der DDR-Zeit in der Hausbesetzerszene bewegt und später die wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen, ohne seine politischen Positionen zu verändern. Bekannt wurde er, als die Bundesanwaltschaft ihn 2007 verdächtigte, Teil der "Militanten Gruppe" zu sein, und ihn wegen Terrorverdachts verhaften ließ. Fast einen Monat saß der Soziologe im Gefängnis. Auslöser war eine Google-Recherche, die ergeben hatte, dass er in seinen Forschungsberichten ähnliche Worte verwendete wie die Links-Guerilla. Das Verfahren wurde eingestellt, Holm rehabilitiert.

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