Bus und Bahn

Neuer Fahrplan: Was Fahrgäste jetzt wissen müssen

Andere Zeiten, andere Verbindungen: Ab heute gelten neue Fahrpläne. Eine Übersicht aller Änderungen.

Der U-Bahnhof Thielplatz ist am Freitag in „Freie Universität - Thielplatz“ umbenannt worden

Der U-Bahnhof Thielplatz ist am Freitag in „Freie Universität - Thielplatz“ umbenannt worden

Foto: Paul Zinken / dpa

Ab heute ist für die Anbieter von Bus- und Bahnfahrten so etwas wie Neujahr für alle übrigen Menschen. Ab Sonntag gelten europaweit neue Fahrpläne, eine neue Angebotsperiode beginnt. Für die Berliner heißt das zunächst: Sie müssen sich an zwei neue Bahnhofsnamen, an zwei neue Anbieter von Bahnfahrten und einige neue Linien gewöhnen.

Neue Namen: Bereits am Freitag wurden die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die U-Bahnhöfe Thielplatz und Neue Grottkauer Straße feierlich umbenennen. Die Station an der U-Bahnlinie 3 (Nollendorfplatz–Krumme Lanke) trägt künftig den Namen „Freie Universität (Thielplatz)“. Jahrelang hatte sich die Universität in Dahlem, zuletzt auch unterstützt vom damaligen Steglitz-Zehlendorfer Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU), für einen Namenswechsel eingesetzt. Die neue Stationsbezeichnung soll den vielen Studenten, die nicht aus Berlin kommen, die Orientierung bei der Anreise zum FU-Campus erleichtern. Dagegen sprachen sich viele Anwohner für die Beibehaltung des vertrauten Namens aus. Am Ende entschied der Senat. Nun gibt es den Kompromiss, dass die Station „Freie Universität“ heißt, die Bezeichnung Thielplatz als Zusatz in Klammern weiter erhalten bleibt.

Tor zur Gartenschau: Weniger Diskussion gab es um die Umbenennung des U-Bahnhofs Neue Grottkauer Straße in Hellersdorf – wohl auch, weil der Vorschlag vom Senat selbst kam. So wird die Station an der Linie U5 (Alexanderplatz–Hönow) nun „Kienberg (Gärten der Welt)“ heißen und soll – zumindest für alle Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel – das Eingangstor zu der im April 2017 beginnenden Internationalen Gartenschau (IGA) in Marzahn werden. Für diese Aufgabe wird der Bahnhof nicht nur für 7,5 Millionen Euro saniert und umgebaut, sondern auch mit dem neuen, Namen ausgestattet. Ein Aufzug und ein Blindenleitsystem sollen vor allem Menschen mit Behinderungen den Zugang zur Station erleichtern, an der sich auch eine der drei geplanten IGA-Seilbahnstationen befinden wird.

Nachtzug-Aus: Im Fernverkehr der Deutschen Bahn beginnt geradezu eine neue Zeitrechnung. Das bundeseigene Eisenbahnverkehrsunternehmen stellt trotz aller Proteste von Reisenden und Bahnkundenverbänden das klassische Nachtzug-Angebot ein. Obwohl die Züge häufig ausgebucht sind, waren sie nach Aussagen der Bahn ein unrentables Zuschussgeschäft. Züge mit Schlaf- und Liegewagen werden aber weiterhin durch Deutschland fahren, wenngleich in verringerter Zahl. Anbieter sind ab Sonntag dann die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die einen Teil der Wagen von der Bahn übernehmen.

Neuer Nightjet: Die deutsche Hauptstadt ist allerdings im neuen Angebot der ÖBB nur noch mit einer einzigen Verbindung mit dabei: Der beliebte Nachtzug von Berlin nach Basel und Zürich wird künftig mit dem Markennamen „Nightjet“ weiter betrieben. Abfahrt des EN 471 am Berliner Hauptbahnhof ist jeweils um 22.59 Uhr, die Ankunft in Zürich ist am nächsten Morgen um 9.05 Uhr geplant. Der Zug wird über Schlafwagen mit Ein- bis Dreibettkabinen sowie Liegewagen mit vier bis sechs Plätzen pro Abteil verfügen. Tickets können wie bisher an den Fahrkartenschaltern der Deutschen Bahn sowie im Internet (www.bahn.de und www.nightjet.com) gebucht werden. Die bisherige Schlafwagen-Verbindung zwischen Berlin und Köln über Hannover ersetzt die Deutsche Bahn in etwa gleicher Zeitlage durch einen nächtlichen Intercity. Geschlafen werden muss darin allerdings im Sitzen.

Urlaubsexpress: Weitere Änderungen im Fernverkehr: Der Berlin-Warschau-Express fährt künftig am sogenannten Tagesrand auch sonnabends (Abfahrt: 16.50 Uhr, Ankunft in Warschau um 22.11 Uhr). Auf der wichtigen Strecke Berlin–Hamburg entfallen hingegen pro Woche zwei Verbindungen (freitagvormittags ab Hamburg, sonntagmorgens ab Berlin). Aufgrund von Bauarbeiten verändern sich mehrere Abfahrtszeiten auf der Strecke Berlin–Stralsund. Davon betroffen ist auch der beliebte „Urlaubsexpress Mecklenburg-Vorpommern“, der im nächsten Jahr baubedingt nur noch stark eingeschränkt fährt.

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Bahn bekommt Konkurrenz: Für Reisende, die mit der Bahn von Berlin aus öfter nach Hannover, Göttingen, Frankfurt am Main oder Stuttgart unterwegs sind, wird es ab nächsten Mittwoch eine Alternative geben. Der private Anbieter Locomore startet am 14. Dezember sein Fernzug-Angebot. Einmal täglich will das Start-up mit Sitz in Berlin-Kreuzberg einen Zug zwischen der Schwaben-Metropole und der Hauptstadt fahren lassen – und zwar zu deutlich günstigeren Ticketpreisen als bei der Deutschen Bahn. Abfahrt in Stuttgart ist jeweils um 6.21 Uhr, die Ankunft in Berlin-Lichtenberg ist für 13.32 Uhr geplant. Die Rückfahrt beginnt um 14.29 Uhr in Lichtenberg, die Ankunft in Stuttgart ist für 21.20 Uhr vorgesehen.

Zoo wieder Fernbahnhof: Kleiner Erfolg für die City West: Der Locomore-Zug wird bei Hin- und Rückfahrt auch am Bahnhof Zoologischer Garten halten. Die Station war im Mai 2006 von der Bahn zugunsten des Hauptbahnhofs vom Fernverkehrsnetz abgehängt worden. Seither kämpfen Berliner Politiker und Gewerbetreibende darum, dass am Zoo wieder Fernzüge halten.

Zweiter Bahnsteig in Griebnitzsee: Im regionalen Bahnverkehr wird das bestehende Angebot im Fahrplan 2017 weitgehend fortgeführt, teilte der zuständige Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) mit. Wichtigste Änderung hier: Am Bahnhof Potsdam Griebnitzsee wird gleichfalls am heutigen Freitag ein zweiter Regionalbahnsteig in Betrieb genommen, sodass die Universitätsstandorte in Griebnitzsee, Neues Palais (Park Sanssouci) und Golm künftig tagsüber mit den RB-Linien 21 und 22 im Halbstundentakt miteinander verbunden sind. Fahrgäste sollten aber genau in den Fahrplan schauen, um keine unliebsamen Überraschungen zu erleben. So halten die Züge von Berlin mit Ziel Wustermark/Königs Wusterhausen nicht in Wannsee, die Züge nach Golm fahren in Charlottenburg ohne Halt durch. Nach Ende der Bauarbeiten fährt die RB23 (Potsdam–Michendorf) wieder auf der Linie über Caputh-Schwielowsee.

Karower Kreuz: An anderen Bahnstrecken wird hingegen weiter kräftig gebaut. Aus diesem Grund fährt der Regionalexpress RE5 auf dem südlichen Streckenast weiterhin nicht zwischen Wünsdorf-Waldstadt und Elsterwerda, als Ersatz werden Busse eingesetzt. Die Fahrzeit verlängert sich erheblich. Vom 9. Februar an wird zudem die Strecke Berlin–Eberswalde („Stettiner Bahn“) am Karower Kreuz für den zweigleisigen Ausbau bis April 2018 gesperrt. Der RE3 (Stralsund–Berlin–Lutherstadt Wittenberg) wird in dieser Zeit über Lichtenberg umgeleitet und in Berlin-Hauptbahnhof unterbrochen. Statt in Gesundbrunnen endet die Fahrten der RB-Linie 27 (Berlin–Groß Schönebeck) generell in Karow und der RB66 (Berlin–Angermünde–Stettin) in Berlin-Lichtenberg.

Außenring gesperr t: Vom 14. Mai bis zum 8. Oktober wird der Berliner Außenring in Potsdam im Bereich der Brücken über den Templiner See gesperrt. Anstelle der Regionalbahn RB22 fährt in dieser Zeit die RB23 von Potsdam nach Schönefeld. Darüber hinaus kann der Abschnitt Oranienburg-Nassenheide ab 22. Mai nur eingleisig befahren werden. Dadurch ändern sich die Fahrpläne der Regionalbahnen RB12 und RB54.

Kulturzug nach Breslau: Auch im nächsten Jahr wird es eine Direktverbindung mit dem Zug zwischen Berlin und Breslau (Wrocław) geben. Wie berichtet, haben sich die Länder Berlin und Brandenburg mit der Deutschen Bahn darauf verständigt, den „Kulturzug“, der auch in Cottbus hält, bis Ende 2018 fortzuführen. Ursprünglich sollte das Angebot am 6. Januar eingestellt werden. Die Bahn will künftig einen moderneren Dieseltriebwagen einsetzen. Der ist zwar kleiner, aber klimatisiert. Gefahren wird zunächst weiter nur an Feiertagen und am Wochenende.

S-Bahn Berlin: Bei der Berliner S-Bahn wird das bisherige Fahrplan-Angebot weitgehend beibehalten. Größere Änderungen wird es voraussichtlich erst im August 2017 geben, wenn am Bahnhof Ostkreuz zwei neue Bahnsteige in Betrieb genommen werden. Die Züge der S3 werden dann wieder über Ostkreuz hinaus bis Westkreuz fahren, Änderungen wird es dann auch für die Fahrpläne der S75 geben, die dann nur bis Ostbahnhof fahren soll. Weitere vorzeitige Änderungen im S-Bahn-Fahrplan könnten anstehen, wenn der neue Hauptstadtflughafen in Schönefeld doch noch im November 2017 eröffnet wird. Der BER soll im Zehn-Minuten-Takt mit den S-Bahnlinien S9 (über Ostkreuz) und S45 (über Südkreuz) erreicht werden.

BVG Spürbare Verbesserungen sind auch im Angebot der BVG geplant. Auf insgesamt 25 Linien werden Busse oder Bahnen öfter fahren, kündigten die landeseigenen Verkehrsbetriebe an.

U-Bahn Unter anderem ist vorgesehen, dass bei der U-Bahn die Züge ab der ersten Fahrt am Morgen bis zur letzten Fahrt am Abend prinzipiell im Zehn-Minuten-Takt fahren (außer U1, U3 und U6). Während des Berufsverkehrs reduzieren sich die Abstände zwischen Fahrten dann auf bis zu drei Minuten. Bei der U2 (Pankow–Ruhleben) wird der Fahrplan auch während der Schulferien nicht mehr ausgedünnt, bei der U9 (Rathaus Steglitz–Osloer Straße) soll das Angebot nur noch während der Sommerferien reduziert werden. Am Hermannplatz soll sich die Umsteigezeit von der U7 auf die U8 nach Wittenau von acht auf fünf Minuten verringern. Auf der Linie U8 (Wittenau–Hermannstraße) wird es Verstärkerfahrten künftig bis Paracelsus-Bad statt bis Osloer Straße geben. Eine Verbesserung ist auch für die Fahrgäste geplant, die in Wittenau von der U-Bahn in die S-Bahn umsteigen wollen. Der Anschlusszug der S1 in Richtung Oranienburg kommt schon in zweieinhalb, statt erst nach elf Minuten.

Busse Mit Angebotsverbesserungen können auch die Nutzer der BVG-Busse rechnen. Der M45 fährt nunmehr alle sechs statt bislang alle sieben Minuten zwischen Spandau, Johannesstift, und dem Bahnhof Zoologischer Garten. Der Expressbus X33 (Rathaus Spandau–Märkisches Viertel) geht am Sonnabend schon ab 7 Uhr und sonntags ab 9 Uhr auf Tour. Am Morgen früher und am Abend länger sind die Busse der Linien X10, X11, 147, 175, 184, 256 und 309 unterwegs. Dichtere Fahrtakte wird es auf den Linien 114, 184, 187, 194 und 248 geben.

Köpenick Einige Neuerungen sind für das Busnetz Köpenick geplant. Der X69 fährt künftig bis in das Wohngebiet Salvador-Allende-Viertel statt nach Müggelheim. Dafür wird es die neue Linie 169 geben, die vom U-Bahnhof Elsterwerdaer Straße bis nach Müggelheim, Odenheimer Straße führt. Der Linie 164 wird verkürzt, die Busse fahren nur noch zwischen Flughafen Schönefeld und S-Bahnhof Köpenick.

Straßenbahn Bei der Straßenbahn fährt die am stärksten nachgefragte Linie M4 (Hohenschönhausen–Hackescher Markt) bis 20 Uhr im Abstand von drei bis vier Minuten, bis 21 Uhr alle fünf Minuten und dann bis nach Mitternacht alle sechs bis sieben Minuten.

Fahrpläne Die Verkehrsunternehmen geben inzwischen nur noch mit wenigen Ausnahmen gedruckte Fahrplanbücher oder -hefte heraus. Begründet wird dies vor allem mit dem geänderten Verhalten der Fahrgäste, die gewünschte Informationen zu geplanten Reisen inzwischen vor allem über Internetseiten und Smartphone-Applikationen abrufen. Wer die persönliche Beratung will, dem stehen weiterhin die Reisezentren der Deutschen Bahn sowie die Kundenzentren der Nahverkehrsunternehmen BVG, Odeg oder S-Bahn Berlin zur Verfügung.

Weitere Infos zum Fahrplanwechsel unter www.bahn.de, www.vbb.de und www.bvg.de

Sperrungen an der S3 dauern länger

Sperrung: Seit Wochenbeginn müssen die Nutzer der S-Bahnlinie 3 (Erkner–Ostkreuz) erhebliche Einschränkungen hinnehmen. Weil die Deutsche Bahn ein neues elektronisches Stellwerk in Betrieb nehmen will, fahren zwischen Ostkreuz und Köpenick derzeit Busse statt Bahnen. Das führt zwangsläufig zu Reisezeitverlängerungen von mindestens 15 Minuten. Zwischen Erkner und Köpenick besteht S-Bahn-Pendelverkehr im 30-Minutentakt mit Umsteigen in Rahnsdorf.

Verzögerung: Wie die Deutsche Bahn am Donnerstag mitteilte, werden die Abnahmeprüfungen einen längeren Zeitraum benötigen als zunächst eingeschätzt. Daher verlängern sich die Einschränkungen auf der Linie S3 bis einschließlich Dienstag, 13. Dezember. Ursprünglich wollte die S-Bahn bereits ab Montagmorgen wieder regulär fahren. Der Betreiber der Schieneninfrastruktur, die DB Netz AG, bittet die betroffenen Fahrgäste der S-Bahn um Entschuldigung.

Ersatzverkehr: Der Schienenersatzverkehr mit Bussen bleibt bis zum 13. Dezember, 19 Uhr, im bisherigen Umfang bestehen. Zusätzlich kann zeitweise ein eingeschränkter Zugverkehr angeboten werden. So besteht von Montag, 4 Uhr, bis Dienstag, 15 Uhr, Pendelverkehr zwischen Ostkreuz und Erkner im 30-Minutentakt. In Karlshorst, Köpenick und Rahnsdorf müssen die Reisenden dann umsteigen. Ab Mittwoch, 4 Uhr, sollen die Züge der S3 dann wieder nach dem regulären Plan fahren.