„Berghain ze Game“

Der Kult-Club Berghain in einem Kartenspiel

Zwei Schweden wollen ihre Idee dem Berghain widmen. Drei Kenner haben den Prototypen für die Berliner Morgenpost ausprobiert

Das Berghain soll es demnächst auch als Kartenspiel geben: "Berghain Ze Game". Als Türsteher des legendären Clubs muss man entscheiden, wer reinkommt und wer nicht. Wir haben drei Berghain-Kenner gebeten das Spiel für uns zu testen.

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Max F. lebt nicht für das Wochenende, aber ab und zu verliert er sich bewusst darin. Der 23-Jährige studiert in Berlin auf Lehramt und genießt wie viele Ur-Berliner, Zugezogene und Touristen aus aller Welt das Nachtleben der Hauptstadt. „Manchmal brauche ich harten Techno, um abzuschalten“, sagt er. Wenn ihn dieses Verlangen packt, dann gönnt er sich seine Auszeit im Berghain. Das hat er mit seinen zwei Freunden gemein. Auch die Studenten Ben W. (26) und Oliver S. (24) lieben den Club, gehen gern an einem Sonntag hin. Freitags oder sonnabends stellen sich eher die Partytouristen in die am späten Abend ohnehin viel zu lange Schlange. Diese ist der Anfang des Selektierungsprozesses, denn nicht jeder kommt in den vierstöckigen Club, der dieses Wochenende sein zwölfjähriges Bestehen feiern lässt. Max und seine Freunde können sich glücklich schätzen, sie stehen oft in der zweiten Warteschlange für Stamm- und Gästelisten-Besucher. Probleme mit dem Türsteher kennen sie kaum.

Drei Berghain-Kenner testen den Prototypen

Wir haben die drei Berghain-Kenner gebeten, den Prototypen von „Berghain ze Game“ für uns zu testen, den die beiden schwedischen Designer Joakim Bergkvist und Alexander Kandiloros entwickelt haben. Darin werden die Spieler selbst zum Türsteher. Ziel des Kartenspiels ist es, eine angesagte Mischung von Partygästen ins Berghain zu lassen und so die höchste Punktzahl zu erreichen. Unsere Spieler treffen sich bei Max in der Gemeinschaftsküche. Er wohnt unweit des Ostkreuzes in einer Dreier-WG mit Altbau-Elementen. In der Küche darf geraucht werden, es gibt Prosecco. Die Rahmenbedingungen für einen Spieleabend sind also geschaffen. Die Verpackung überzeugt schon einmal, die Karten kommen in einem Packpapierumschlag daher, auf dem ein kleines Etikett mit der Aufschrift „Berghain ze Game“ klebt. „Sieht gut aus“, beschließen die Testspieler.

Im Umschlag befinden sich Aktionskarten, Gästekarten und natürlich eine Karte mit dem Abbild Sven Marquardts, des legendären Türstehers des Berghains, inklusive Gesichtstätowierungen und Piercings. Gespielt werden kann mit zwei bis sechs Spielern. Max liest die Regeln laut vor: „Es gibt fünf Kategorien von Gästekarten, die pinken, beziehungsweise Gay-Karten geben am meisten Punkte.“ Auch die anderen Farbkategorien zeigen Stereotype von Berghain-Fans, zumindest jene, die den Spielentwicklern Bergkvist und Kandiloros vorschwebten. Bei der Visualisierung der Karten haben sich die beiden Designer Mühe gegeben. So wurden die Karten mit der Aufschrift Blogger beispielsweise mit Daisy Duck ähnlichen Figuren illus­triert. „Blogger machen auf Selfies oft Duckface, das passt“, stellt Ben fest. „O. k., also die Blogger- und Touri-Karten geben sogar Abzug“, so Ben weiter. „Es kommt halt auf die richtigen Leute an, wie im wahren Leben.“ Die Regeln sind verstanden, die nächste Zigaretten gedreht, es kann losgehen. Oliver meint nach den ersten Zügen: „Fühlt sich an, als hätte man die Macht über den Club.“ Max sagt: „Ich habe das Gefühl, mit deiner Mutter würde ich das auch spielen, Oli.“

Mit den Aktionskarten können die Gäste in der Schlange vor- und zurückbewegt werden, teilweise sehr zur Schadenfreude der Mitspieler, will man doch selbst nur die coolsten Leute in seinem Berghain beziehungsweise seinem Kartendeck. „Ich hab einen Leather Daddy, fünf Punkte Leute!“ Ein Leather Daddy ist ein schwuler, zumeist älterer Mann in Lederkleidung.Max hat gute Karten, das Spiel kommt in Fahrt. Es wird viel gelacht, besonders über die Gästekarten, die keine oder Punkteabzüge geben. „’nen gruseligen Opa will man halt nicht drin haben“, sagt Oli. „Ist schon witzig gemacht“, meint Ben.

Über die Plattform Kickstarter, eine US-amerikanische Internetplattform zur Projektfinanzierung über Crowd­funding, haben die Macher von „Berghain ze Game“ bereits Geld gesammelt, um das Spiel zu realisieren. Aktuell fehlen den Erfindern noch 3000 Dollar, um das Spiel zu vertreiben. Bisher kamen 7000 Dollar zusammen, zurzeit liegt die Kampagne auf Eis: Das Berghain stört sich offenbar an der Namensgebung des Spiels. Um einen Rechtsstreit zu vermeiden, wollen Bergkvist und Kandiloros das Spiel umbenennen – in „Bergnein“. „Wir haben ‚Berghain ze Game‘ markenrechtlich schützen lassen, aber das Berghain versucht, das Projekt zu verhindern“, erklärt Spielemacher Kandiloros. „Auch wenn wir nichts Illegales tun, werden wir den Namen ändern, um Problemen aus dem Weg zu gehen. Ich habe keine Zweifel, dass das Spiel in Produktion gehen wird.“

Seitens des Berghains heißt es wie eh und je, dass clubbezogene Dinge nicht kommentiert werden. Ein weiterer Grund, weswegen der Mythos um den Techno-Club immer weiterlebt.